Jobchancen: Deutliche Nachteile für Mütter, die nur kurz Elternzeit nehmen

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Frauen, die schnell in den Beruf zurückkehren, werden offenbar als egoistisch und kalt wahrgenommen

Wer die Personaler waren, die insgesamt 700 Bewerbungen zugeschickt bekamen, ob es zum Großteil Männer waren oder Frauen, ob das bei ihrer Entscheidung eine Rolle gespielt hat, ist nicht bekannt. Feststeht, dass die Bewertungen von Personalern wichtig ist und seit nicht ganz zwei Jahren weiß die empirische Forschung in Deutschland, dass sie bei der Elternzeit eindeutige Präferenzen haben.

Mütter, die nur kurz in Elternzeit gegangen sind, mögen sie nicht. Mütter, die nur zwei Monate pausiert haben, wurden seltener zu Bewerbungsgesprächen eingeladen als Mütter, die ein ganzes Jahr zu Hause geblieben waren, berichtete die Berliner Morgenpost Anfang letzten Jahres von der Arbeit der Soziologin Lena Hipp, die am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) tätig ist.

Damals berichtete die Berliner Zeitung von 400 fiktiven Bewerbungen, welche die Wissenschaftlerin als Experiment auf Stellenausschreibungen losgeschickt hat. Lena Hipp hatte laut der Springer-Zeitung folgende Deutung: "Frauen, die nur kurz zu Hause bleiben, gelten als kaltherzig und hart."

Heute berichtet nun der Spiegel über die Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, die noch unveröffentlicht sei, aber der Wochenzeitung vorliege. Die Zahl der eingesandten fiktiven Bewerbungen hat sich von 400 auf 700 vergrößert. Das Ergebnis ist im Trend gleichgeblieben, aber es ist jetzt präziser.

Stand im Lebenslauf der Bewerberin, dass sie zwölf Monate Elternzeit genommen hatte, so waren die Chancen erheblich besser. Bewerberinnen mit der langen Elternzeit erhielten "anderthalb Mal so oft eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch" im Vergleich zu den anderen, die sich nur zwei Monate Elternzeit genommen haben.

Ansonsten waren die Voraussetzungen der Bewerberinnen gleich. "Alle Aspiranten bewarben sich scheinbar aus einer festen Anstellung heraus und hatten ein etwa dreijähriges Kind", beschreibt der Spiegel die Ausgangslage. Der Unterschied lag also einzig in der Elternzeit und hier spielte die Dauer eine bedeutende Rolle, egal wie lange sie zurücklag.

Die Reaktionen darauf sind emotional. Mütter mit kurzer Elternzeit würden oft als "egoistisch und feindselig" wahrgenommen. Die anderen mit der längeren Elternzeit dagegen als "intelligenter", "mit mehr Führungskompetenz", "bessere Zuhörerinnen", "warmherziger", "gutmütiger" und "weniger intrigant und einschüchternd".

Das sind nicht die Einschätzungen der Personaler in den Unternehmen, deren Ablehnungsschreiben selbstverständlich in einem nüchternen Ton ohne solche Bewertungen gehalten sind. Es waren Probanden, die in einem "Laborexperiment" ihre Einschätzungen abgaben. Womit die Personaler ihre Ablehnungen begründeten, bleibt unbekannt.

Auffallend ist, dass die Länge der Elternzeit bei Bewerbungen von Männern keine Rolle spielt. "Väter, die laut den fiktiven Lebensläufen ein Jahr lang Elternzeit genommen hatten, wurden fast genauso oft zu Vorstellungsgesprächen eingeladen wie Männer mit einer zweimonatigen Auszeit", schreibt der Spiegel und auch die Berliner Morgenpost stellte seinerzeit fest, dass bei Männern zwei Monate oder 12 Monate Elternzeit keine Rolle spielt.

Auch das ist etwas erstaunlich, da längere Elternzeiten für einen Mann noch die Ausnahme sind und in den Unternehmen auf Vorbehalte und Rollenbilder stoßen, die dem entgegenstehen. Offenbar spielt das aber in Bewerbungen keine Rolle. Dass sich Männer meist für die zwei-monatige Elternzeit entscheiden, hat damit zu tun, dass sie meistens besser verdienen und das Elterngeld mit der Aufteilung 12 Monate Elternzeit für die Mutter und zwei für den Vater besser rechnet.

Bei den emotional geprägten Reaktionen oder Eindrücken spielt also das Bild der Mutter mithinein. Nach dem, was die Studie vermittelt, werden Mütter, die weniger Auszeit vom Beruf nehmen, um zuhause beim Kind zu bleiben, nach wie vor als gefühlsärmer eingeschätzt.

Die Soziologin Lena Hipp hat einen Lehrstuhl für Sozialstrukturanalyse, insbesondere Arbeit und Organisation an der Universität Potsdam inne; zu ihren Forschungsschwerpunkten gehörten Themen wie "gute Arbeit", Arbeit und soziale Ungleichheiten am Arbeitsmarkt sowie Geschlecht und Familie. Das Bewerbungsexperiment ist Teil einer Studie, die sich im Auftrag des Familienministeriums mit Rollenmodellen und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf befasst. (Thomas Pany)

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