Ist grüne Munition gute Munition?

Die grüne Patrone der US Army: M855A1 Enhanced Performance Round (EPR). Bild: DoD

Das Pentagon will biologisch abbaubare Munition, zumindest für Schieß- und Militärübungen

Munition von Bomben über Granaten bis zu Patronen soll töten, verletzen oder zerstören. Aber auch wenn sie nur testhalber von Militärs verwendet wird, belasten die großen Mengen, die verschossen werden, die Umwelt, sieht man einmal von Munition ab, deren Bestandteile wie etwa im Fall von Bleipatronen oder abgereichertem Uran (Pentagon bestätigt Einsatz von Uran-Munition in Syrien) Kollateralschaden auf die menschliche Gesundheit ausüben. Aber immer wenn Munition abgeschossen wird und auf etwas auftrifft, werden viele Bestandteile verstreut, die in die Luft, in den Boden oder ins Wasser gelangen.

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Freigesetzt werden Schwermetalle, energetische Materialien von Sprengstoffen und ihre Reaktionsprodukte. Viele dieser Substanzen sind krebserzeugend und schädlich für die Umwelt, schreibt TNO, die niederländische Organisation für angewandte wissenschaftliche Forschung, die unter anderem für das niederländische Verteidigungsministerium die Umweltbelastung durch Munition untersucht.

Die Kombination der beiden Ziele, die effektive tödliche Wirkung der Munition, die auch Panzer und andere Abwehr durchbrechen soll, und ein möglichst geringes Risiko für den Feuernden, seine unmittelbare Umgebung, andere Soldaten, die Zivilisten und die Natur, ist ein Paradox, das auch mit der Vorstellung vom sauberen und präzisen Krieg zu tun hat. Die Nato streicht auch heraus, dass sie die Umweltbelastung von militärischen Aktivitäten reduzieren will. Entwickelt wird umweltfreundliche oder schadstoffarme Munition, die aber trotzdem töten soll.

Die US Army berichtet, dass die Entwicklung "umweltfreundlicher" Munition, bei der im wesentlichen wie bei der 5.56 mm grünen Patrone, der M855A1 Enhanced Performance Round (EPR), kein Blei mehr verwendet wird, dazu geführt habe, dass bereits Tausende von Tonnen Blei nicht in die Umwelt gelangt seien. Das Blei wurde durch eine Metalllegierung ersetzt (Angaben wurden korrigiert).

Seit 1993 verfolgt das Pentagon ein "Green Ammunition Program". Dabei geht es neben der Ersetzung von Blei und anderen Schwermetallen wie Barium um die Vermeidung von Komponenten, die die Ozonschicht gefährden, und von flüchtigen organischen Verbindungen. So sollen Bleiazid und Bleitrinitroresorcinat (Bleistyphnat), die giftig und krebserzeugend sind, als Initialsprengstoffe in Granaten, Raketen, aber auch kleinerer Munition ersetzt werden. Die im Kampf und auf Übungen freigesetzten Giftstoffe schädigen auch die feuernden Soldaten und verschmutzen die Umwelt. Ersetzt werden sollen sie durch "grüne Initialsprengstoffe" wie Kupfer-2-Nitrotetrazol (CBX-1).

Jetzt sucht das Pentagon nach einer biologisch abbaubaren Munition, zwar nicht für den Kampfeinsatz, aber für Übungen. Die finden oft in den USA oder in den Ländern der Alliierten statt und sollen die Gesundheit der Soldaten und der Umwelt bei allem Realismus möglichst wenig belasten.

Im Ausschreibungstext heißt es, die US Army würde Hunderttausende von Geschossen herstellen und auf Schieß- und Übungsplätzen verschießen. Zudem würden Spezialeinheiten diese bei Tag- und Nacht-Übungen verwenden. Die Rede ist von 40mm Granaten bis hin zu 120mm Kaliber von Panzerkanonen und 155mm Artilleriegeschosse. Die Projektile, Patronenhülsen und Treibspiegel würden oft auf dem Boden liegengelassen oder bleiben unter der Erde, in die sie eingedrungen sind. Manche der Komponenten würden hundert Jahre und mehr brauchen, um zu zerfallen, wobei sie den Boden und das Grundwasser belasten können. Zivilisten wie Bauern oder Arbeiter würden oft nicht wissen, ob es sich um Trainings- oder Kampfmunition handelt, das Militär habe keine wirkliche Methode, die Überreste zu finden und zu beseitigen.

Also wäre es eine Möglichkeit, so die Ausschreibung, biologisch abbaubare Munition für Übungszwecke zu haben, "um Umweltschäden auszuschalten". Verwendet werden könnten Materialien, wie sie etwa für biologisch abbaubare Flaschen, Behälter und andere Plastikprodukte bereits hergestellt werden. Zudem denkt man an "Samen, aus denen umweltfreundliche Pflanzen wachsen, die Bodengifte entfernen und die in diesem Projekt entwickelten biologisch abbaubaren Bestandteile aufnehmen". Man denkt auch an die Tiere, die sollen wiederum die Pflanzen ohne gesundheitliche Schäden verzehren können. Andere Nebenwirkungen der grünen Munition werden nicht Betracht gezogen. Zunächst einmal sollen biologisch abbaubare Bestandteile, mit denen sich alle Anforderungen genügenden Übungsgeschosse mit einem Kaliber von 40-120mm herstellen lassen, zusammen mit bodensanierenden Samen vorgestellt werden. Gibt es genügend Prototypen werden ballistische Tests vorgenommen. (Florian Rötzer)

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