Italien will ab Januar massenimpfen

Grafik: TP

Von der Leyen rechnet ab Mitte Dezember mit zwei zugelassenen Corona-Seren

Die gestrige Zunahme der Positivtests von 34.283 auf 36.176 ist für den italienischen Corona-Kommissar Domenico Arcuri ein gutes Zeichen, weil die Zahl in den Tagen davor noch stärker stieg. Das Abflachen der Kurve führt er auf strengere Anti-Corona-Maßnahmen in mehreren betroffenen Regionen zurück. Auch die Zahl der an Covid-19 Verstorbenen in Italien lag am Donnerstag mit 653 etwas niedriger als am Mittwoch, wo 753 registriert wurden. Damit sich dieser Trend nicht wieder umkehrt, soll die Zahl der Intensivstationsbetten in den Krankenhäusern südlich des Brenners von 8.885 auf über 11.200 erhöht werden.

Impfregister

Arcuri geht davon aus, dass Massenimpfungen gegen das Sars-CoV-2-Virus im Januar 2021 mit 3,4 Millionen Dosen beginnen können. Dafür besorgt er bereits in größerem Umfang Spritzen. "Wir hoffen", so der Kalabrier, "dass wir bis zum dritten Quartal 2021 einen Großteil der Italiener geimpft haben werden, wissen aber nicht, wie viele Italiener sich impfen lassen wollen." Um nachprüfen zu können, wer geimpft ist und wer nicht, soll den Geimpften nicht nur eine Bescheinigung ausgestellt werden: Auch der Eintrag in ein Register ist geplant (Covid-Impfungen gegen Geld oder andere Vorteile).

Darüber, welcher Impfstoff zum Einsatz kommen soll, machte Arcuri keine Angaben. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen rechnet aber damit, dass das von einer deutsch-amerikanischen Kooperation aus BioNtec und Pfizer entwickelte Serum BNT162b2 und der von der amerikanischen Firma Moderna entwickelte Coronaschutz mRNA-1273 "in der zweiten Dezemberhälfte eine bedingte Marktzulassung bekommen könnten".

Moderna hatte am Montag nach einer Phase-Drei-Studie mit etwa 30.000 Testpersonen eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent gemeldet (vgl. Moderna präsentiert haltbareres Corona-Serum), Biontech und Pfizer, die davor von etwa 90 Prozent sprachen, legten am Mittwoch mit 95 Prozent nach. Sie wollen nun in den nächsten Tagen einen Antrag auf eine Notfallzulassung in den USA stellen.

Steinmeier: EU soll Teil des bestellten Kontingents an außereuropäische Länder abgeben

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete die Meldungen der beiden Entwickler im Berliner Tagesspiegel als "Grund zur Freude" und forderte, dass die EU einen Teil des von ihr bestellten Impfstoffkontingents an außereuropäische Länder abgibt, um ein "politisches Signal" zu setzen. Auch in diesen Ländern steigt die Zahl der Positivtests. In Pakistan etwa wurden gestern 2547 Personen Sars-CoV-2 positiv getestet. In der Hauptstadt Islamabad sind die Zahlen inzwischen sogar höher als im Frühjahr. Dort hatten in den letzten Wochen große islamistische Demonstrationen gegen Frankreich stattgefunden, gegen das der gestern an einem "Fieber" verstorbene Oppositionspolitiker Allama Khadim Hussain Rizvi die Atombombe einsetzen wollte.

Ein dritter Impfstoff, über den diese Woche Fortschritte gemeldet wurden, ist das von der schwedisch-britischen Firma AstraZeneca und der Oxford-Universität entwickelte Serum ChAdOx. Gestern in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlichte Studienergebnisse dazu zeigen eine "robuste Immunantwort" bei gesunden Erwachsenen über 56. Nun will Andrew Pollard bis spätestens Weihnachten weitere Ergebnisse präsentieren.

Zwei Tage davor hatte die EU-Kommission bekannt gegeben, dass sie mit der deutschen Firma CureVac als fünftem Anbieter nach Biontech/Pfizer, AstraZeneca, Sanofi/GlaxoSmithKline und Janssen Pharmaceutica NV einen Liefervertrag geschlossen hat. Damit ist Deutschland nun eineinhalb Mal unter den Lieferanten vertreten, Belgien und das UK (zusammengerechnet) einmal, und Frankreich, die USA und Schweden jeweils zur Hälfte in einem Projekt. CureVac soll den EU-Mitgliedsländern bis zu 405 Millionen Dosen seines Serums CVnCoV liefern, das drei Mal verabreicht wird. 2021 will die Firma 300 Millionen Dosen davon produzieren, 2022 600 Millionen. Die für eine Zulassung nötige Phase-Drei-Studie möchte das Unternehmen bis Ende Dezember fertig haben. (Peter Mühlbauer)