Memo für transatlantische Agenten

1967 verteilte die CIA ein Memo an ihre Vertrauensagenten, in dem sie vorschlug, Zweifler an der offiziellen Version zum Kennedy-Attentat als Spinner darzustellen. Dabei etablierte sie erstmals den Begriff "conspiracy theorist", zu deutsch: "Verschwörungstheoretiker" (vgl. 50 Jahre Verschwörungstheoretiker). Führende deutsche Journalisten, die sich auf der Atlantik-Brücke gegenseitig auf die Füße treten, halten sich an dieses geheimdienstlich vorgegebene Narrativ noch heute. So macht etwa Fleischhauers SPIEGEL Skepsis zum Kennedy-Attentat lächerlich, indem er den Kritikern UFO-Fans und konspirologische Spinner an die Seite stellt.

Dass die Atlantik-Brücke keine andere Version des Mords am (vor allem in Deutschland so populären) Präsidenten hören möchte, hat einen naheliegenden Grund: Ihr Initiator war mindestens an der Vertuschung des Jahrhundertverbrechens beteiligt.

Ausgerechnet der Kennedy-hassende Initiator der Atlantik-Brücke John McCloy wurde in die politisch besetzte Warren-Kommission berufen - sowie CIA-Mastermind Allen Dulles. Letzterer leitete die Untersuchung faktisch, blockierte jegliche Untersuchung in Richtung CIA und fand originelle Erklärungen für die seltsamen Widersprüche (vgl. Die magische Kugel des Allen Dulles). Einen Super 8-Film, auf dem es so aussieht, als sei Kennedy von vorne erschossen worden, ließ Dulles enger Verlegerfreund Henry Luce im Tresor vorerst verschwinden.

Als Robert Kennedy seine Kandidatur bekannt gab, schmälerte dies die Wahlchancen für republikanische Bewerber wie Nelson Rockefeller oder Ronald Reagan. Zudem stand zu befürchten, dass es eine neue Untersuchung der Schüsse von Dallas geben würde. Jedoch fand sich erneut ein verwirrter Einzeltäter. Das auf einem Tonbandmitschnitt deutlich mehr als acht Schüsse zu hören waren, als die Patronen, die in die Waffe des Verdächtigen passten, war für die Medien der Atlantik-Brücke eher unspannend.

Ihren höchsten Preis widmet die Atlantik-Brücke ausgerechnet dem stellvertretenden CIA-Direktor Vernon Walters, der über Jahrzehnte in aller Welt für die CIA Staatsstreiche organisiert hatte. Der stramme Antikommunist mischte in Italien bei Mafia, Gladio und Propaganda Due mit, die einen Wahlsieg der Kommunisten nicht akzeptiert hätten. Ausgerechnet Vietnam hielt Walters für "einen der nobelsten und selbstlosesten Kriege" und fand nichts dabei, etwa den spanischen Diktator Franco zu beraten oder mit grausamen afrikanischen Diktatoren zusammenzuarbeiten. Selbst seine Verwicklung in die Watergate-Affäre und den Iran-Contra-Skandal hindern die strammen Atlantik-Brückler nicht an Huldigung. Zu Walters Erbe gehören die Taliban, die man damals als "Mudschaheddin" kannte und von transatlantischen Medien zu "Freiheitskämpfern" stilisiert wurden.

Den treuen Medien der Atlantik-Brücke zufolge soll der Überfall auf Kuwait durch den einstigen CIA-Agenten Saddam Hussein verwerflicher gewesen sein als dessen Krieg gegen den Iran. Der Russe, der vor den 1970er Jahren böse war, lebte in den 1980er Jahren wieder im "Reich des Bösen" (vgl. Um Haaresbreite) und ist dieser Tage schon wieder böser denn je. Wie Russen halt so sind. Und wer es auch nur wagt, das Narrativ infrage zu stellen, ist ein verächtlicher "Putin-Versteher".

Deutschland leistet sich das teuerste Rundfunksystem der Welt, um die verfassungsrechtlich gebotene Trennung von Staat und wirkmächtigem Fernsehen und Radio zu gewährleisten. Doch diese "Staatsferne des Rundfunks" wird durch die Atlantik-Brücke unterlaufen, deren Mitglieder regelmäßig die Intendanten stellen. Auch prominente Nachrichtenmoderatoren gehen über die Atlantik-Brücke.

Wie schon das CFR sehen sich auch die Mitglieder der Atlantik-Brücke als über der Politik stehend an. So waren diese häufig in verdeckte Parteienfinanzierung verwickelt. Hauptdarsteller etwa im nach dem in Nürnberg angeklagten Flick benannten Skandal sowie im CDU-Spendenskandal war Walther Leisler Kiep. Trotz strafrechtlicher Verurteilungen wegen Steuerhinterziehung und Lügen vor Gericht blieb Kiep zeitlebens Ehrenpräsident dieser ehrenwerten Loge. Auch für Waffenschieber wie Karlheinz Schreiber war die Atlantik-Brücke das Terrain der Wahl.

Die CIA muss den Journalisten keine Weisungen erteilen. Wer zur Elite gehört und weiter an der Tafel der Mächtigen, Reichen und Einflussreichen speisen will, von dem darf erwartet werden, dass er schon von alleine weiß, was man zu sagen oder besser zu verschweigen hat. Im Falle von Fleischhauer wäre Schweigen ein durchaus akzeptabler Genuss. (Markus Kompa)

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