Irak: US-Armee verstrickt sich tiefer in das Kampfgeschen

Weil der Vormarsch der IS-Milizen US-Militärberater in Abu Ghraib bedroht, setzt das US-Militär in der Provinz Anbar nun Hubschrauber ein

Laut Informationen der üblicherweise gut unterrichteten McClatchy-Reporter hat die US-Militärführung schon vor einigen Tagen auf die Kritik an der beschränkten Wirkung der Luftangriffe auf die Kampfkraft der IS-Milizen (Sind die Luftangriffe im Irak und in Syrien erfolgreich?) reagiert. Sie setzen nun auch Hubschrauber ein, um gezielter vorgehen zu können. Allerdings nicht in Kobanê, wo es sehr schlecht um die kurdische Bevölkerung steht, sondern westlich von Bagdad.

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Die Berichterstattung über den Krieg gegen den IS konzentrierte sich zuletzt vor allem auf die sich anbahnende Eroberung der syrischen Grenzstadt Kobanê durch die IS-Milizen, so wurde in der Öffentlichkeit kaum registriert, dass die Dschihadisten in der irakischen Provinz Anbar strategisch wichtige Orte, Militärbasen und Verkehrsverbindungen erobert haben.

In der vergangenen Woche gelangten sie in die Nähe von Abu Ghraib. Dies hat das US-Kommando alarmiert, da die IS-Milizen damit in der Nähe des Flughafens gelangt sind, wo Hunderte von amerikanischen Militärberatern und eine US-Kommandozentrale untergebracht sind. Mit Nähe ist eine Distanz gemeint, die die Dschihadisten mit Raketen und möglicherweise sogar mit Granatwerfern überbrücken könnten, so die Sorge der US-Armee, von der McClatchy berichtet.

Angesichts dessen, dass die Kampfjeteinsätze in Anbar den IS nicht von weiteren Eroberungen abgehalten haben, also nicht wirksam geschwächt haben, hat sich die US-Militärführung nun dazu entschlossen, neben Bombern und Kampfjets auch Hubschrauber, vermutlich AH-64 Apache, einzusetzen und sich damit, wie Experten bemerken ("It’s definitely boots in the air"), tiefer in das Kriegsgeschehen verstrickt und verwundbarer gemacht.

Die Hubschrauber sollen auch für Ziele in Falludscha und Hit, beides wichtige Städte in der Provinz, eingesetzt werden. Die mehrheitlich von Sunniten bevölkerte irakische Provinz war die erste, die von den Dschihadisten angegriffen wurde. Laut UN sind seit Beginn der Kämpfe im Dezember zwischen den IS-Milizen und der irakischen Armee, bzw. örtlichen Verteidigungstrupps der Stämme, die sich den Dschihadisten nicht anschließen wollten, geschätzt eine halbe Million Bewohner Anbars zur Flucht gezwungen worden. Sie können bislang nur unzureichend mit dem Nötigsten versorgt werden.

Die irakische Armee hatte, nachdem sie am Boden den IS-Milizen kaum Gegenwehr bieten konnte, später auf Bombardierungen gesetzt, was zu vielen Opfern unter der Zivilbevölkerung etwa in Falludscha geführt hat. (Thomas Pany)

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