Iran führt Flugzeugabschuss allein auf den Fehler einer Person zurück

Trümmer der abgeschossenen Passagiermaschine. Bild: Farsi News/CC BY-4.0

Die Flugschreiber hält der Iran nun doch wieder zurück

Die iranische Führung hat noch einmal bestätigt, dass der Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine mit 147 Toten am 8. Januar nach dem Raketenangriff auf den US-Stützpunkt im Irak alleine auf menschlichen Irrtum der Flugabwehr zurückzuführen sei. Zu dem Schluss seien Spezialisten des Generalstabs der Streitkräfte gekommen, erklärte heute der Vorsitzende des Ausschusses für Nationale Sicherheit und Auswärtige Politik des iranischen Parlaments, Mojtaba Zonnouri.

Jede Möglichkeit von Cyberangriffen oder elektronischer Kriegsführung als Ursache des Absturzes wird ausgeschlossen, aber, so heißt es weiter, solche Themen könnten in der Zukunft weiter untersucht werden, um jeden damit verbundenen Hinweis zu erhalten. Will man sich eine Hintertür offen halten? Gegenwärtig gebe es auch keinen belastbaren Beweis für Fehler in den iranischen Verteidigungssystemen zur Zeit des Ereignisses. Auch der Bediener des Feuerleitstands sei nicht vom Netz abgehängt gewesen.

Auch mit Hinblick auf die Situation zur Zeit des Ereignisses und selbst wenn der Bediener nicht mit dem Netzwerk verbunden gewesen sei, habe dieser individuell einen schweren Fehler begangen, so Zonnouri. Der Einheit des Raketenabwehrsystems sei nicht befohlen worden, ein Objekt anzuzielen und zu schießen. Selbst wenn die Person nicht mit dem Hauptquartier verbunden war, "hätte sie nicht aus eigenem Willen heraus feuern dürfen".

Ob Cyberangriffe, technische Pannen, Kommunikationsprobleme etc. wirklich ausgeschlossen werden können, lässt sich nicht beurteilen. Offenbar ist es aber der iranischen Führung wichtig, dass es sich nur um den Fehler einer einzigen Person gehandelt hat, um den Vorfall abzuhaken und zu beenden. Wie es kommen konnte, dass das Raketenabwehrsystem zwei Raketen auf das Flugzeug abgeschossen hat, wurde von Zonnouri nicht erklärt.

Das könnte auch der Grund sein, warum der Iran zögert, die Flugschreiber zum Auswerten weiterzugeben. Zunächst hieß es, man werde sie nicht weitergeben. Dann wurde verlautbart, sie seien lädiert, der Iran könne sie nicht auslesen. Angekündigt wurde, sie deswegen der Ukraine oder Frankreich zu übergeben. Gestern sagte Hassan Rezaifar von der iranischen Zivilluftfahrtbehörde, dass die Flugschreiber noch im Lande seien und noch keine Entscheidung getroffen worden sei, sie einem anderen Land zu übergeben. Man versuche weiter, diese zu untersuchen. Noch am Samstag hatte er angekündigt, sie würden der Ukraine übergeben.

Kanada forderte den Iran auf, die Flugschreiber schnell zur Untersuchung in die Ukraine oder nach Frankreich zu schicken. In einem Brief an seinen iranischen Kollegen Javad Zarif sagte der kanadische Außenminister Francois-Philippe Champagne, das sei der Konsens der Länder, deren Bürger ums Leben gekommen waren. Wenn man die volle Verantwortung übernehmen wolle, wie das die iranische Führung gemacht hat, dann schließe dies die Transparenz ein. (Florian Rötzer)