Italien, Frankreich und USA führen die Wada-Liste mit den meisten Dopingverstößen an

Bild: Psychonaught/public domain

Russland, das des systematischen Dopings verdächtigt wird, kommt erst zusammen mit Indien auf Platz 6

In letzter Zeit stand Russland nicht nur wegen des Ukraine-Konflikts und der Übernahme der Krim, der Intervention in Syrien, den Beeinflussungsoperationen oder auch des Skripal-Falls und überhaupt der "russischen Gefahr" im Zentrum der Aufmerksamkeit, im Westen geißelte man das angeblich mit allen Mitteln tricksende System Putin auch wegen des "systematischen Dopings" seiner Sportler.

So suspendierte die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) nach den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi und wohl auch im Zuge des Ukraine-Konflikts 2015 den russischen Leichtathletik-Verband (ARAF/RUSAF) und die Russische Anti-Doping-Agentur (RUSADA). Die Suspendierung ist weiter in Kraft.

2016 wird Russland staatlich gesteuertes Doping und die Manipulation von Proben vorgeworfen. Mehr als tausend Sportler seien zwischen 2011 und 2015 im Rahmen des Dopingprogramms behandelt und optimiert worden, so der zweite Teil des Mc-Laren-Berichts. Es wurden Sportler gesperrt, zu den Winterspielen in Südkorea durften unbelastete russische Sportler nicht unter russischer, sondern nur unter neutraler Flagge antreten.

Natürlich, so muss man fast sagen, kam im Vorlauf zur Fußballweltmeisterschaft in Russland auch unter Verdacht. WADA-Sonderermittler Richard McLaren äußert 2017 die Überzeugung, dass es für den russischen Fußball ein eigenes System der Vertuschung von Dopingtests gegeben habe. Dabei kam jedoch nicht viel heraus. Der Russische Fußballverband warnte unlängst die Spieler, "exotischen Tee" zu trinken oder Sisha-Pfeifen zu rauchen, um nicht in Verdacht zu geraten.

Aber die Stilisierung von Russland als Dopingsystem wird durch den neuesten WADA-Bericht für 2016 zur Groteske, zumindest aber bedeutsam relativiert. Dort werden zum vierten Mal Verletzungen des Doping-Verbots aufgelistet. Wer nach den Medienberichten vermuten würde, dass Russland hier ganz vorne liegt, wird enttäuscht werden. Wohl deswegen stieß der Bericht bislang auch hierzulande nur auf ein geringes Medienecho.

Nach dem Bericht gab es 2016 1595 bestätigte Verletzungen der Doping-Regeln (Anti-Doping Rule Violations - ADRVs). Sportler von 117 Ländern und in 122 Sportarten waren davon betroffen. 1326 der ADRVs waren positive Resultate der 229.514 durchgeführten Urin- oder Blutproben, der Rest der von Sportlern und Helfern begangenenen Verletzungen wurde aus Untersuchungen und belegten Erkenntnissen abgeleitet. 666 Proben sind noch nicht abschließend beurteilt worden. 2016 war die Zahl der Doping-Verstöße von 1953 im Vorjahr geringer geworden. Überwiegend, d.h. zu 79 Prozent, sind Dopingsünder Männer.

Russland steht keineswegs an erster Stelle. Italien darf für sich die meisten Sportler mit Dopingverstößen verbuchen. In Italien waren es 2016 147 Sportler, in deutlichem Abstand kommt Frankreich an zweiter Stelle mit 86 Sportlern. Die USA liegen mit 76 Sportlern auf dem dritten Platz, gefolgt von Australien und Belgien. Russland und Indien befinden sich auf dem sechsten Platz mit jeweils 66 Sportlern. (Florian Rötzer)

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