Infektionserkrankungen wie die entstellende Hautleishmaniose breiten sich in Syrien aus

Eine Sandfliege (Phlebotomus papatasi), die die kutane Leishmaniose übertragen kann. Bild: CDC.gov

Ein Bericht warnt vor einem katastrophalem Ausbruch in Syrien, aber auch in den Nachbarländern, im Jemen oder in Libyen

Die Menschen in Syrien sind nicht nur geplagt von dem nun schon seit Jahren herrschenden Krieg, sondern dazu kommt nun auch noch mit dem Zusammenbruch der medizinischen Versorgung die tropische Infektionskrankheit Hautleishmaniose (kutane Leishmaniose), die zwar normalerweise nicht tödlich ist, aber zu offenen Wunden und größeren Geschwüren führt, die nach dem Abheilen entstellende Narben hinterlassen. Das kann zur Stigmatisierung führen und bei anderen Menschen Ängste und Ablehnung hervorrufen, so die WHO. Darunter würden vor allem Kinder und Frauen leiden.

Die Hautleishmaniose, die durch Sandmücken übertragen wird, hat sich im gesamten Mittelmeerraum verbreitet, auch in Deutschland treten bereits Sandmücken auf und wurden Menschen und Tiere infiziert.

In Syrien ist wie in vielen anderen Ländern die Leishmaniose endemisch, die bei Menschen vor allem von Leishmania tropica verursacht wird. Das war sie auch früher schon, weswegen sie mitunter u.a. auch Aleppobeule genannt wird. Der Krieg und die Flüchtlingskrise haben aber besonders in Syrien wieder zu einem katastrophalen Ausbruch der Krankheit geführt. Nach einem Bericht, der in der Open-Source-Publikation PLoS erschienen ist, sind Hunderttausende von Menschen in den Kriegsgebieten und Flüchtlingslagern infiziert. Die Wissenschaftler warnen, dass sich die Infektionskrankheit in katastrophalem Ausmaß bald auch in Libyen und im Jemen verbreiten könnte.

Es gebe in den Konfliktzonen im Nahen Osten und in Nordafrika viele Krankheiten, sagt Peter Hotez von der US National School of Tropical Medicine, der auch der US-Wissensgesandte für den Nahen Osten und Mitautor der Studie ist: "Wir müssen sie einschließen oder wir riskieren eine Situation wie 2014 bei der Ebola-Epidemie aus den Konfliktzonen Westafrikas.

Nach der Studie begann sich in Syrien nach einem Rückgang der Leishmaniose durch den Einsatz von Insektiziden Anfang der 1990er Jahren aufgrund der schnellen Urbanisierung wieder stärker auszubreiten. Die Stadtverwaltungen seien überfordert gewesen, für ausreichend hygienische Bedingungen und das Versprühen von Insektiziden zu sorgen. Durch die Wanderungsbewegung seien auch mehr Menschen ohne Immunität infiziert worden. Ab 2007 und dann ab 2011 mit dem Beginn des Bürgerkriegs stieg die Zahl der Infizierten stark an, während sie in Ländern wie Irak oder Saudi-Arabien in etwa konstant blieb.

In Syrien ist durch den Konflikt das Gesundheitssystem weitgehend zusammengebrochen, für die Flüchtlinge in Syrien und den Nachbarländern herrschen Armut und Mangelernährung, sie leben oft in überfüllten und nicht hygienischen Unterkünften. Die Gewalt in Syrien habe nicht nur zur größten Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg geführt, so die Autoren, sondern auch durch die "chaotische Migration und innerstrukturelle Instabilität" eine Lage geschaffen, in der Krankheiten wie Masern und Polio wieder gekommen sind, aber auch Tuberkulose, Hepatitis A und andere Infektionskrankheiten. Die Leishmaniose sei aufgrund der auffälligen körperlichen Folgen nur das sichtbarste Zeichen der gesundheitlichen Situation unter den Flüchtlingen.

Narben der noch harmloseren Art nach einer Hautleishmaniose-Infektion. Bild: Karim Aoun and Aïda Bouratbine/CC-BY-2.0

Genaue Zahlen liegen allerdings nicht vor. Nach den Angaben des Gesundheitsministerium hat sich die Zahl der Infizierten von 23.000 im Jahr 2011 auf 53.000 im Jahr 2012 und 41.000 im Jahr 2013 erhöht. Die Autoren gehen davon aus, dass die Erkrankungszahlen viel höher liegen, und schätzen, dass jährlich mehr als 100.000 Menschen infiziert sind bzw. infiziert werden. Auch in den Nachbarländern Jordanien, Türkei und Jordanien steigt die Zahl der Erkrankten. Dort sollen vor allem Kinder und junge Menschen erkranken, weil sie keinen Immunschutz besitzen. Auch hier liegen keine genauen Zahlen vor, weil die Gesundheitssysteme Leishmaniose gar nicht erfassen. Zudem fehlt es an Diagnosetechniken und Medizinern, die darauf spezialisiert sind.

Die Wissenschaftler warnen, dass dann, wenn nicht schnell reagiert wird, ein epidemischer Ausbruch von Hautleishmaniose unvorhersehbare Folgen haben könne. Schon nach dem Irak-Krieg war es dort zu einer Epidemie gekommen, die auch ausländische Soldaten betroffen hat. Der Bürgerkrieg in Afghanistan in den 1990er Jahre habe zu hunderttausenden Fällen in Afghanistan und den afghanischen Flüchtlingen in Pakistan geführt.

Auch wenn die Autoren schreiben, dass die wirklichen Ausmaße der von ihnen diagnostizierten Epidemie unbekannt seien, sprechen sie von einer "möglichen Epidemie in historischem Ausmaß". Entscheidend sei, die Krankheit zu erfassen und zu kontrolliere und, die Lebensbedingungen der Flüchtlinge zu verbessern. Entwickelt werden müssten schnelle und verlässliche Tests zur Diagnose, um die richtige Behandlung einleiten zu können. Zudem sei es erforderlich, die Erkrankten aufgrund der Entstellungen, die Hautleishmaniose hinterlässt, psychotherapeutisch zu betreuen, für kulturelle Anerkennung zu sorgen und Arbeitsmöglichkeiten etwa durch Mikrofinanzierungen anzubieten. (Florian Rötzer)

Anzeige