Jemen: Ignorierte Zerstörung

Das kürzlich zerstörte Abs-Krankenhaus Abs in der Provinz Hajjah. Bild: MSF

Der Krieg im Jemen ist hauptsächlich eine einseitige Zerstörung unter der Federführung Saudi-Arabiens, die im Schatten der Weltöffentlichkeit weiterhin fortgeführt wird

Am vergangenen Samstag wurde eine weitere Schule im Land bombardiert. Mindestens zehn Kinder wurden dabei getötet, 28 weitere wurden verletzt. Laut der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) waren alle Opfer zwischen acht und fünfzehn Jahre alt. Die Verantwortlichen, die von Saudi-Arabien geführte Angriffskoalition, leugneten jegliche Beteiligung. Stattdessen hieß es, man habe ein von Houthi-Rebellen geführtes Trainingslager, in dem Kindersoldaten ausgebildet wurden, angegriffen.

Kurz darauf, am vergangenen Montag, fand in der Provinz Hajjah ein Angriff auf ein Krankenhaus statt. Mindestens 14 Menschen fanden den Tod, während 24 weitere verletzt wurden. Bei der Klinik handelte es sich um eine Einrichtung von MSF. Innerhalb eines Jahres wurden damit vier Krankenhäuser der Organisation Ziele von Bombenangriffen im Jemen.

"Die Bombardierung dieses Krankenhauses ist ein beklagenswerter Akt, der Zivilisten einschließlich des medizinischen Personals, welches sich dazu aufgeopfert hat, kranke und verletzte Menschen unter den schwierigsten Bedingungen zu behandeln, das Leben gekostet hat", meinte etwa Magdalena Mughrabi, Nahost-Abteilungsleiterin von Amnesty International.

"Der absichtliche Angriff auf medizinische Einrichtungen ist eine schwere Verletzung des internationalen Rechtes und stellt ein Kriegsverbrechen dar. Die Umstände dieses Angriffes müssen gründlich und unabhängig untersucht werden", moniert Mughrabi.

Die Frage, wann und inwiefern eine solche Untersuchung stattfinden wird, bleibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt offen. Nach allen Bombardements spielte sich nämlich stets dasselbe Szenario ab. Obwohl MSF schon im Vorhinein die Koordinaten seiner Einrichtungen an alle Konfliktparteien übermittelte, fanden dennoch Luftangriffe statt. Die von Saudi-Arabien geführte Kriegsallianz leugnete im Nachhinein immer wieder jegliche Beteiligung - bis der nächste Angriff stattfand.

Die Ignoranz Riads hat mehrere Gründe. Einerseits findet der Krieg im Jemen weiterhin im Schatten der Weltöffentlichkeit statt. Die meisten politischen und medialen Akteure bringen ein starkes Desinteresse an den Tag. Andererseits herrscht eine direkte oder indirekte Unterstützung für das saudische Vorgehen, in der hauptsächlich westliche Staaten eine dominante Rolle einnehmen.

Vergangene Woche bestätigte die US-Regierung, dass weitere Waffen im Wert 1,15 Milliarden Dollar an Saudi-Arabien verkauft werden sollen. Bereits seit Beginn des Konflikts im Jemen hat Riad US-amerikanische Waffen im Wert von 20 Milliarden Dollar eingekauft.

Hervorzuheben ist in diesem Kontext die Tatsache, dass sich unter den 153 neu bestellten Abrams-Panzern zwanzig Ersatzexemplare befinden. Laut dem Waffenhersteller General Dynamics Land Systems sollen die Exemplare im Kampf zerstörte Panzer ersetzen. Wodurch die saudischen Panzer zerstört wurden, wird allerdings nicht deutlich. Man geht allerdings davon aus, dass dies im Jemen geschehen ist. Bereits vor einem Jahr wurden Videos verbreitet, in denen Houthi-Rebellen auf Abrams-Panzern posierten.

Auch die deutsche Bundesregierung hat in diesem Jahr weitere Exporte nach Saudi-Arabien genehmigt. Im vergangenen März erhielt etwa Airbus Helicopter grünes Licht für die Ausfuhr von 23 zivilen Hubschraubern mit militärischen Einbauten. Des Weiteren wurde im Juli die Ausfuhr von 48 militärischen Patrouillenbooten genehmigt. Die meisten Waffen erhält die Golfmonarchie jedoch weiterhin von den USA und von Großbritannien. Seit Beginn des Jemen-Konflikts stammen Rüstungsexporte im Wert von rund drei Milliarden Euro aus dem Vereinigten Königreich.

Bereits im Januar verkündete die UN, dass seit Beginn des Krieges mehr als 7.000 Jemeniten getötet worden seien. Die saudische Kriegsallianz wurde für die Mehrheit der Opfer verantwortlich gemacht. Rund 21 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Ende Juli hob die UN hervor, dass mittlerweile fast 180.000 Menschen Jemen verlassen haben und auf der Flucht seien.

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