Internet-Piraten vs. Kinobesucher

Der Film "28 Weeks Later" ist in einer deutschen Fassung bereits Wochen vor seinem Start im Netz

Piraten gibt es in Hannover bestenfalls zur gefürchteten Karnevalszeit - sollte man zumindest annehmen. Doch nun hat es mitten in Hannover einen Fall von Piraterie oder genauer gesagt: von Internet-Piraterie gegeben: Am vergangenen Mittwoch lief im Cinemaxx-Raschplatz die allwöchentliche Sneak. Eine äußerst beliebte Veranstaltung, bei denen die Zuschauer einen Überraschungsfilm Wochen vor seinem Kinostart sehen können. Gezeigt wurde an diesem Abend in einer deutschsprachigen Fassung 28 Weeks Later. Eine Produktion, die erst am 30. August in den deutschen Kinos startet. Doch bereits wenige Stunden nach der Vorführung war der Streifen dann am frühen Donnerstagmorgen im Netz - in einer der bekanntesten deutschen Tauschbörse.

So etwas geschieht fast täglich. Doch in diesem Fall stand ziemlich schnell fest, dass die deutschsprachige Tonspur im Cinemaxx-Hannover illegal aufgenommen worden ist. Seit einiger Zeit werden die Tonspuren von Verleihfirmen nämlich so kodiert, dass sie genau die Quelle der Raubkopie feststellen können. Zudem lief die deutsche Fassung von „28 Weeks Later“ bisher ausschließlich in Hannover.

Nach Angaben von Heiko Engel, der seit rund zehn Jahren in Hannover Sneaks organisiert, rechnet der betroffene Verleih mit einem dadurch verursachten Gesamtschaden, der im hohen sechsstelligen Bereich liegt. Ob diese Schätzung realistisch ist, sei einmal dahingestellt. Aber für das Cinemaxx und vor allem für die hannoversche Sneak hat dieser Vorgang jedenfalls negative Folgen. Bis auf weiteres, schreibt Engel, habe es nun den Ruf: ,In diesem Kino ist die Gefahr nachweislich sehr groß, das während der Sneak der Ton illegal mitgeschnitten wird’.“ Dadurch werde es ihm jetzt äußerst schwierig gemacht, zukünftig an attraktive Filme heranzukommen. Und „sollte in absehbarer Zeit erneut nachgewiesen werden, dass bei uns während der Sneak der Ton aufgezeichnet wurde, wird diese Veranstaltung zumindest in Hannover mit sofortiger Wirkung eingestellt.“

Um die Täter zu ermitteln ist das Cinemaxx jetzt in die Offensive gegangen. Ein ungewöhnlicher Schritt, weil bisher von den Verleihern und Kinos nicht gern öffentlich über solche Vorgänge „laut“ gesprochen wurde. Wer während der hannoverschen Sneak nun einen Zuschauer überführen kann, der den Ton mitzeichnet, wird für seine Aufmerksamkeit mit einer Jahreskarte für das Kino belohnt. Zudem sollen in Zukunft verschärfte Einlasskontrollen stattfinden.

Die Sneak-Besucher selbst reagierten auf den Vorgang geschockt und mit großer Empörung, weil sie die Veranstaltung nun eben in großer Gefahr sehen. So heißt es beispielsweise in dem schon genannten Kinoforum: „Das ist wirklich ein riesiger Mist! Das Schlimme ist, dass der Wi...er, der das gestern gemacht hat, sich jetzt wahrscheinlich auch noch toll vorkommt. So ein A....l.ch!!!“ Und ein anderer Forumnutzer droht sogar mit Prügel: „Da sind wir die beliebteste Sneak im ganzen Bundesgebiet, sowohl bei den Zuschauern als auch bei den Verleihern, bekommen genau deshalb so ein absolutes Schmankerl wie ,28 weeks later’...und dann sitzt da so ein grenzdebiles Arschloch mit im Zuschauerraum?!?! Ich glaube, wenn ich den erwischen würde, würde ich noch nicht einmal eine 100-Tage-Freikarte verlangen...lediglich eine Stunde allein mit dem Typen in einem geschlossenen Raum.“

Sympathie mit dem Piraten hat jedenfalls keiner dieser Sneak-Besucher. Und es gibt in Forum übrigens auch einen interessanten Hinweis. Demnach soll der Film angeblich sogar schon am Mittwoch kurz vor Mitternacht in einer Tauschbörse mit deutscher Tonspur angeboten worden sein. Also kaum eine Stunde nach Beendigung der Kinovorführung. Ob das wirklich technisch in dieser kurzen Zeit möglich ist, scheint zumindest fraglich. Derweil erfreut sich jedenfalls die Raubkopie im Netz bereits großer Beliebtheit. Innerhalb von nur 24 Stunden wurde sie allein in der schon erwähnten Tauschbörse rund 20000-mal heruntergeladen. Und über das Bild und den Ton heißt es dort: „spitzen film, bei der quali macht der auch gut spaß!“ Das sehen zumindest die Sneak-Besucher ganz anders.

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