"Irene": Schäden in Milliardenhöhe

"Irenes" Zugbahn bis Sonntag. Mit Rot ist die Region dargestellt, in der die Windstärke Hurikanniveau erreichte, also über 117 Kilometer pro Stunde lag. In der braunen Zone wehten die Winde mit Stärken zwischen 63 und 117 Kilometer pro Stunde. Bild: NOAA

Hurrikan mit ungewöhnlicher Zugbahn trifft die US-Ostküste

Am Samstag und Sonntag hat der Hurrikan "Irene" beginnend in North Carolina eine Spur der Verwüstung entlang der US-Ostküste gezogen, nachdem er zuvor schon die Bahamas verheert hatte. Die Sachschäden werden voraussichtlich mehrere Milliarden US-Dollar betragen. Bis zum Sonntagabend wurden 15 Todesopfer gezählt.

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Hurrikan "Irene" Anfang letzter Woche nördlich von Kuba. Bild: NASA

Diese vergleichsweise geringe Zahl ist sicherlich vor allem ein Ergebnis der rechtzeitigen Warnungen und der umfangreichen Evakuierungen. In mehreren Bundesstaaten wurden insgesamt über zwei Millionen Menschen zum Verlassen ihrer Wohnungen und Häuser aufgefordert. In New York City waren 350.000 Menschen betroffen, von denen aber rund ein Fünftel die Anweisungen nicht befolgte, sondern in ihren Wohnungen verblieb.

Das Besondere an Hurrikan "Irene" war nicht seine Stärke. Sonntagfrüh (Ortszeit), als der Sturm an der Küste von New Jersey entlang zog, reichte seine Windgeschwindigkeit in der Kernzone gerade noch für die Einstufung als Hurrikan der untersten Klasse. Kurz bevor er auf New York traf, wurde er zum tropischen Wirbelsturm degradiert. Mit anderen Worten: die Windgeschwindigkeiten sanken unter den Schwellenwert von 74 Meilen pro Stunde (ca. 119 Kilometer pro Stunde).

Gefährlich machten den Sturm vielmehr Ausdehnung, Zugbahn, die Langsamkeit des Durchzugs und sein Timing. Wäre er einige hundert Kilometer vor der US-Küste entlang gezogen oder frühzeitig nach Osten abgebogen, wie es seinesgleichen oft macht, hätte er sicherlich kaum Beachtung gefunden und höchstens für die Schifffahrt eine Gefahr dargestellt.

Die Zugbahn entlang der Küste durch die am dichtesten besiedelte Region der USA sorgte hingegen für maximale Wirkung. Immerhin 65 Millionen Menschen leben dort in den betroffenen Gebieten. Die starken Winde sorgten dafür, dass der Sturm eine Flutwelle von über einen Meter Höhe vor sich die Küste hoch schob. An einigen Orten traf diese zeitlich mit einer Springflut zusammen, das heißt, einem besonders hohen Hochwasser, das etwa alle 14 Tage auftritt, wenn Sonne, Erde und Mond in einer Linie stehen. Der Unterschied zum mittleren Hochwasser beträgt auf dem offenen Meer nur wenige Zentimeter, aber in Meeresengen und Buchten kann er deutlich höher sein.

"Irenes" Durchmesser von fast 1000 Kilometer sorgte zudem dafür, dass es auch weit im Inland zu stundenlangen Wolkenbrüchen kam. Die fielen auf einen oft durch einen ungewöhnlich feuchten Sommer bereits gesättigten Boden. In den nächsten Tagen wird daher mit zahlreichen über die Ufer tretenden Flüssen und weiteren Schäden gerechnet.

Unterdessen hat sich südwestlich der Bermudas bereits der nächste tropische Wirbelsturm gebildet, schwächer als "Irene", aber stark genug, um von den Meteorologen den Namen "José" verpasst zu bekommen. Sein Kurs deutet allerdings bisher nicht darauf hin, dass er für bewohnte Gebiete zur Gefahr werden könnte.

Und was hat das alles mit Klima zu tun? Ein einzelnes Wetterereignis ist für sich genommen kein Beleg für einen Wandel. Höchstens wenn es sehr weit vom Durchschnitt liegt und entsprechend ungewöhnlich und selten ist, kann es ein Indiz für Veränderung sein. Aber "Irene" war, wie erwähnt, nicht einmal besonders intensiv. Man kann aus den Ereignissen vom Wochenende höchstens eine Vorstellung gewinnen, was passiert, wenn es noch schlimmer kommt, wenn zum Beispiel ein Hurrikan mit erheblich stärkeren Winden auf die Ballungszentren der Ostküste trifft und dort massenweise in den Wolkenkratzern die Fensterscheiben eindrückt.

Ansonsten wird der Zusammenhang zwischen Hurrikanen (sowie Taifunen, Zyklonen und tropischen Wirbelstürme - andere Namen für das gleiche Phänomen in anderen Weltgegenden) seit langem von Klimawissenschaftlern diskutiert. Die Mehrheit geht davon aus, dass es in einem wärmeren Klima etwas weniger, dafür aber umso stärkere Hurrikane (Taifune etc.) geben wird. Mehr dazu im Blog von Stefan Rahmstorf.

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