Israelis präsentieren digitale Zeitkapsel für Mondfahrt

B'reshit-Modell. Foto: אמא של גולן. Lizenz: CC BY-SA 4.0

Raumsonde B'reshit soll 2019 landen

Israel will nach den USA, Russland (beziehungsweise der Sowjetunion), China, Europa, Japan und Indien im nächsten Jahr als achte Macht auf dem Mond landen. Das Vorhaben, das dann abgeschlossen werden soll, begann 2010 mit der Teilnahme des dafür gegründeten privaten Unternehmens SpaceIL am Google Lunar XPrize. Das bei diesem Wettbewerb ausgeschriebene Preisgeld in Höhe von mit 30 Millionen Dollar wurde zwar nicht vergeben, weil es kein Teilnehmer schaffte, bis zum März 2018 auf dem Mond zu landen - aber die Fortschritte, die SpaceIL gemacht hatte, überzeugten die staatliche israelische Raumfahrtagentur Sochnut HaChalal HaYisraelit (englisch abgekürzt ISA) und das staatliche israelische Raumfahrtunternehmen HaTa'Asiya HaAvirit L'Yisrael (englisch abgekürzt IAI) sich mit etwa zehn Millionen Dollar und eigenem Know-How an der Fortführung des insgesamt etwa 95 Millionen US-Dollar schweren Projekts zu beteiligen, an dem der Softwaremilliardär Morris Kahn maßgeblichen Anteil hat (vgl. 50 Jahre nach Neil Armstrong: Massenansturm auf den Mond).

Nun soll die eineinhalb Meter hohe und 585 Kilogramm schwere Sonde soweit fertig entwickelt sein, dass sie Anfang des nächsten Jahres mit einer im amerikanischen Cape Canaveral gestarteten SpaceX-Falcon-9-Rakete auf ihre mehrwöchige Reise geschickt werden kann. Dabei soll sie eine "digitale Zeitkapsel" mitnehmen, die man gestern der Öffentlichkeit präsentierte. Sie wurde vom SpaceIL-Mitgründer Jonatan Winetraub mit Gebetszetteln verglichen, die man in die Klagemauer steckt, und enthält unter anderem Erinnerungen an die Shoa. Der Name der als "Sparrow" entwickelten Sonde ist nun B'reshit: Das ist das erste Wort im Buch Genesis und bedeutet so viel wie "am Anfang".

ISI kooperiert mit NASA

Die ISI, die sich an dem Projekt beteiligte, wurde 1983 als Teil der israelischen Streitkräfte gegründet und entwickelte zuerst einer Trägerrakete und militärische Aufklärungssatelliten. Später kamen zahlreiche zivile Satelliten hinzu, die vom Luftwaffenstützpunkt Palmachim aus trotz eines um 30 Prozent höheren Treibstoffverbrauchs gegen die Erdrotation ins All geschickt wurden, damit sie im Falle eines Fehlschlages nicht über einem der verfeindeten Nachbarländer abstürzen.

Konzepte für die Mond-Station Gateway (10 Bilder)

So könnte der Gateway einmal aussehen.
(Bild: NASA)

Mit einem Jahresbudget von umgerechnet etwa 48 Millionen US-Dollar verfügt die israelische Raumfahrtagentur nur über einen kleinen Bruchteil der Mittel, die der mit 19 Milliarden Dollar ausgestatteten amerikanischen NASA zur Verfügung stehen. Dieses Manko kann die ISA teilweise ausgleichen, indem sie mit der NASA kooperiert - zum Beispiel bei der Erforschung des Mars, für die sie unter anderem ein Kühlsystem für den Rover Curiosity entwickelte. Im Ramon-Krater in der Negev-Wüste Negev bereitet die Agentur seit Februar 2018 außerdem den ersten bemannten Flug zum Mars mit vor.

Japanische und europäische Orbiter stürzten geplant ab

Ebenfalls Anfang 2019 will Indien seine Chandrayaan-2-Sonde zum Mond schicken. Ihre Vorgängerin Chandrayaan-1 landete bereits am 14. November 2008 (vgl. Indische Sonde findet neue Spuren von Wasser auf dem Mond). Vier Jahre später will Elon Musks Unternehmen SpaceX dann ganz ohne Unterstützung einer Regierung den japanischen Milliardär Yusaku Maezawa auf eine Mondumrundung schicken, aber nicht dort landen lassen (vgl. SpaceX: Japanischer Milliardär Maezawa soll zum Mond fliegen. Maezawas Heimatland ist solch eine Umrundung mit dem Kaguya-Orbiter bereits 2007 gelungen (vgl. JAXA: Full-HD-Videos und Fotos der Mondsonde Kaguya veröffentlicht). Ebenso wie der europäische SMART-1-Orbiter landete er allerdings nicht weich, sondern stürzte geplant ab (vgl. ESA-Sonde SMART 1 erfolgreich auf dem Mond "gelandet"). Ein Programm für eine weiche Landung mit SELENE-2 strich Japan 2015.

China will auf der erdabgewandten Seite des Mondes landen

China will im nächsten Jahr als erste Macht auf der Rückseite des Mondes landen. Die dafür vorgesehene (nach der Mondfee aus der chinesischen Mythologie benannte) Sonde Chang'e 4 wurde am 8. Dezember mit einer Langer-Marsch-3B-Rakete vom Raumfahrtbahnhof Xichang aus auf die Reise geschickt (vgl. China bricht zur Rückseite des Mondes auf).

Eine Landung auf der erdabgewandten Seite des Mondes ist unter anderem deshalb ambitionierter, weil diese im "Funkschatten" der Erde liegt. Die Chinesen platzierten deshalb vorher einen Übertragungssatelliten, den sie als Relaisstation nutzen. Auf der Mondoberfläche angekommen sollen Chang'e und die darin enthaltenen Roboter unter anderem herausfinden, ob Saatgut von der Erde auf dem Mond keimt und zu Gemüse heranwächst oder nicht. (Peter Mühlbauer)

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