Japan: Die Libido trocknet aus

Nach alle 2 Jahre durchgeführten Umfragen schwindet bei japanischen Männern und Frauen die Lust am Sex und breitet sich eine asexuelle Lebensform auch bei Verheirateten aus

Die Japaner sind schon seit Jahren über die Vergreisung ihrer Gesellschaft beunruhigt. Man hält die Zuwanderung gering und setzt lieber auf geduldige Roboter als auf Ausländer. Es fällt nicht nur die Geburtenrate, sondern dahinter steckt ein zunehmend zölibatäres Verhalten, wird vermutet. Asexualität breitet sich bei den jungen Menschen aus, aber auch in festen Beziehungen und Ehen

Alle zwei Jahre führt die japanische Gesellschaft für Familienplanung eine Umfrage nach dem Sexualverhalten durch. Nach der im September 2014 durchgeführten Umfrage, für die 3000 Männer und Frauen zwischen 16 und 49 Jahren befragt wurden, gaben 49,3 Prozent an, sie hätten im vergangenen Monat keinen Sex gehabt. Wie repräsentativ die Studie ist und ob die Befragten wahrheitsgemäß antworteten, ist schwierig zu sagen. Es sollen aber von 3.000 nur 1.334 gültige Antworten gegeben haben.

Bei den Männern sagten 48,3 Prozent, sie hätten im letzten Monat keinen Sex gehabt, bei den Frauen sind es 50,1 Prozent. Der Anteil der vorübergehend oder dauerhaft Asexuellen wächst kontinuierlich an. Vor zwei Jahren waren es noch 45 Prozent.

Und es steigt auch der Anteil der sexlosen Verheirateten weiter an. Von diesen hatten 44,6 Prozent keinen Sex, wobei allerdings eine seltsame Disparität zwischen Männern und Frauen auftaucht. 50,3 Prozent der verheirateten Frauen gaben an, im vergangenen Monat keinen Sex gehabt zu haben, aber nur 36,2 Prozent der Männer. Gehen die Männer also derart viel fremd oder zu Prostituierten oder schwindeln die Frauen oder die Männer? 2004, als die Frage erstmals gestellt wurde, sagten erst 34,6 Prozent der Verheirateten, sie hätten keinen Sex gehabt. 2012 waren es bereits 41,3 Prozent (Sex? Nein danke!).

21,3 Prozent der verheirateten Männer führten ihre Asexualität darauf zurück, dass sie die Arbeit zu müde machen, das sind weniger als vor zwei Jahren, als dies noch 28 Prozent angaben. 15,7 Prozent gaben keinen bestimmten Grund an, erklärten aber, dass sie sexuell inaktiv wurden, nachdem ihre Frau ein Kind bekam. Erschrickt man darüber, dass Sexualität reproduktive Folgen hat und ihre Unschuld verliert? Ist ein Kind schon eine Überforderung? Unterbricht die Schwangerschaft die Lust? Bei den verheirateten Frauen sagen 17,8 Prozent, sie seien wegen der Arbeit zu müde, für 23,8 Prozent ist das sexuelle Getue einfach zu mühsam.

Zunehmend schwindet bei Männern die Lust am Sex. 17,9 Prozent bekennen, nur ein geringes oder kein Interesse daran zu haben oder ihn auch extrem zu verabscheuen. Mit 20,3 Prozent findet sich der größte Teil der Asexuellen unter den 25-29-Jährigen, ein Anstieg um das 2,5-Fache sei 2008. (Florian Rötzer)