Iranische Militärbasen in Syrien?

Screenshot des BBC-Berichts zur angeblichen iranischen Militärbasis in Syrien

Ein Raketen-Angriff auf eine angebliche iranische Basis bei Damaskus macht deutlich, dass zur Stabilität in der Region auch Vereinbarungen gehören, die Spannungen zwischen Israel und Iran vermindern

In der Nacht zum vergangenen Samstag wurde von der israelischen Luftwaffe offenbar ein "strategisches Ziel" in Syrien, in der Nähe der Hauptstadt Damaskus, angegriffen. Der Angriff wird von verschiedenen Medien unterschiedlich wiedergegeben. Im Hintergrund geht es um die Frage, ob Iran in Syrien militärische Basen aufbauen will oder schon welche aufgebaut hat und wie sich Russlands Führung dazu positioniert.

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Eine offizielle Bestätigung für die Angriffe gibt es seitens der israelischen Streitkräfte nicht. Die israelische Zeitung Ha'aretz bezieht sich in seiner Meldung auf das syrische Staatsfernsehen, das einen Angriff israelischer Flugzeuge auf eine "Militärbasis" in der Nähe von Damaskus bestätigt habe. Ohne die Namen der "pro-Assad-Medien" zu nennen, die als Quellen herangezogen werden, berichtet Ha'aretz, das "Ziel des Angriffs war eine iranische Militärbasis in der Nähe von al-Kiswa, das sich etwa 13 Kilometer südlich von Damaskus befindet".

Die Existenz einer iranischen Militärbasis in Syrien hat für Israel große Brisanz, insofern wäre die Anerkennung, dass es eine solche Basis in Syrien gibt, durch pro-Assad-Medien allein schon ein Politikum.

Zum Ablauf des Angriffs gibt es unterschiedliche Berichte. Laut den Informationen von Ha'aretz berichtet Sky News Arabia von Abwehrraketen, welche das syrische Luftabwehrsystem auf israelischen Flugzeuge abgefeuert habe, ergänzt wird dies mit Aussagen syrischer Staatsmedien, wonach auch zwei Boden-Boden-Raketen vom syrischen Abwehrsystem abgefangen worden sei.

Bei Russia Today wird berichtet, dass "mehrere Raketen" bei einem "Luftangriff" auf ein Ziel in der ländlichen Umgebung Damaskus' abgefeuert wurden - mit der lakonischen Feststellung, dass einige Raketen von der syrischen Luftabwehr abgefangen wurden und andere das beabsichtigte Ziel trafen.

Laut dem verlinkten Bericht von al-Masdar-News, das man getrost als "pro-Assad-Medium" bezeichnen kann, trafen einige der nicht abgefangenen Raketen, die von der israelischen Armee abgefeuert worden seien, ein "Munitionsdepot der 1. Division", was an ein Munitionslager der syrischen Armee denken lässt.

Allerdings werden auch bei RT ungenannte "andere Quellen" zitiert, wonach das Ziel eine iranische Militarbasis in der Umgebung von al-Kiswah war. Entsprechende Berichte über die Luftangriffe seien aber dann in israelischen Publikationen für einige Stunden vom Netz genommen worden. Hinzugefügt wird, dass die Kampfjets die Raketen angeblich vom libanesischen Luftraum aus abfeuerten. Am Ende des Berichts wird der israelische Ministerpräsident Netanjahu mit der Befürchtung zitiert, dass Iran das Ziel habe, "Syrien als Basis zu benutzen, um Israel zu zerstören".

Bei Ha'aretz wird auf einen Bericht der BBC von Anfang November verwiesen, wonach "das iranische Militär angeblich ('it is said') einen Gebäudekomplex an einem Standort errichtet hat, der von der syrischen Armee benutzt wurde" - außerhalb von al-Kiswa, etwa 14 Kilometer von Damaskus entfernt. Im Bericht werden Satellitenaufnahmen gezeigt, die einen Ausbau der Anlage - neue und renovierte Gebäude - von Januar bis Oktober 2017 dokumentieren sollen. Als Quelle werden Airbus und McKenzie Intelligence Services genannt.

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Für den Laien-Betrachter ist weder das Datum noch der Ort zu verifizieren, auch lässt sich die Benutzung der Gebäude nicht erkennen. Im Bericht wird auch angemerkt, dass die Bilder "keine Spur großer oder unkonventioneller Waffen" zeigen, was so erklärt wird, dass der Standort, "wenn er eine Basis ist", wahrscheinlich nur Soldaten und Kraftfahrzeuge beherbergt.

Eine Quelle wird damit zitiert, "dass es wahrscheinlich sei, dass ein ranghoher iranischer Militärvertreter den Gebäudekomplex in den letzten Wochen besucht haben könnte". Damit nicht genug der Ungewissheiten. Es sei unmöglich, den Zweck der Anlage unabhängig zu verifizieren, stellt der BBC-Bericht fest und: Das gelte auch für die Präsenz iranischer Militärs.

So bleibt die Sache für alle, die keine Geheimdienstinformationen haben, offen. Ausgerechnet der israelische Verteidigungsminister Lieberman bestärkte kürzlich mit einer generellen Aussage eine gewisse Konfusion. "Es gibt im Augenblick keine physische Präsenz iranischer Militärs in Syrien", sagte Lieberman der Publikation y-net.

Es gebe einige iranische Berater und Experten, aber es seien keine militärischen iranischen Streitkräfte auf syrischem Boden, so Lieberman im Interview und erklärte:

Iran hat die Strategie, überall Stellvertreter (Proxy) zu schaffen. Letzten Endes haben sie keine physische Präsenz im Libanon. Dafür haben sie die Hizbollah. Sie sind auch im Jemen nicht physisch präsent, sondern haben dort die Houthi-Rebellen. Dieselben Pläne haben sie in Syrien: Sie schaffen alle Arten von Milizen aus schiitischen Söldnern, die sie vom Irak, aus Afghanistan und Pakistan herbeischaffen.

Avigdor Lieberman

Die Aussage stiftete einige Verwirrung ("Are you confused? So are we", Amos Harel), da Lieberman noch kürzlich gewarnt habe, dass Israel es nicht erlauben würde, dass sich schiitische und iranische Streitkräfte in Syrien verschanzen.

Auch habe, wie Harel anmerkt, Generalstabschef Eisenkot in einem Interview mit einer saudi-arabischen Publikation die iranische Bedrohung herausgestellt und die Forderung geäußert, dass die Hizbollah Syrien verlassen und Iran seine Milizen aus Syrien zurückziehen müsse.

Diese Forderung wird von Iran kaum erfüllt werden. "Sie sind nach Syrien gekommen, um zu bleiben", stellt denn auch der Ha'aretz-Analyst Harel fest, verbunden mit der Befürchtung, dass sich aus israelischen Versuchen, Iran dazu zu zwingen, Syrien zu verlassen, das Risiko ergebe, dass sich militärische Reibereien zu einem größeren Konflikt entwickeln.

Die Aktion gegen die angebliche oder echte Militärbasis bei al-Kiswa ist demnach ein weiteres Signal an die iranische Adresse, wo die israelische Armee Grenzen setzt, auch wenn die russische Regierung andere rote Linien zieht, die der Angriff möglicherweise übertreten hat. Folgen wird das keine haben, da Russland derzeit keine neue Front zwischen Israel und Syrien wolle, folgt man der Einschätzung Zvi Bar'els, der über einen Riss zwischen Russland und Iran spekuliert.

Es bleibt die Frage, welche Regelungen in Syrien zwischen der Regierung in Damaskus, Russland und Iran getroffen werden, um die Möglichkeit einer Eskalation zwischen Israel und iranischen Proxies möglichst niedrig zu halten. Die Präsenz von Milizen, die in enger Verbindung zu Iran stehen, in der Nähe israelischer Grenzen gehört nicht zu deeskalierenden Maßnahmen. (Thomas Pany)

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