Instabile Westantarktis

Weniger Kohlestrom in der EU

Was die aktuellen Klimaschutzbemühungen angeht, gibt es in der EU gemischte Signale. Positiv zu berichten ist, dass die Kohlendioxidemissionen aus Kraftwerken im Jahr 2019 um 12 Prozent oder um 120 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr gesunken sind. Dies teilt der Thinktank Agora Energiewende mit: "Der Grund dafür ist ein Einbruch der Stromerzeugung von Stein- und Braunkohlekraftwerken: Sie verminderte sich EU-weit um beinahe ein Viertel und erreichte ein Rekordtief."

Hier zeigt das europäische Emissionshandelssystem mit Zertifikatpreisen von mehr als 25 Euro pro Tonne mittlerweile Wirkung. Dieses Niveau müsse allerdings gehalten werden. Aktuell würden in der EU etwa 300 Millionen Zertifikate mehr ausgegeben als verbraucht. Damit der Zertifikatspreis nicht wieder einbricht, müsste diese Menge schneller als bislang vorgesehen verringert werden.

Die Stromerzeugung aus Stein- und Braunkohle wurde zum einen durch erneuerbare Energien, zum anderen durch Strom aus Gaskraftwerken ersetzt. Der Anteil der Erneuerbaren lag EU-weit bei 34,6 Prozent, der von Gas bei 21,7 Prozent. Der Zubau der Photovoltaik hat sich im vergangenen Jahr auf 16,7 Gigawatt verdoppelt, die Windenergie legte mit 13,8 Gigawatt nicht ganz so stark zu. "Trotz der positiven Entwicklung muss das Zubautempo noch weiter beschleunigt werden", sagt Matthias Buck, Leiter Europäische Energiepolitik bei Agora Energiewende. Um das Ausbauziel für 2030 zu erfüllen, sei ein Wachstum von 97 Terawattstunden Strom jährlich bis 2030 nötig - also 33 Terawattstunden mehr als 2019.

Wenngleich der Ausbau der Erneuerbaren und der Rückgang der Kohleverstromung positive Nachrichten sind, so bleibt die derzeitige und künftige Rolle des Energieträgers Gas doch äußerst zwiespältig. Trotz "Green Deals" soll das europäische Parlament nach Willen der Kommission die Förderung zahlreicher Erdgasprojekte absegnen, darunter Infrastrukturprojekte für den Import von verflüssigtem Erdgas (LNG). Auf diesem Weg könnte durch Fracking gewonnenes Gas aus den USA importiert werden.

Interesse an LNG als Treibstoff gibt es zunehmend im Transportsektor, insbesondere in der Schifffahrt. Wie in anderen Verkehrsbereichen steigen auch hier die Treibhausgasemissionen weiter an. 2017 lag der Anteil der Schifffahrt an den Emissionen der EU bei 3,5 Prozent, Tendenz steigend. Einer Publikation des International Council on Clean Transportation (ICCT) zufolge werden mehr und mehr Schiffe auf LNG umgerüstet, weil dieser Antrieb weniger Schwefel- und Stickoxide ausstößt als das Verbrennen von Schiffsdiesel, zum anderen, weil er als um 25 Prozent weniger CO2-intensiv gilt.

Letzteres widerlegt der ICCT mit einer Analyse des gesamten Lebenszyklus des LNG. Denn sowohl bei der Förderung als bei der Verbrennung kommt es zu Leckagen von Methan in die Atmosphäre, wobei Methan ein weitaus stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid ist. (Jutta Blume)