Irans Frauen

Bild: Amir Farshad Ebrahimi / CC-BY-SA-2.0

Die stärkste gesellschaftliche Gruppe gegen die religiöse Diktatur

Häuser, deren Wände drei oder fünf Meter hoch sind und alles führt zu nur einer Tür, welche von einem Wachmann überwacht wird. Und unter einer Kette der Knechtschaft und einer bedingungslosen Verurteilung werden [iranische Frauen] oft entwurzelt, einige mit Blassgelb, einige hungrig und nackt, manchmal den ganzen Tag lang, wartend und weinend.

Tadsch os-Saltaneh (vor über hundert Jahren), Tochter des Naser ad-Din Schah von Kadscharen-Dynastie

"Wenn ihr siegt, was würdet ihr für die Durchsetzung der Frauenrechte machen?", fragte Frau Mohtaram Eskandari, eine der ersten Vorkämpferinnen für Frauenrechte zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Frage erörterte Eskandari kurz vor dem Sieg der Konstitutionellen Revolution im Iran (Einführung des Parlamentarismus und Beschneidung der Befugnisse des Schah, 1906-1911). Die sehr junge Mohtaram stammte aus eine wohlhabenden Aristokratenfamilie und durfte den Diskussionssitzungen ihres Vaters und dessen Freunden, welche zu den damaligen Intellektuellen gehörten und Kämpfer für Parlamentarismus waren, beiwohnen.

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Ein Mann aus der Reihe antwortete: "Du bist ganz schön gewachsen, da müssen wir zusehen, wie wir Dich bald unter den Tschador kriegen." Eskandari erwidert ohne zu zögern: "Mit dieser Einstellung werdet ihr nie siegen." Der Mann meinte es natürlich nicht ernst, aber Mohtesham Eskandari engagierte sich Zeit ihres kurzen Lebens (sie wurde nur 29) für die Verbesserung, ja Gleichstellung der Frauen und die Ablehnung des Hijab-Zwangs unter heiklen Bedingungen.

Etwa 90 Jahre nach Mohtaram Eskandaris Tod stehen iranische Frauen fast vor denselben Problemen. Dabei ist das Altkulturland Iran ein Staat mit einer sehr dynamisch-agilen Gesellschaft, vielleicht die dynamischste Gesellschaft im gesamten Nahen Osten. Mit den Worten des großen französischen Islam-, Nahost- und Islamismuskenners Olivier Roy: "Iran is the most secularized society in the Middle East."

Das stellt zugleich den größten Widerspruch des Iran dar, in dem eine rigide unzeitgemäße religiöse Diktatur einer dynamisch modern eingestellte Gesellschaft gegenübersteht, so dass man sich fragt, wie diese religiöse Diktatur bisher 40 Jahre lang überlebt hat.


In dieser agilen Gesellschaft treten die Frauen als stärkste gesellschaftliche Gruppe auf. Obwohl die Ayatollahs und ihr ziviler Anhang seit fast vier Dekaden versuchen, Frauen ihre Gesellschaftsvorstellungen und ihren Lebensstil aufzuoktroyieren, schaffen sie das nicht, mehr noch, sie geben zu, dass sie dabei gescheitert sind. Dabei ist der Kampf um den Verschleierungszwang (Hijab) der zentralste Konfliktpunkt.

Irans Regime hat bisher viel Personal und Gelder für Einhaltung des Hijab in der Öffentlichkeit investiert. Durch ihre innovativen Ideen und Einfälle hinsichtlich ihrer Kleidung haben die iranischen Frauen eine Art "Gegenkultur" zur Kultur der Islamischen Republik entwickelt. Woher rührt dieser Kampfgeist?

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