Iran: "Die Zeit der israelischen Luftangriffe auf Syrien ist vorbei"

Man wolle nicht eskalieren, aber sei "bereit, vorbereitet und fähig, jedem, der uns angreift, einen schweren Preis bezahlen zu lassen", schreibt der IDF-Sprecher zu dem Foto. Bild: IDF

Nachdem israelische Flugzeuge heute in Reaktion auf eine angeblich iranische Drohne Ziele in Syrien bombardierten, wurde erstmals seit 1982 ein israelisches Kampfflugzeug abgeschossen

Im Syrienkonflikt, wo so viele Spieler mit labilen, teilweise überkreuzenden und sich bekämpfenden Allianzen ihre Finger im Spiel haben, scheint es zunehmend brisanter zu werden. Gerade erst hatten US-Kampfflugzeuge mit schwerem Gerät voranrückende schiitische Milizen bei Deir ez-Zor angegriffen und ein Blutbad angerichtet. In Afrin wird weiter gekämpft und sollen die YPG heute einen türkischen Panzer zerstört und einen Militärhubschrauber abgeschossen haben. Und im Westen gab es zwischen Syrien und Israel Kämpfe, bei denen eine angeblich iranische Drohne und erstmals seit Jahrzehnten wieder ein israelisches Kampfflugzeug, eine F-16, abgeschossen wurden. Haaretz schreibt bereits von einem drohenden Krieg "nach der bislang schwersten Eskalation der Gewalt zwischen Iran, Syrien und Israel".

Das israelische Militär (IDF) behauptet, eine in Syrien gestartete Drohne sei auf militärischer Mission in den israelischen Luftraum eingedrungen und habe die israelische Souveränität verletzt. Direkt verantwortlich dafür wird der Iran gemacht, der Syrien als "Sprungbrett" für gegen Israel gerichtete Aktionen" mache. Die Drohne wurde von einem israelischen Militärhubschrauber in der Nähe der jordanischen Grenze abgeschossen und fiel auf israelisches Territorium. Das Militär veröffentlichte ein Video vom Abschuss.

Nach Brigadegeneral Tomer Bar habe es sich um eine neue Drohne gehandelt. Man habe sie beobachtet und gewartet, bis sie in den israelischen Luftraum geflogen war, um dann zu entscheiden, wo man sie abschoss. Möglicherweise hatte sie unbeabsichtigt die Grenze überflogen.

Eskaliert hat dann erst einmal Israel, das wie gewohnt Ziele in Syrien von Flugzeugen aus bombardierte, dieses Mal u.a. einen militärischen Stützpunkt in der Nähe von Damaskus, von dem aus die Drohne gestartet sein soll. Das wurde als "chirurgische Aktion tief in Syrien" bezeichnet, bei der das Ziel zerstört worden sei. Kurz darauf flogen israelische Flugzeuge weitere Angriffe auf 12 syrische und iranische Ziele, darunter drei syrische Luftabwehrbatterien und vier nicht weiter genannte iranische Ziele. Syrien antwortete mit massivem Luftabwehrfeuer und schoss dabei eine F-16 über israelischem Territorium ab. Die Piloten konnten sich retten, allerdings war einer der beiden dabei schwer verletzt worden.

Ganz offensichtlich will Israel, vermutlich mit der Unterstützung von Washington, den Konflikt direkt mit dem Iran zuspitzen: "Der Iran exportiert Terror und Instabilität im gesamten Nahen Osten", so ein Tweet des IDF-Sprechers. "Die IDF werden Israel dagegen verteidigen." Zuvor waren bereits immer einmal wieder Drohnen iranischer Herkunft vermutlich von den Hisbollah aus dem Libanon in den israelischen Luftraum geflogen, wo sie abgeschossen wurden. Zwar heißt es von israelischer Seite, man wolle keine Eskalation, aber jeder, der die territoriale Integrität des Landes verletzt, werde einen "hohen Preis" zahlen. "Iran und Syrien spielen mit dem Feuer", wird weiter gewarnt, die israelischen Streitkräfte seien "für eine Vielzahl von Szenarios vorbereitet". Aber herausgestellt wird vor allem, dass es sich bei der Drohne um einen "ernsthaften Angriff auf israelisches Territorium" gehandelt habe.

Aber nicht nur Israel hat Interesse, eine Konfrontation mit dem Iran zu suchen, der nicht nur der Verbündete Assads ist, sondern auch die Macht hinter den libanesischen Hisbollah. Auch dem Iran könnte daran gelegen sein, gerade nach dem US-Angriff auf schiitische Milizen, Israel zu provozieren. Wenn das die Absicht war, war sie auch erfolgreich. Der Iran bestreitet, dass es sich um eine iranische Drohne gehandelt habe. Das sei "lächerlich", der Iran sei von der legitimen syrischen Regierung zur militärischen Beratung eingeladen worden. Die syrische Regierung und die syrische Armee hätten das Recht zur Verteidigung der territorialen Integrität.

Damaskus erklärte, dass die israelischen Kampfflugzeuge einen Drohnenstützpunkt bei Palmyra bombardiert hätten, der die Aufgabe haben soll, Informationen über den IS in der Region zu sammeln. Der Stützpunkt sei getroffen worden, als Drohnen auf regelmäßigen Erkundungsflügen in der Wüste der Provinz Homs gewesen seien. Es sei eine Lüge, dass die Drohne in den israelischen Luftraum eingedrungen sei.

Aus dem Iran kommen nun Drohungen, vor allem aber triumphiert ein Sprecher des iranischen Sicherheitsrates, dass die syrische Antwort auf die Angriffe ein "klares Warnsignal an Israel" gewesen seien: "Die Zeit der israelischen Luftangriffe auf Syrien ist vorbei." Jetzt würde auf weitere Aggressionen "rücksichtlos reagiert" werden.

Russland, das von Israel aufgefordert worden sein soll, deeskalierend einzugreifen, rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Eine Verlautbarung des russischen Außenministeriums forderte, "absolut die Souveränität und territoriale Integrität von Syrien und den anderen Ländern der Region zu respektieren". Man sei über die jüngsten Entwicklung und Angriff auf Syrien besorgt, besonders besorgt sei man "über die gefährliche Eskalation in den Deeskalationszonen und um sie herum". Drohungen gegenüber russischem Militär in Syrien seien "unzumutbar". (Florian Rötzer)

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