Islamfeind Stürzenberger: Held in den Medien des polnischen Regierungslagers

Screenshot eines Beitrags von TVP über Stürzenberger vom 22. August. Bild: TVP

In Polen sorgt man sich angeblich um Deutschlands demokratische und journalistische Standards und wehrt sich gegen die Bevormundung

"Wir wollen im Europäischen Rat über das freie Wort in Deutschland diskutieren", so Arkadiusz Mularczyk, der Abgeordnete der polnischen Regierungspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) am Wochenende. Ein entsprechender Antrag werde gerade vorbereitet.

Anlass für die Besorgnis an der Weichsel ist die Verurteilung des bayerischen Islamfeinds Michael Stürzenberger in München in der vergangenen Woche. Aufgrund von "Beschimpfung von Religionsgesellschaften" sowie dem Verwenden von "Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen" bekam dieser eine sechsmonatigen Gefängnisstrafe auf Bewährung. Der 52-Jährige hat ein Bild des damaligen Großmufti von Jerusalem und eines hochrangigen Nationalsozialisten mit Hakenkreuz-Armbinde auf Facebook gepostet. Vom bayerischen Verfassungsschutz wird er als "zentrale Figur der verfassungsschutzrelevanten islamfeindlichen Szene in Bayern" bezeichnet.

Stürzenberger, der für den Anti-Islam-Blog "Politically Incorrect" schreibt und als Pegida-Redner auftritt, nannte in seinem Text den Islam "eine faschistische Ideologie" und verteidigte seinen Artikel als Aufklärung.

Sein Video-Gespräch mit einem US-Blogger über das Urteil wurde von den Abendnachrichten des polnischen Staatsfernsehens TVP bereits zweimal in Ausschnitten gesendet. Es gebe keine Demokratie mehr in Deutschland, das Land würde sich einer "totalitären Diktatur" annähern, wird dort Stürzenberger zitiert.

Das ehemalige CSU-Mitglied, das heute für die "Alternative für Deutschland" (AfD) wirbt, wird nun als Held in den Medien des polnischen Regierungslagers gefeiert, während er selbst vor allem in München durch seine öffentlichen Auftritte gegen ein geplantes islamisches Zentrum bekannt ist.

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