Jimmy Wales: eine Ikone mit Schönheitsfehlern

Die Wahrheit als Ergebnis einer Wissensaushandlung

Von Hayek ging es selbstverständlich nicht um die Organisation von Wissen als solchem. Ihm ging es nur um die optimale Balance des Marktes. Aber im Zeitalter der weltweiten Verfügbarkeit jeglichen Wissens am Beginn des dritten Jahrtausends durch das Internet lag es nahe, verstreut brachliegende Wissensressourcen außerhalb der Hochschulen in Analogie zu Hayek nutzbar zu machen.

Und wie für Hayek der Staat mit seiner zentralisierten Planwirtschaft das zu bekämpfende Übel bedeutet, so stellt für Wales das zentralisierte enzyklopädische Weltwissen der etablierten Lexika und der Wissenschaftler mit Reputation wie z.B. im Falle der Enzyclopedia Britannica einen Hemmschuh dar, das gesamte Wissen aller Menschen auf dieser Welt zu erfassen und dienstbar zu machen.

Und so wie bei Hayek der Preis das Ergebnis einer freien Aushandlung auf dem Markt ist, so ist die Wahrheit und das Wissen im Internetzeitalter von nun an auch das Ergebnis einer "Wissensaushandlung" 1 aller Teilnehmer bei der Erstellung eines Wikipedia-Artikels.

So wie der unregulierte Produktpreis die wahre Beziehung zwischen Angebot und Nachfrage wiedergibt, so spiegelt ein Wikipedia-Lexikonartikel die durch keine akademische Planwirtschaft der Wahrheitsfindung getrübte vollständige Realität wieder. So in etwa könnte man Wales‘ Philosophie von Wikipedia beschreiben.

Teil 2: Wikipedia: Zu groß, um zu überleben?
Teil 3: Jimmy Wales im Olymp der Superreichen (Hermann Ploppa)

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