Iren dürfen wieder zum Friseur, Österreicher nicht

Die Dubliners: Eamonn Campbell, John Sheahan, Barney McKenna, Séan Cannon und Patsy Watchorn. Foto: Jim McCann. Lizenz: CC BY 2.5

Die Insel lockerte ihren Lockdown gestern, in Österreich werden heute weniger strenge Maßnahmen verkündet

Am 21. Oktober war Irland das erste europäische Land, das nach einem ersten Corona-Lockdown im Frühjahr einen zweiten im Herbst verhängte (vgl. Irland: Lockdown soll "Weihnachten retten"). Nun, sechs Wochen später, ist dieser Lockdown wieder gelockert worden. Dem irischen Ministerpräsident Micheál Martin nach hat er nämlich funktioniert und "Leben gerettet": Er drückte die zwischen 27. Juli und 18. Oktober von elf auf 1.284 gestiegene Zahl positiver Sars-CoV-2-Tests auf aktuelle Werte zwischen 200 und 300. Covid-19-Tote gab es gestern lediglich einen. Insgesamt sind es in Irland nun 2.053.

"Gastropubs" und "Wet Pubs"

Seit gestern dürfen die Geschäfte zwischen Dublin und Galway auch dann öffnen, wenn sie andere Waren als Lebensmittel führen. Auch Friseure dürfen seit Dienstag ihre Dienste wieder anbieten. Gottesdienste sind nun ebenfalls wieder erlaubt - aber nur, wenn daran nicht mehr als 50 Personen teilnehmen. Im vergangenen Jahrhundert wäre das ein größeres Problem gewesen als jetzt.

Die irischen Gaststätten, die vor der Corona-Pandemie keinen so großen Besucherschwund verzeichnet hatten wie die irischen Kirchen, dürfen am Freitag den 4. Dezember wieder öffnen - ab er nur dann, wenn sie als "Gastropubs" gelten und in ausreichendem Umfang Speisen servieren. In solchen Speiselokalen dürfen dann maximal sechs Personen an einem Tisch Platz nehmen. "Wet Pubs", die lediglich Sandwiches und Erdnüsse anbieten, bleiben ebenso geschlossen wie Diskotheken.

Frei innerhalb ihres Landes umherreisen dürfen die Iren erst ab dem 18. Dezember, kurz vor Beginn der Weihnachtszeit. Aber seit gestern dürfen sie sich immerhin wieder mehr als fünf Kilometer von ihrer Wohnung entfernen, solange sie dabei ihren Bezirk nicht verlassen. Gelangen sie auf belebte Plätze oder Bürgersteige, sollen sie auch im Freien einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Der ist dort aber lediglich eine Empfehlung und keine Vorschrift.

Kurz schickt alle Lehrer zum Sars-CoV-2-Schnelltest

In Österreich, wo die Regierung den zweiten Lockdown am 3. November verhängte, will sie heute Lockerungen verkünden. Medienberichten nach handelt es sich dabei um eine Öffnung des nicht lebensnotwendigen Einzelhandels (wie in Irland) und mehr Präsenzunterricht an den Schulen. Für den sollen alle Lehrer am Wochenende einen Sars-CoV-2-Schnelltest machen.

Die Friseure und Restaurants sollen dagegen - anders als in Irland - weiter geschlossen bleiben. Gleiches gilt für Theater, Opern, und Einrichtungen, in denen Hallensport betrieben wird. "Einzelsport unter freiem Himmel" soll Sebastian Kurz zufolge aber "in absehbarer Zeit" möglich werden. Damit meint der österreichische Bundeskanzler das Skifahren, das in der Alpenrepublik ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Die Bedeutung dieses Sektors trug dazu bei, dass die OECD die Österreich vorhergesagte Wirtschaftsentwicklung gestern von minus siebeneinhalb Prozent auf minus acht Prozent korrigierte. Dem weniger fremdenverkehrsabhängigen Deutschland prophezeit die Organisation nur ein Minus von fünfeinhalb Prozent, den USA eines von 3,7, und China sogar ein Plus von 1,8 Prozent.

Die Verbote, die in Österreich auch nach dem Nikolotag noch gelten, und eventuelle Verschärfungen in der Zukunft sollen Gesetzesanträgen der Volkspartei und der Grünen nach nicht mehr nur von den Bezirksverwaltungsbehörden, sondern auch von der Polizei kontrolliert werden - und zwar nicht nur in "Verkehrsmitteln", sondern auch in "Betriebsstätten", "an Arbeitsorten", und an "bestimmten weiteren Orten". Privatwohnungen sollen den Versicherungen der Regierungsparteien nach zwar keine "bestimmten weiteren Orte" sein - aber eventuell machen sie ein Handwerkerbesuch oder eine Tätigkeit im Home Office ja zu "Arbeitsorten". (Peter Mühlbauer)