Ist die Luft in Peking durch das Fahrverbot besser geworden?

Die Behörden und offiziellen Medien, die einen Maulkorb bekommen haben, sagen ja, allerdings haben sich die Feinstaubwerte verschlechtert

China steht im Vorlauf zu den Olympischen Spielen nicht nur bei der Frage der Menschenrechte unter Kritik, sondern auch wegen der schlechten Luftqualität in Peking, die vor allem für die Sportler bedenklich ist, aber auch für die anderen Besucher nicht attraktiv ist (Planziel: Blauer Himmel). Die Rede war schon davon, die Spiele zum Schutz der Athleten verschieben zu müssen, wenn die Luftbelastung zu groß ist. Dazu häufen sich gerade andere Mängel, etwa Probleme mit der Infrastruktur nach dem Einsturz der Brücke und für die Gesundheit riskante Lebensmittel und andere Produkte.

Die chinesische Regierung ist auch hier alarmiert, zumal dadurch natürlich der Export des wirtschaftlich boomenden Landes leiden könnte. Eine Folge des Booms und des wachsenden Wohlstands ist aber auch die steigende Umweltbelastung. Um der Welt zu beweisen, dass man zumindest die Luftqualität in der Hauptstadt mit ihren 17 Millionen Einwohnern (darunter 5 Millionen "Wanderarbeiter") und 3 Millionen Fahrzeugen im Griff hat, hat die Regierung einen viertätigen Test durchgeführt, um mehr als eine Million Fahrzeuge mit einem Fahrverbot zu belegen.

Verkehr auf einer Pekinger Straße am Freitag. Bild: Xinhua

Bei dem Fahrverbot ging es nicht nur um die Effekte, die dies auf den Smog hat, sondern auch darum, ob die öffentlichen Verkehrssysteme oder Taxis mit den erhöhten Anforderungen zurechtkommen. Ein realistischer Test war es allerdings von vorneherein nicht, schließlich dauern die Olympischen Spiele selbst 14 Tage, die Fahrverbote müssten aber schon vor der Eröffnung einsetzen. Die jetzigen Fahrverbote waren zudem über das Wochenende gelegt. Das macht es organisatorisch zwar leichter, aber auch die Ergebnisse im Hinblick auf die Absenkung des Smog sind nach vier Tagen vermutlich nicht so deutlich.

So heißt es denn jetzt auch, dass der Smog nicht zurückgegangen sei. Die Luftbelastung sei sogar leicht während des Tests angestiegen, wie die Umweltschutzbehörde von Peking festgestellt hat. Allerdings wird dies auf das feuchte Wetter und den fehlenden Wind zurückgeführt, vor dem Versuch sei die Luftverschmutzung noch höher gewesen.

Zhao Yue, der Vizedirektor der Umweltschutzbehörde, versicherte, die Fahrverbote hätten die Luftqualität verbessert. Zwar sei der Feinstaubgehalt wegen der ungünstigen Wetterbedingungen, die freilich auch während der Olympischen Spiele herrschen können, nach dem zugrundegelegten Maß von 91 am Freitag auf 95 am Sonntag und 100 am Montag (Zhao Yue sprach von 95) angestiegen, der Schwefeldioxidgehalt sei aber zurückgegangen. Am Donnerstag vor dem Teststart lag der Feinstaubgehalt bei 116. Ohne das Fahrverbot, so argumentiert Zhao Yue, wären die gemessenen Werte nach ein oder zwei Tagen nicht erreicht worden.

Das mag man so sehen können. Allerdings hatte die Partei schon vor dem Test die Losung an die chinesischen Medien ausgegeben, nichts Schlechtes über diesen zu berichten (Chinas Regierung will gute Nachrichten). Der Erfolgsdruck ist hoch. Entsprechend eindeutig heißt es denn auch in China Daily oder bei der Nachrichtenagentur Xinhua, dass sich die Luftqualität während des Tests verbessert habe. Sie sei in den vier Tagen "ziemlich gut" gewesen, obgleich es selbst in der Zeitung heißt, dass auch während des Wochenendes ein "ungesunder Smog" in der Stadt herrschte. Angeblich soll ein Fünftel der Luftbelastung von den Fahrzeugen verursacht werden. Der Haupterfolg der Fahrverbote sei gewesen, so China Daily mit versuchtem Abstand zur Parteilinie, sei der Rückgang der Staus gewesen. Am Montag sei dies sogar am offensichtlichsten gewesen, wird ein Behördenvertreter zitiert. Gestern seien nur 0,1 Prozent der Straßen verstopft gewesen, sonst wären es durchschnittlich 5,8 Prozent. Die U-Bahnen transportierten pro Tag 200.000 Tausend zusätzliche Fahrgäste.

Die Fahrverbote waren freilich nicht der einzige Test. Schon zuvor wurde in einem Versuch geübt, wie sich während der Olympischen Spiele zumindest bei der Eröffnungs- und Schlussfeier für gutes Wetter sorgen ließe. Im August regnet es gewöhnlich häufig in Peking. Man ließ drei Flugzeuge mit 30 Technikern drei Sunden lang in einer Höhe von 8000 m ein Gebiet mit einem Durchmesser von 80 km in der Inneren Mongolei abfliegen.

Mit den Flugzeigen wurden die Wolken mit Silberjodid und 2.800 kg Diatomit geimpft. Auch hier spielte das Wetter nicht ganz planmäßig mit. Die Wolken waren nicht so groß wie erwartet, aber man habe doch ausreichend Daten sammeln können. Das "umweltfreundliche", weil natürliche Diatomit (Kieselgur) wurde zum ersten Mal zum Regenmachen eingesetzt. Im Ernstfall sollen die Wolken zwischen 15 und 120 km vor dem Erreichen von Peking geimpft werden. Bei Gewittern oder Stürmen können die Flugzeuge nicht in die Luft. Dann sollen die Wolken durch Raketenbeschuss aufgelöst werden. An 26 Orten um Peking werden Versuche unternommen, um den Regen verhindern zu können. Zudem wird mit aller Macht daran gearbeitet, die Wettervorhersagen zu verbessern. Die Klimaerwärmung habe dies aber schwieriger gemacht.

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