Iranisches Erdgas und Sanktionen: Neue Beweise, neue Betreiber?

South Pars Onshore-Anlagen in der Nähe von Asaluyeh in der iranischen Provinz Bushehr. Bild: Tasnim News Agency/CC BY 4.0

Der iranische Teil von South Pars, des größten Erdgasfeldes der Welt, könnte im Falle erneuter Sanktionen einen neuen Betreiber bekommen: China

Die China National Petroleum Corporation (CNPC) erwägt die Übernahme der Anteile des Ölkonzerns Total am iranischen Teil des South-Pars-Gasfelds im Persischen Golf, sollten die Franzosen durch eine neuerliche Sanktionsrunde der USA zur Aufgabe des Projekts im Iran gezwungen werden. Das geht aus einem Reuters-Bericht vom 15. Dezember 2017 hervor.

Total hatte den Vertrag zur Erschließung von South Pars erst im Juli unterzeichnet. Der Vertrag hatte der CNPC die Möglichkeit eingeräumt, die Beteiligung von Total zu übernehmen, falls die Franzosen aussteigen würden, so die dort zitierten Quellen.

Die Vereinbarung war die erste große Investition des Westens auf dem Energiesektor des Irans, nachdem die Sanktionen mit dem Ziel des Einfrierens des iranischen Atomprogramms Anfang 2016 aufgehoben worden waren. Iran ist der drittgrößte OPEC-Produzent - der Vertrag mit Total galt als Durchbruch bei der Wiederbelebung der iranischen Wirtschaft nach der Aufhebung der Sanktionen.

Die CNPC gehört zu den drei größten chinesischen Staatsunternehmen des Ölsektors und ist bereits in der Entwicklung iranischer Ölfelder engagiert, seitdem gegen den iranischen Energiesektor gerichtete westliche Sanktionen viele europäische Energieunternehmen zur Stilllegung von Vorhaben im Iran veranlasst haben. Seit 2011 beutet die CNPC gemeinsam mit der National Iranian Oil Company (NIOC) das Masdsched Soleyman-Feld aus, das älteste Ölfeld des Nahen Ostens. Am 26. Mai 1908 war hier ein von William Knox D'Arcy ausgesandtes Erkundungsteam nach jahrelangem erfolglosen Suchen auf Öl gestoßen. Der Fund hat die Geschichte des Nahen Ostens seither tiefgreifend beeinflusst - eine Entdeckung, die die gesamte Region bis heute nicht zur Ruhe kommen lässt.

Katar und Iran teilen sich die mächtige North Field/South Pars-Lagerstätte. Bild: US Energy Information Administration

Nikki Haley, US-amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen, hatte am 14. Dezember 2017 "konkrete Beweise" vorgestellt, die Irans Unberechenbarkeit untermauern sollen, in einem Auftritt, der einigen Beobachtern Colin Powells Präsentation von vermeintlichen Beweisen der Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen ins Gedächtnis rief. Powells Auftritt vor dem UN-Sicherheitsrat gilt heute als Initialzündung, die zum Irakkrieg von 2003 führte. Diesmal gab es anstelle von computergenerierten Abbildungen richtige Hardware zu besichtigen, unter anderem mutmaßliche Trümmerreste zweier ballistischer Raketen kurzer Reichweite vom Typ Qiam 1, die im Iran hergestellt und dann zu Huthi-Rebellen in den Jemen verschickt worden sein sollen, die sie dann unter anderem auf den King Khaled International Airport nahe der saudischen Hauptstadt Riad abfeuerten.

Ich wiederhole: diese Rakete wurde verwendet, um einen internationalen zivilen Flughafen in einem G20-Staat anzugreifen. Stellen Sie sich vor, wenn diese Rakete auf den Dallas Airport oder auf JFK abgefeuert würde. Oder die Flughäfen von Paris, London und Berlin. Darüber sprechen wir hier - das ist das, was der Iran aktiv unterstützt.

Nikki Haley, US-amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen

Bei einer Qiam 1-Reichweite von 750 Kilometern bleibt allerdings unklar, wo Haley weitere mögliche Empfänger iranischer Raketentechnik verortet, die als Abschussbasen zum Erreichen der erwähnten Ziele in Frage kämen.

Zusätzlich wurden noch eine Panzerabwehrwaffe und eine Drohne iranischer Provenienz gezeigt.

Zum Ursprung der von den Huthi-Rebellen vom Jemen aus gestarteten Raketen war kurz zuvor ein als geheim eingestufter UN-Bericht zu einer ähnlichen Einschätzung gekommen, auch wenn es keine konkreten Hinweise zur Identität von Zwischenhändlern oder Lieferanten gab.

Haley sieht in den präsentierten Beweisen eindeutig eine Verletzung einschlägiger Beschlüsse des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen. Schwieriger sei es hingegen, irgendeinen Konflikt oder irgendeine Terrorgruppierung im Nahen Osten zu finden, die nicht mit den Fingerabdrücken Irans übersät seien.

US-Präsident Donald Trump hatte am 13. Oktober 2017 bekannt gegeben, dass die USA in einem neuen Ansatz nun auch alle anderen destabilisierenden Verhaltensformen des iranischen Regimes begutachten würden: das ballistische Raketenprogramm, Waffenlieferungen sowie die Unterstützung für Terroristen, Proxy-Krieger und Diktatoren, so Nikki Haley in ihrer Präsentation. Die Iraner hätten sich das selber zuzuschreiben, da sich ihr Benehmen ständig verschlechtere. Der Nukleardeal habe nichts bewirkt, um das Regime in diesen Gesichtspunkten zur Mäßigung zu bewegen.

Ein US-Offizieller hatte noch vor Haleys Auftritt erklärt, dass die Präsentation Teil der neuen Anstrengungen der Trump-Regierung sei, den Druck auf Teheran zu erhöhen, während man gleichzeitig überlege, aus dem unter Obama ausgehandelten Nukleardeal auszusteigen.

Nachdem sich Trump im Oktober geweigert hatte anzuerkennen, dass Teheran den Vereinbarungen nachkomme, muss der Kongress darüber abstimmen, ob nun wieder Sanktionen gegen den Iran in Kraft treten sollen. Zur Zeit ist unklar, wann eine Abstimmung stattfinden wird, oder welcher Natur neuerliche Sanktionen sein würden, aber sie könnten Unternehmen, die im Iran agieren, von einer weiteren geschäftlichen Betätigung in den Vereinigten Staaten ausschließen.

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