Japan besitzt 47 Tonnen Plutonium, genug für 6000 Atombomben

Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho. Bild: Nife/CC BY-SA-3.0

Gestern wurde das Abkommen zwischen den USA und Japan verlängert, das es dem Land ermöglicht, Plutonium zu erzeugen

Gestern haben die USA und Japan ihr 1988 geschlossenes Nuklearabkommen verlängert. Das Abkommen ermöglicht es Japan, Plutonium zu gewinnen und zu friedlichen Zwecken anzureichern, wobei dazu dieselbe Technik verwendet wird, wie sie bei der Produktion von Atombomben zum Einsatz kommt. Das Abkommen, das dieses Jahr ausgelaufen wäre, wurde kurz nach dem Beitritt Nordkoreas zum Atomwaffensperrtrag im Jahr 1985 beschlossen. Während Nordkorea nach dem Genfer Rahmenabkommen zwischen den USA und Nordkorea 1994 die Reaktoren, die Plutonium herstellen können, umrüsten sollte, stieg also das benachbarte Japan im großen Stil in die Plutoniumproduktion ein.

Die Verlängerung enthält für beide Seiten die Option, innerhalb von sechs Monaten nach einer Ankündigung aus dem Abkommen auszusteigen. Dazu wird Japan dazu aufgefordert, die Plutoniumvorräte abzubauen. Der japanische Außenminister Taro Kono erklärte, das Abkommen sei die Grundlage der japanischen Atomindustrie, daher müsse man konkrete Schritte unternehmen, um "die große Menge Plutonium zu reduzieren" und damit den bestehenden Bedenken vor allem in den Nachbarländern Südkorea und China entgegenzutreten. Wie das gehen soll, sagte er freilich nicht. Und wenn Nordkorea sich denuklearisieren sollen, also nicht nur die Atomwaffen abrüstet, ist es politisch nicht opportun, Japan die Möglichkeit zu lassen, sich schnell Atomwaffen zu besorgen. Überdies würden mit Verweis auf Japan auch andere Länder wie Saudi-Arabien oder auch Iran darauf bestehen können.

Japan, der einzige Nicht-Atomstaat, der dank den USA Plutonium erzeugen kann, hat in der Tat eine gewaltige Menge Plutonium angehäuft, nämlich 47 Tonnen. Das würde reichen, um 6000 Atombomben von der Größe der Hiroshima-Bombe zu bestücken. Russland und die USA haben jeweils unter 6000 einsatzfähige Sprengköpfe. Von der Plutonium-Politik Japans profitieren auch Frankreich und Großbritannien, dort ist ein Großteil gelagert, dort werden auch die meisten gebrauchten Brennstäbe wiederaufbereitet. Es sind vor allem die 10 Tonnen Plutonium, die in Japan gelagert sind, die nach Fukushima auch Sorgen auslösen, weil sie durch Erdbeben oder Tsunamis gefährdet sein könnten.

Das Problem ist nicht nur die gewaltige Menge an Plutonium, sondern auch, wofür Japan sie angesammelt hat. Geplant war, Reaktoren mit Plutonium-haltigen Mischoxid-Brennelementen (Mox) zu betreiben, aber das Fukushima-Unglück 2011 hat dem bislang einen Strich durch die Rechnung gemacht. Noch immer sind nur wenige AKW am Netz, geplant waren 16-18 AKW, und der von Pannen geprägte Schnelle Brüter Monju, mit dem die Technik erprobt werden und der 2050 kommerziell betrieben werden sollte, wurde gänzlich abgeschaltet.

Japan bereitet Brennstäbe wieder auf, um daraus Plutonium und Uran für Mox-Brennstäbe zu gewinnen. Der Berg wächst weiter an, weil wegen der weiter abgeschalteten AKW kaum Mox für deren Betrieb verwendet werden kann. Auf dem Gelände der Wiederaufbereitsungsanlage Rokkasho wurde 2010 mit dem Bau einer Anlage zur Herstellung von Mox-Elementen begonnen, deren Fertigstellung wurde aber ebenso verschoben wie der Wiederaufbereitungsanlage selbst, die aufgrund erhöhter Sicherheitsansprüche 2021 in Betrieb gehen soll und jährlich 9 Tonnen Plutonium herstellen könnte. Mit dem Bau der Wiederaufbereitungsanlage wurde bereits 1993 begonnen - mit dem Ziel der Inbetriebnahme 1998. Angesichts des wachsenden Plutoniumbergs und des Drucks aus den USA muss deren Leistung, sollte sie überhaupt in Betrieb gehen, aber gedrosselt werden. (Florian Rötzer)

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