"Irma": Massive Schäden und Verluste

China sorgt für Fortschritt

Ganz anders sieht es hingegen in China aus. Dort wird offensichtlich über einen Zeitplan für den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor nachgedacht. Das berichtet die in Hongkong erscheinende englischsprachige Tageszeitung South China Morning Post. Schon jetzt würde die Zentrale Planungskommission in Beijing (Peking) keine neuen Fabriken für Verbrennungsmotoren mehr genehmigen.

Wichtiges Motiv sei die Luftverschmutzung in den Städten, die in den letzten 15 Jahren dramatische Ausmaße angenommen hat und die jährlich für über eine Million Tote verantwortlich gemacht wird. Die Zeitung zitiert Angaben des chinesischen Umweltministeriums, wonach Autos in den Städten für 90 Prozent der Stickoxid- und Feinstaubemissionen verantwortlich seien.

Angesichts der vielen Kohlekraftwerke scheinen diese Anteile etwas sehr hoch zu sein, aber mag sein, dass die Maßnahmen zur Stilllegung alter Kraftwerke tatsächlich bereits einen derartigen Erfolg gebracht haben.

Wie dem auch sei, könnten entsprechende Entscheidungen in China die hiesigen Diskussionen über eine Deadline für Neuzulassung von Verbrennungsmotoren - die Grünen fordern zum Beispiel, ab 2030 nur noch neue Fahrzeuge auf die Straße zu schicken, die abgasfrei sind - neu befeuern. China ist nämlich bereits seit einigen Jahren der mit Anstand wichtigste Automobilmarkt.

Das weiß keiner besser als die Vorstände der hiesigen Automobilindustrie, die sich so krampfhaft an ihr überkommenes Geschäftsmodell klammern. Wie der Sender NTV berichtet, kann insbesondere VW froh über die ungebremste Konsumlust der chinesischen Mittelschicht sein. Im August verkaufte VW von seiner Kernmarke weltweit 495.200 Fahrzeuge, davon 37.000 in Deutschland, was gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 11,2 Prozent bedeutete.

In der Volksrepublik waren es hingegen 265.400 Fahrzeuge, zehn Prozent mehr als im August 2016 und über die Hälfte des weltweiten Absatzes. Mit anderen Worten: Sollte China sich tatsächlich zu einer Deadline entscheiden, könnte es sehr schnell darauf hinauslaufen, dass in Deutschland nur noch die anderswo unverkäuflichen Modelle abgesetzt werden. Keine besonders gute PR-Maßnahme für ein Land, dessen Regierung sich so viel auf tatsächlichen oder nur noch vermeintlichen technologischen Vorsprung einbildet.

Eine ähnliche Wirkung könnte ansonsten auch das bereits so gut wie beschlossene Quotensystem entfalten, das in den nächsten Jahren greifen soll. Mit ihm werden die Hersteller verpflichtet, einen wachsenden Anteil ihrer Wagen mit Elektroantrieb anzubieten. Mit Verbrennungsmotor betriebene Fahrzeuge werden dann nur noch einen schrittweise sinkenden Teil ihres Absatzes ausmachen dürfen.

Wer 1000 Wagen verkaufen will, muss dann zum Beispiel bei einer Elektro-Quoten von, sagen wir, 20 Prozent mindestens 200 E-Autos verkauft haben. (Hybridantriebe sollen dabei wie reine Elektromotoren behandelt werden.) Der Verkehrssektor befindet sich also offensichtlich - ob es den hiesigen Zukunftsverweigerern nun passt oder nicht - in einem großen technologischen Umbruch.

Und wie in früheren Umbrüchen hat die alte Industrie Schwierigkeiten ihre schwerfälligen Konzerne an die neuen Herausforderungen anzupassen. Daher ist hierzulande der größte E-Auto-Hersteller eine Tochter der Deutschen Post, die Streetscooter GmbH wie der Fachinformationsdienst IWR schreibt. Das Bundesumweltministerium fördere mit einem Programm, was auf bessere Luft in den Städten und die Vermeidung von Fahrverboten abziele, den Einsatz der E-Fahrzeuge bei der Post. Immerhin. (Wolfgang Pomrehn)