Irland: Lockdown soll "Weihnachten retten"

Symbolbild: Pixabay

Ab heute Mitternacht bleiben die Geschäfte auf der Insel bis zum 1. Advent geschlossen

Heute standen die Kunden vor irischen Friseursalons in langen Schlangen an. Der Grund dafür war keine plötzliche Modewelle, sondern eine Fernsehansprache, in der der irische Ministerpräsident Micheál Martin einen zweiten Lockdown verkündet hatte, mit dem er "Weihnachten retten" will. Dieses Fest ist seiner Ansicht nach in Gefahr, weil die Zahl der positiven Sars-CoV-2-Tests pro 100.000 Einwohner, die im Juli auf drei gefallen war, inzwischen über 260 liegt - trotz der Martin zufolge bereits vor dem neuen Lockdown "strengsten Maßnahmen in Europa".

"Nicht genug"

Mit diesen Maßnahmen hat man dem Lehrer aus dem südirischen Cork zufolge zwar "die Verbreitung von Corona verlangsamt", aber das sei "nicht genug". Deshalb gilt ab der Mitternacht von Dienstag auf Mittwoch Coronastufe 5. Dann dürfen Gaststätten ihre Speisen nicht mehr in ihren Räumlichkeiten anbieten, sondern nur mehr ausliefern. Außer, es handelt sich um Kneipen in Dublin: Die müssen komplett schließen. Hotels und Pensionen sollen sich auf das zum Übernachten und Verköstigen Notwendigste beschränken.

Einladungen und Besuche in Häusern, Wohnungen und (anders als in manchen deutschen Medien dargestellt) in Gärten, sind auch dann verboten, wenn es sich bei den Besuchern um Verwandte handelt. Ausnahmen gelten für die Betreuung bestimmter Personengruppen - darunter solcher, die sonst dem "Risiko sozialer Isolation" ausgesetzt wären. Außerdem für Beerdigungen und Hochzeiten. Bei Beerdigungen sind aber maximal zehn, bei Hochzeiten maximal 25 Personen zugelassen. Reguläre Gottesdienste finden bis 1. Dezember ausschließlich online statt. Auch Bibliotheken gewähren in diesem Zeitraum lediglich online Zugang. Museen, Galerien und "kulturelle Attraktionen" machen ganz zu.

Straßensperren

Will man Freunde aus maximal einem anderen Haushalt in der nicht überdachten Öffentlichkeit treffen, darf das in maximal 5 Kilometern Entfernung zum eigenen Haushalt geschehen. Straßensperren, Kontrollen der Polizei, und Bußgelder sollen dafür sorgen, dass die Iren keine längeren Fahrten unternehmen. Ausgenommen von der Fünf-Kilometer-Regel sind unter anderem die Wege zur Arbeit. Viele Iren werden sie in den nächsten sechs Wochen aber gar nicht antreten, weil zahlreiche Betriebe schließen müssen.

Von den Einzelhandelsgeschäften dürfen nur diejenigen öffnen, die Lebensmittel oder andere lebenswichtige Artikel wie Medikamente verkaufen. Manchen könnte das den finanziellen Todesstoß versetzen - vor allem dann, wenn sie bereits den ersten vom März bis zum Mai dauernden Lockdown nur mit Mühe überlebt haben. Auf den Baustellen soll jedoch - anders als beim ersten Lockdown im Frühjahr - ebenso weiter gearbeitet werden wie in den Schlachthöfen.

Coronageld

Den Berechnungen der Regierung nach wird die Zahl der Arbeitslosen trotz dieser Ausnahmen um mehr als 200.000 zunehmen. Sie sollen vorerst mit einem Coronageld versorgt werden, dessen Höhe vom zuletzt erhaltenen Verdienst abhängt. Wer bis zu 200 Euro brutto in der Woche verdiente, der erhält 203 Euro Coronageld. Bei der Einkommensgruppe zwischen 200 und 299,99 Euro sind es 250 Euro, bei der zwischen 300 und 399,99 350 und bei der über 400 350. Damit möglichst viele Iren angestellt bleiben, bietet die Regierung als Alternative dazu das Employment Wage Subsidy Scheme (EWSS) an, eine Art Kurzarbeitergeld. Hier fließen die Zahlungen in etwa gleicher Höhe gestaffelt an die Arbeitgeber.

Ausnahmen für Pferderennen, Hunderennen und die Inter-County Gaelic Games

Wer weiter arbeitet, soll das wenn irgend möglich von zuhause aus machen. Busse, Züge und Straßenbahnen dürfen ab heute Nacht nur mehr ein Viertel der Passagiere hereinlassen, für die sie sonst zugelassen sind. Das gilt jedoch nicht für Schulbusse, weil die irischen Schüler weiterhin zur Schule gehen müssen. Das Offenhalten der Lehranstalten begründete Martin damit, dass andernfalls "die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen ein zusätzliches Opfer dieser Krankheit" werde.

Was entfällt, ist der Sportunterricht in der Turnhalle und im Schwimmbad. Im Freien ist die körperliche Ertüchtigung in Gruppen von bis zu 15 Schülern erlaubt. Auch für den Profisport, Pferderennen, Hunderennen und die Inter-County Gaelic Games gelten Ausnahmen. Zuschauer sind aber auch dort nicht erlaubt. (Peter Mühlbauer)