Italien lässt Cafés und Restaurants wieder öffnen

Grafik: TP

Zahl der täglichen Positivtests sank von über 40.000 auf unter 20.000

In vielen italienischen Regionen haben heute nicht nur die Restaurants, sondern auch die Cafés und Bars wieder geöffnet. Das liegt weniger an der Lage am Mittelmeer (wo die Temperaturen derzeit von 27 Grad in Griechenland bis hin zum Schneechaos in Spanien reichen), sondern daran, dass die italienische Staatsführung den Gaststätten in den bezüglich der Sars-CoV-2-Verbreitung als "gelb" eingestuften Regionen dieses Öffnen zwischen fünf Uhr morgens und 18 Uhr abends wieder erlaubt.

Bieten die Lokale auch Essen zum Mitnehmen an, können sie bis 22 Uhr öffnen. Weiterhin ausschließlich Essen zum Mitnehmen anbieten dürfen die Gaststätten in den gefährdeteren "orangefarbenen" Regionen: in Kalabrien, Sizilien der Emilia Romagna, Venetien und der nördlichen Lombardei.

67 Prozent der Italiener wollen sich impfen lassen

Anlass für die Lockerung ist, dass die Zahl der positiv ausgefallenen Sars-CoV-2-Zests, die am 13.November mit 40.902 einen Zweite-Welle-Höhepunkt erreicht hatte, inzwischen auf 18.625 zurückgegangen ist. Außerdem wird seit dem 27. Dezember mit dem von BioNTech und Pfizer entwickelten Serum geimpft. Bis Ende Januar will man damit eine Million der insgesamt gut 60 Millionen Italiener geschützt haben - diejenige, die durch ihren Beruf oder ihren Gesundheitszustand besonders gefährdet ist. Bis April sollen es 15 Millionen werden.

Insgesamt möchten sich den Umfragezahlen der italienischen Gesundheitsbehörde ISS 67 Prozent der Italiener mit einem der gegen das Sars-CoV-2-Virus entwickelten Seren impfen lassen. Den Rest will Conte seinen eigenen Angaben nach nicht dazu zwingen. Dieser Rest tritt teilweise sehr entschieden gegen eine Impfung ein. Südtirol aktuell illustrierte das mit einem Bild vom Eingang eines Kindergartens mit der an KZ-Tore angelehnten Aufschrift "Impfen macht frei".

Spahn und Merkel werden auch von Süden aus angegriffen

Andere Zeitungen konzentrieren sich eher darauf, dass die deutsche Bundesregierung Impfstoff nachkauft, obwohl der Artikel 7 eines im letzten Jahr geschlossenen EU-Vertrages Contes Worten zufolge ein "Verbot enthält, sich auf direktem Weg zu versorgen". "Angela Merkel schnappt sich mit einem Blitzkrieg zusätzliche 30 Millionen Impfdosen" schrieb beispielsweise der Messaggero aus Rom - und La Verità befand: "Berlin betrügt die EU, pfeift auf den Pakt und kauft den Deutschen 30 Millionen Impfdosen."

Der deutsche Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht das anders. Ihm zufolge bezieht sich Artikel 7 des Vertrages nur auf die ersten gemeinsamen Bestellungsverhandlungen, bei denen sich die EU-.Mitgliedsländer nicht gegenseitig überbieten und so die Preise hochtreiben sollten. Spahn kämpft derzeit, wenn man so will, einen Zweifrontenkrieg, weil er nicht nur im EU-Ausland, sondern auch in der Heimat kritisiert wird. Dort fragt man sich, ob die EU-Kommission bei ihrer Bestellung großer Mengen des gescheiterten Sanofi-Impfstoffs nur nach Entwicklungschancen urteilte - oder ob dabei auch eine Art mehr oder weniger informelles nationales Quotensystem zum Zuge kam, weil Sanofi eine französische Firma ist.

Dass vom ersterfolgreichen Impfstoff von BioNTech und Pfizer weniger bestellt wurde, als die deutsch-amerikanischen Kooperation anbot, könnte den Spekulationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nach damit zu tun haben, dass die Bundesregierung um keinen Preis den Eindruck der Bevorzugung eines deutschen Unternehmens erwecken wollte.

Bei Impfungen pro 1000 Einwohner vor Deutschland

Nun soll der letzte Woche zugelassene Impfstoff der US-Firma Moderna die Situation entspannen. Mit nur zwei Millionen Dosen bis Ende März wird er die Nachfrage aber nur bedingt befriedigen können. Spahn zufolge trifft der Moderna-Impfstoff heute an einem "zentralen Punkt in Deutschland" ein und geht morgen an die Verteilzentren der 16 Bundesländer. Wer in deren Impfzentren einen Termin bekommt, darf sich ihm zufolge nicht aussuchen, ob er mit dem amerikanischen oder dem deutsch-amerikanischen Serum geimpft wird.

Bis Ende Januar soll die EU-Arzneimittelbehörde EMA dann auch AZD1222 zugelassen haben - den kostengünstigeren Impfstoff der schwedisch-britischen Firma AstraZeneca, an dessen Entwicklung auch die Italiener beteiligt waren. Im Vereinigten Königreich wird bereits seit letzter Woche auch mit AZD1222 geimpft, so dass nun täglich 200.000 Engländer, Waliser, Schotten und Iren immunisiert werden können.

Bei den Impfungen pro 1000 Einwohner liegt das UK mit 19,4 aktuell auf Platz sechs - hinter Israel mit 209,3, den Vereinigten Arabischen Emiraten mit 109,9, Bahrain mit 52,5, den USA mit 20,2 und Dänemark mit 19,8. Dahinter folgen auf Platz 7 Island mit 14,3 und Italien mit 10,6. In absoluten Zahlen gemessen führen die USA mit gut 6.6 Millionen Geimpfeten vor Israel mit 1,8 und Großbritannien mit 1,3 Millionen.

Dass Deutschland in den Bereich "ferner impften" fällt, liegt nicht an einer mangelnden Impfbereitschaft. Telepolis liegen mehrere Beispiele aus den Landkreisen Dachau und München vor, in denen hochbetagte Personen nicht einmal Termine für eine Impfung bekommen. Trotzdem verlautbarte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, das bisherige Vorgehen sei "nicht falsch" gewesen, auch wenn "das bisherige Ergebnis noch nicht befriedigend" sei. Trotz des Mangels an Impfstoff beschäftigt ihn bereits die Impfbereitschaft, die er mit der öffentlichen Impfung von "Vorbilder[n] des öffentlichen Lebens" steigern will. Andere Unionspolitiker und Medien hatten vorher sogar eine Impfpflicht ins Spiel gebracht. (Peter Mühlbauer)