Japanischer Premierminister und Zerstörer auf dem Weg in den Nahen Osten

Japanischer Zerstörer Takanami. Foto: Jimmy Weee. Lizenz: CC BY 2.0

Japan ist von der Golfregion abhängiger als andere Länder, weil es einen größeren Ölanteil von dort bezieht

Heute machte der japanische Regierungssprecher Yoshihide Suga bekannt, dass sein Chef Shinzo Abe am Samstag eine Reise in drei Länder am Persischen Golf antritt, für die er fünf Tage eingeplant hat. Vorher hatten japanische Medien spekuliert, dass der Premierminister diese Reise nach Saudi-Arabien, in die Vereinigten Arabischen Emirate und in den Oman wegen der Tötung des Al-Kuds-Kommandeurs Quassem Soleimani und der darauf folgenden Spannungen absagt.

Zu diesen Spekulationen gab Suga offiziell keinen Kommentar ab - aber einem nicht namentlich genannten und an höherer Stelle im japanischen Außenministeriums beschäftigten Zeitungsinformanten zufolge entschied sich Abe "wahrscheinlich" erst nach Donald Trumps Ankündigung, auf den iranischen Antwortschlag ohne amerikanische Todesopfer nicht militärisch, sondern mit Sanktionen zu reagieren, dafür, die Reise tatsächlich anzutreten. Abe hatte diese Ankündigung Trumps am Donnerstag ausdrücklich begrüßt und dabei darauf verwiesen, dass Japan alle am Konflikt beteiligten Parteien zur Zurückhaltung gedrängt habe.

"Stabilisieren und entspannen"

Diese diplomatischen Anstrengungen will er nun fortsetzen, um "die Situation zu stabilisieren und zu entspannen". Auch mit Politikern aus den drei arabischen Ländern, die er in den nächsten fünf Tagen bereist. Bei diesen Gesprächen soll es Suga zufolge außerdem darum gehen, wie der Schiffsverkehr im Persischen Golf gesichert werden kann. Japan ist auf diesen Schiffsverkehr mehr angewiesen als andere Länder, weil es 90 Prozent seines Öls von dort bezieht.

Außerdem will Abe dabei erklären, warum Japan heute den mit einer 127-Millimeter-Kanone, Raketen und Hubschraubern ausgestatteten 4.650-Tonnen-Zerstörer Takanami sowie zwei P-3C Anti-U-Boot-Aufklärungsflugzeuge auf den Weg in die Region geschickt hat. Sie sollen vor den Küsten des Oman und des Jemen (aber ausdrücklich nicht im besonders sensiblen Gebiet der Meerenge von Hormus) Informationen sammeln. Dabei dürfen sie sich vorerst lediglich selbst verteidigen, aber nicht Tankern zu Hilfe eilen. Die gesammelten Informationen will man zwar an die US-geführte Wachmission im Golf weitergeben, betont aber, kein Bestandteil dieser Mission, sondern unabhängig zu sein.

Der japanische Verteidigungsminister Taro Kono sprach wegen dieser Entsendung am Donnerstag mit seinem iranischen Amtskollegen Amir Hatami, der seinen Angaben nach "nicht negativ" auf das Vorhaben reagierte. Außerdem verkündete Kono nach dem Telefonat, er glaube, dass man mit iranischer Hilfe bei der Sicherung von Schiffen mit Bezug zu Japan rechnen könne. Solche Schiffe transportieren seit dem 9. April kein für Japan bestimmtes Öl aus dem Iran mehr, weil Washington die Ausnahmegenehmigung für sein Verbot nicht verlängerte (vgl. US-Außenministerium verlängert Ausnahmegehmigungen für Ölimporte aus dem Iran nicht).

Der japanische und südkoreanische Blick auf die Ereignisse

Die Tötung Soleimanis wird in japanischen Medien häufig mit einem in Europa eher weniger bekannten Ereignis aus dem Zweiten Weltkrieg verglichen: Der "Operation Vengeance", bei der ein Flugzeug mit dem japanischen Admiral Isoroku Yamamoto an Bord abgeschossen wurde, den die Amerikaner als Hauptverantwortlichen für den Angriff auf Pearl Harbor ausgemacht hatten.

Darüber hinaus fragt man sich, welche Konsequenzen die Aktion für die eigene Region haben könnten. Außer der Energieversorgung spielt dabei auch der Nachbar Nordkorea eine Rolle. Dessen Staatschef Kim Jong Un könnte sich durch die gezielte Ausschaltung des Al-Kuds-Kommandeurs in seinen Befürchtungen bestätigt finden, dass er ohne nukleare Vergeltungsoption Ziel einer ähnlichen Maßnahme werden könnte (vgl. Medienberichte: Kim Jong Un will nicht wie Gaddafi enden).

In Südkorea sieht man das ähnlich: Hier zitiert die Zeitung Munhwa Ilbo in diesem Zusammenhang eine nicht namentlich genannte Quelle aus US-Geheimdienstkreisen, der zufolge Washington seit dem letzten Jahr vier MQ-9-Reaper-Drohnen auf dem Luftwaffenstützpunkt Kunsan stehen hat. Die US-Streitkräfte in Südkorea wollten dazu gegenüber der südkoreanischen Zeitung Yonhap keinen Kommentar abgeben. Die zwölf amerikanischen MQ-1C-Gray-Eagle-Drohnen, die bestätigt in Südkorea stehen, dienen den offiziellen Angaben nach der Aufklärung, können aber auch bis zu vier Raketen tragen. (Peter Mühlbauer)