Israel hat seit Jahren syrische "Rebellen" mit Waffen und Geld unterstützt

Bild: IDF

Während Israel eine Meldung zurückweist, das Luftabwehrsystem Iron Dome an Saudi-Arabien zu verkaufen, wird neben der geheimen Hilfe auch das humanitäre Programm für Syrer eingestellt

Im Nahen Osten verändern sich schnell Bündnisse und Gegnerschaften, alle versuchen, ihre Interessen durchzusetzen, indem die der anderen Länder und Mächte ausgespielt werden. Daher verwunderte es nicht, wenn Al-Khaleej Online berichtete, was israelische Medien schnell aufgriffen, dass Israel nun das Luftabwehrsystem Iron Dome an Saudi-Arabien verkaufen will. Huthi-Rebellen schießen seit dem Luftkrieg der saudischen Allianz immer wieder Raketen nach Saudi-Arabien, die bislang mit dem amerikanischen Patriot-System mehr oder weniger gut abgewehrt werden.

Vermutlich aus dem Grund wollte Saudi-Arabien das russische Luftabwehrsystem S-400 mit einer Reichweite von 400 km kaufen, wie 2017 berichtet wurde. Das hat einen guten Ruf, soll gegen viele Ziele einsetzbar sein, wird von Russland als den amerikanischen Luftabwehrsystemen überlegen angepriesen, hat aber den Nachteil, dass es noch nicht im Ernstfall getestet wurde. Russland hat sich bislang wohlweislich auch bei amerikanischen Angriffen auf syrische Ziele zurückgehalten, damit keine geschäftsmindernden Mängel auftreten, schließlich wollen viele Länder wie Indien, die Türkei, Katar oder China für viele Milliarden das System kaufen.

Allerdings übten die USA ebenso wie gegen die Türkei schweren Druck auf Saudi-Arabien aus, das viele Waffen aus den USA kauft und von den USA im brutalen Krieg gegen die Huthis im Jemen unterstützt wird, während Saudi-Arabien mit seiner Golf-Koalition gemeinsame Sache mit den USA und Israel macht, den Iran zu isolieren, zu schwächen und einen Regime Change zu erzwingen. Es kam so weit, dass Saudi-Arabien aus der bisherigen Politik ausscherte und der Kronprinz Mohamed bin Salman im April 2018 erstmals, wenn auch sehr vorsichtig, anerkannte, dass Israelis ebenso wie Palästinenser das Recht auf eigenes Land hätten. Die Anerkennung des Existenzrechts von Israel würde allerdings anders aussehen.

Seit letztem Jahr gibt es Iron Dome auch auf Kriegsschiffen. Bild: IDF

Im Juni hat Saudi-Arabien, das auch wegen der vielen toten Zivilisten, darunter vielen Kindern, ins Visier kam, dem Druck aus den USA, die sich dafür weiter hinter die Monarchie stellten, offenbar nachgegeben und die Kaufverhandlungen mit Russland beendet. Gut möglich, dass Washington versuchte, als Kompensation das im Einsatz bewährte, aber nur gegen Kurzstreckenraketen ausgerichtete israelische Luftabwehrsystem Iron Dome Saudi-Arabien zu verschaffen. Dazu hätten israelische Bedenken zerstreut werden müssen.

Aber die auf anonyme Diplomaten gestützte Behauptung wurde nun entschieden vom israelischen Verteidigungsministerium und vom Rüstungskonzern Rafael zurückgewiesen. Es gebe keinen solchen Deal. Ob man das glauben soll, steht freilich auch dahin.

Glaubwürdig ist allerdings, dass Israel das Programm mit dem Namen "Guter Nachbar" einstellt, durch das verletzte Syrer an der Grenze zu Israel in dem Land in Krankenhäuser behandelt wurden, auch wenn damit anderes verborgen werden soll. Damit begonnen hatte man 2013. Israel hatte gelegentlich syrische Posten beschossen, wenn Granaten vermutlich irrtümlich über die Grenze flogen, aber die islamistischen Milizen, die sich in dem Grenzgebiet nach weitgehender Auflösung der Freien Syrischen Armee niederließen, gewissermaßen als Sperrriegel zum Einflussbereich syrischer Truppen und der mit diesen verbundenen schiitischen Milizen, darunter auch vom Erzfeind, den Hisbollah aus Libanon, geduldet. Darunter war auch eine mit dem IS verbundene Miliz. Man hörte immer wieder, dass auch islamistische Kämpfer von Israel behandelt wurden, die israelische Armee behauptet hingegen, man habe damit "Tausenden von Zivilisten" geholfen.

Ab 2016 wurde das angeblich humanitäre Programm von der israelischen Armee ausgeweitet, es wurde, wie es in israelischen Medienberichten heißt, sehr viel mehr Material wie Kleidung, Lebensmittel etc. nach Syrien geliefert, zudem wurde an der Grenze dafür ein eigenes Krankenhaus eingerichtet. Jetzt also wurde dieses "humanitäre" Programm offiziell eingestellt, nachdem die syrischen Truppen das Grenzgebiet seit Sommer von den bewaffneten Kämpfern geräumt haben. Man habe in den letzten 5 Jahren insgesamt 1700 Tonnen Lebensmittel, 630 Zelte, 40 Fahrzeuge, 20 Generatoren, 20 mobile Häuser und über eine Million Liter Treibstoff neben medizinischen Geräten und Medikamenten nach Syrien gebracht. Zudem habe man in einer außergewöhnlichen Hilfsaktion Hunderte von Weißhelmen mit ihren Familien auf Bitten westlicher Länder aus Syrien über israelisches Territorium nach Jordanien reisen lassen. Es wurden Hinweise gegeben, dass unter den geretteten Weißhelmen auch islamistische Milizenführer waren.

Times of Israel wies allerdings auf einen aktuellen Bericht in der Zeitschrift Foreign Policy, die nicht der israelischen Zensur unterworfen sei, hin. Daraus ergibt sich ein deutlich anderes Bild. Aus Gesprächen mit Kommandeuren und Mitgliedern von syrischen "Rebellengruppen" habe sich ergeben, dass Israel seit Jahren 12 dieser bewaffneten Gruppen, darunter Forsan al-Jolan und Liwaa Omar bin al-Khattab, im Geheimen massiv unterstützt und ausgerüstet hat. Das Programm sei auch mit dem Vormarsch der syrischen Truppen eingestellt worden. Geliefert wurde durch drei Übergänge von den Golanhöhen nach Syrien, die auch für humanitäre Güter genutzt wurden, Gewehre, Maschinengewehre, Granatwerfer und Fahrzeuge. Das Wall Street Journal hatte darüber bereits letztes Jahr berichtet.

Die Hilfe ging so weit, dass Israel diese bewaffneten Gruppen als Proxy-Verbände auch finanzierte. So sollen die Kämpfer ein Monatsgehalt von 75 US-Dollar erhalten haben, zudem hätten die Gruppen mehr Cash bekommen, um sich auf dem syrischen Waffenmarkt mit Waffen einzudecken. Angeblich gingen die Gruppen davon aus, dass Israel ihnen zu Hilfe kommen würde, wenn sie durch vorrückende Truppen in Bedrängnis gerieten. Das geschah aber nicht, weswegen sie sich dann betrogen fühlten. Forsan al-Jolan soll sich mittlerweile Damaskus angeschlossen und die schweren Waffen übergeben haben.

Israel förderte die Milizen, um Assad zu schwächen, vor allem aber, um zu verhindern, dass schiitische Kämpfe sich an der Grenze einnisten, während man immer wieder Ziele in Syrien mit der Luftwaffe angriff, die mit Waffenlieferungen an die Hisbollah zu tun haben sollten oder als iranische Stützpunkte bezeichnet wurden. 2017 wurden die Unterstützung der bewaffneten Gruppen drastisch erweitert, da Israel stärker die iranische Präsenz in Syrien bekämpfte und warnte, eine dauerhafte Stationierung von iranischen Verbänden nicht zu dulden. (Florian Rötzer)

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