Italienische Hackergruppe festgenommen

Nach Massenhacks während des G8-Gipfels kam die italienische Polizei auf die Spur der Hackergruppe "Hi-tech hate"

In Italien wurden sechs Mitglieder der Hackergruppe "Hi-tech hate" festgenommen und beschuldigt, in zahlreiche Websites eingedrungen zu sein, wie die Zeitung La Repubblica berichtet. Das jüngste Mitglied der Gruppe ist 15 Jahre alt.

Die Gruppe kann tatsächlich seit einiger Zeit eine erstaunliche Aktivität in Massenhacks von Websites nachweisen. Nach der Statistik von alldas.de hat sie seit Ende 2000 bis Dezember 2001 576 Websites gecrackt und entstellt. Darunter sind zahlreiche Websites des Pentagon, aber auch solche von Regierungen vieler Staaten von China über Großbritannien oder Mexiko bis zu Pakistan oder Bahrein.

Die für Hightech-Kriminalität zuständige Abteilung der italienischen Finanzpolizei, deren Website auch gecrackt wurde, ist auf die Gruppe aufmerksam geworden, nachdem sie vor und während des G8-Gipfels im Juli des letzten Jahrs in Genua zahlreiche italienische Websites gehackt haben, darunter auch die G8-Website. Kurz nach dem Gipfel ist die Polizei offenbar auf die Spur von einem der Mitglieder gestoßen, die zwischen 15 und 23 Jahre alt sind, und konnte daus die Identität von diesem feststellen. Die Namen der Hacker wurden von der Polizei nicht mitgeteilt. Die Mitglieder kannten sich über das Internet und leben an verschiedenen Orten in Italien.

Einer der Mitglieder mit dem Namen B4db0y war überdies so dumm, die kurz vor dem G8-Gipfel erreichte "Berühmtheit" als eine der "gefährlichsten Hackergruppen" zu nutzen, um einiges über sich mitzuteilen. Sie würden die Menschen "aufwecken" wollen, erklärte er. Mit den Hacks würden sie niemals etwas zerstören oder Informationen klauen wollen. Das sei vergleichbar damit, durch die Hintertür in ein Haus zu gelangen, ein Blatt Papier zu nehmen, etwas darauf zu schreiben, es an die Eingangstür zu hängen und dann, ohne etwas zu nehmen, wieder zu gehen. Er selbst habe einem Freund, bevor er gestorben ist, versprochen, das zu machen, was er jetzt macht.

Die italienischen Hacker müssen, wenn sie schuldig gesprochen werden, mit einer Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren rechnen. Aufgrund des Alters und wegen anderer Faktoren könnten sie aber auch nur, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, mit Geldstrafen davon kommen.

Abgesehen von massenhaften "Defacements" von Webseiten haben die Mitglieder von "Hi-tech hate" aber anscheinend keinen weiteren Schaden verursacht. Als besonders politisch kann man die Gruppe aber wohl nicht bezeichnen. Ihre Überschreibungen haben E-@ck, Onslaught, B4dBoy und die Übrigen normalerweise ihren Freundinnen, einem verstorbenen "Lehrer" und dem Admin der Website gewidmet. Überdies versuchen sie sich zu rechtfertigen, indem sie sagen, dass sie keine Terroristen seien, sondern mit ihren Aktivitäten nur gegen "schlechte Informationen" kämpfen würden. Sie seien neugierig, und Lernen könne doch kein Verbrechen sein.

"We will fight under each flag besides people we don't even know but whose idea of freedom is the same of our one. We haven't open access 2 the means of communication which r false, they say what they want and in the way they prefer, this is the only way 2 spread our ideas. Northern Ireland, Kosovo, Serbia, Iran, Iraq, Afghanistan, Chile, Peru, Myanmar, Brazil, Philippines, Palestine, India, Pakistan, Kurdistan, Turkey, Algeria, South Africa, China, Taiwan, Chechnya r places where freedom is a dream, open your eyes, open your mind, wake up, and all toghether we'll turn freedom from dream 2 reality. You can agree with us or not. If you agree with us let diffuse this message 2 make our ideas become everybody's ideas."

Überhaupt wollen sie eine bessere Welt ohne Ungerechtigkeiten, in der die multinationalen Unternehmen nicht mehr die Vorherrschaft haben. Dafür und für die individuelle Freiheit würden sie kämpfen. Auch gegen den Krieg seien sie, überhaupt gegen jede Macht. Das ist natürlich alles schön und gut, nur können die anarchistischen Träume von Jugendlichen, aufgesetzt auf die Abenteuer- und Ausbruchslust, heute über das Internet auf der ganzen Welt verbreitet werden, was die "Hi-tech hate"-Anhänger wohl in den Glauben an ihre Wichtigkeit stärkte. (Florian Rötzer)