Irak: Hitze und Proteste

Umspannwerk der Bagdader Strombehörde. Foto: USAID; gemeinfrei.

Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius lassen die Bevölkerung spüren, wie kaputt die Infrastruktur des Landes ist

Über dem Nahen Osten hat sich seit Ende Juli in außergewöhnliche Hitzeglocke aufgebaut. Die südirakische Stadt Basra liegt ganz in der Nähe des "Epizentrums" der dröhnenden Hitze, so ein Wetter-Portal. Seit mehr als einer Woche herrschen dort Temperaturen nahe an 50° Celsius, seit etwa 40 Tagen liegen die Spitzenwerte über 43°. Für heute und morgen werden Höchsttemperaturen bei Werten von 50° vorhergesagt, eine Ende der Hitzewelle ist vorerst nicht in Sicht.

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Das Wasser, das aus den Leitungen in den Haushalten kommt, soll brühheiß sein, das Trinkwasser ist in Teilen des Landes schmutzig, die Klimaanlagen setzen wegen der miserablen Stromversorgung so häufig aus, dass es in mehreren Städten in Zentralirak und im Süden, in Nadschaf, in Babil, in Nasirija und in der Hauptstadt Bagdad zu Protesten gekommen ist, auch in Basra.

Das geistliche Oberhaupt der irakischen Shiiten Ayatollah Sistani beteiligte sich an der Empörung über die Unfähigkeit der Regierung, eine stabile Versorgung für das Nötigste zu garantieren.

Am Beispiel Basra ist abzulesen, dass zwar die Wut über den Gouverneur groß ist, aber stärker sind anscheinend noch die Hindernisse, die sich einer Verbesserung der Infrastruktur entgegenstellen. An erster Stelle wird nicht nur in Basra die Korruption genannt, das wirkungslose Versickern von Millionenbeträgen. Dazu kommen Kleinkriege der Parteien in den Kammern. Worauf endlose Debatten im Parlament der Hauptstadt vor jeder wichtigen Entscheidung eine größere Öffentlichkeit schon aufmerksam gemacht hatten, spielt sich auch in den kleineren Provinzparlamenten ab.

Die jahrelangen kriegerischen Auseinandersetzungen und die Abfolge mehrere Regierungen haben Fundamente für einen stabilen Neuaufbau unterminiert, die milliardenteuren Maßnahmen der amerikanischen Besatzung zum Aufbau eines Versorgungsnetzes scheinen ebenfalls wirkungslos verpufft (ebenso wie die über 100 Milliarden Dollar für die Ausbildung einer wehrhaften irakischen Armee).

Einzig die Investitionen in die Infrastruktur der Ölförderung haben Wirkung, die Öl-Förderung sei dadurch wieder gestiegen, aber, so melden Berichte über die wirtschaftliche Situation durch die niedrigen Ölpreise verpufft auch dies, schlimmer noch: Auf den Irak könnte eine satte Finanzkrise zukommen. Die Arbeitslosigkeit stand bereits im letzten Jahr bei 25 Prozent - fundamentale Reformen wären nötig…

Die "gefühlte Hitze" ist übrigens nicht in Basra am größten, sondern in den Zonen mit Feuchtluft, im irakischen Samawa und im iranischen Mahschahr am persischen Golf, an der Grenze zum Irak. In beiden Städten, so Wetter.com, werden "gefühlte Temperaturen" nach einem amerikanischen Index, der Wind und Feuchtigkeit miteinbezieht, von über 70 Grad erreicht. (Thomas Pany)

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