Judgement Day

Finanzkrise: Abgerechnet wird am Schluss!

Der Tag der Abrechnung, wie ihn die Amerikaner nennen, wird in der Weltwirtschaft kommen. Die Rätselhaftigkeit des Anstieges der Aktienkurse in den letzten Monaten lässt sich lüften, wenn man die Aktivitäten an den Märkten beobachtet. Charles Biderman, der CEO von TrimTabs, einer renommierten Finanzanalysefirma, betonte, dass ein monatlicher Betrag von 5 bis 15 Milliarden USD pro Monat ausreicht, um durch den späten Kauf von S&P 500 Futures-Kontrakten den Markt nach oben zu pushen. Geld genug dafür hätte das so genannte Plunge Protection Team, welches in üppiger Weise durch das Drucken von mehr Geld von der Fed für solche Aktivitäten zur Marktmanipulation ausgestattet worden ist. Wenn die Fed jedoch die Kurse steigen lassen kann, dann kann sie auch eine Fallbewegung auslösen, womit das freie Spiel der Kräfte zu einer Goodwill-Aktion der Banker wird. Eine perfekte Gelddruckmaschine der Marktmanipulation, um noch höhere Rekordgewinne einfahren zu können. Betrachtet man sich die drei möglichen Szenarien für die Finanzmärkte, so kommt man aufgrund der scheinbar alle Probleme wegspülenden Liquiditätsgarantie der Fed zu folgenden Beobachtungen.

Was wird als nächstes abgewrackt?

Die sehr großzügige Geldpolitik der Notenbanken scheint in den letzten Monaten überhaupt nicht gegriffen zu haben, es hat vielmehr den Anschein, dass die Abwrackprämien über kurz oder lang nur die Ouvertüre zum Abwracken der Staatsanleihen sein werden. Die Kreditschöpfung der Banken hat neue historische Tiefsstände erreicht, ein Zeichen dafür, dass die Wirtschaftsaktivität nur sehr schleppend in Gang kommt.

Die Häufung der Krisen in den letzten Jahren scheint kein Zufall zu sein. Sie sind auf eine falsche Geldpolitik zurückzuführen, die Instabilitäten schon lange nicht mehr bekämpft, sondern zulässt, damit die Manipulierbarkeit der Bürger sukzessive gesteigert werden kann. Szenario 1 einer L-förmigen Erholung mit einem scharfen Kursverfall und einer sanften Erholung dürfte angesichts der massiven Verwerfungen und des weltweiten Schulden-Bubbles wenig realistisch sein. Szenario 2, das vom Wachstumsmotor China und Indien erwartet, die Weltwirtschaft über extremes Wachstum aus der Krise zu führen, dürfte ebenso wenig realistisch sein, da vor allem in China mittlerweile aufgrund der massiven Expansion der Staatsausgaben sowie einer Politik des leichten Geldes eine neue spekulative Blase entstanden ist. Insbesondere die Blase im Immobiliensektor führt uns zum wahrscheinlichsten der drei möglichen Szenarien: der deflationären Depression.

Neuer China-Bubble

Um den Wirtschaftsaufschwung nicht zu gefährden, setzt die chinesische Regierung auf eine strikte Kopplung an den US-Dollar. Damit sicherte sie sich zwar die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Exporte, so lange der Dollar fiel, jedoch droht bei einem wieder erstarkenden Dollar und bei einem weiteren Einbruch der westlichen Volkswirtschaften ein jäher Absturz der chinesischen Wachstumseuphorie. Da Geld durch die nahezu Nullzinspolitik der Zentralbanken weltweit billig zu haben ist, hat sich ein erneutes Carry-Trade Monopoly entwickelt, wobei ausländische Investoren sich in Dollar verschuldeten, um damit auf eine Yuan-Aufwertung zu spekulieren, was die weltweite Liquidität zusätzlich aufblähte.

Falls jetzt eine sanfte Rückführung der Kreditvergabe nicht gelingt, könnte es durch den Rückgang der weltweiten Nachfrage nach chinesischen Produkten in China zu einer Pleitewelle ungeahnten Ausmaßes kommen, die auch soziale Unruhen hervorrufen kann, da Millionen von Arbeitslosen in den bisher boomenden Metropolen Verhältnisse wie in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts in den USA hervorrufen könnten. Der Jahrhundertsturm, den ein Einbruch der chinesischen Wirtschaft für die gesamte Weltwirtschaft auslösen kann, scheint den wenigsten Wirtschaftsexperten bewusst zu sein. Überall versucht man, die Bürger zu beruhigen, ja viele sprechen sogar schon davon, dass die Finanzkrise überwunden sei. Dies ist genauso, als ob man im Auge des Hurrikans davon ausgehen würde, dass der Sturm vorübergezogen sei, nur weil es für einige Minuten ruhig geworden ist.

Deflationäre Depression

Wie wir wissen, sind die Verwüstungen am größten, wenn das Auge des Hurrikans verlassen wird. Der Hurrikane Ike in Galveston vom Jahre 2008 legt Zeugnis davon ab, was noch auf die Weltwirtschaft zukommen kann. So lange die Amerikaner mehr Geld leihen als je zuvor, d.h. das Angebot an Geld dermaßen stark ausgeweitet wird, muss die Nachfrage, und damit in Folge die Preisentwicklung, früher oder später massiv abstürzen. Die Folge wird ein Anstieg der Zinsen und ein noch stärkeres Abwürgen der Konjunktur sein.

Der wahnwitzige Versuch, die Wirtschaft durch noch mehr Schulden wiederzubeleben, wäre dann nicht nur gescheitert, sondern die Krise würde möglicherweise in eine handfeste Depression überleiten. Die Verbraucherkredite schrumpfen weiter, die Arbeitsplätze gehen weiter zurück, es kommt zu immer mehr Unternehmenspleiten und Privatbankrotten und die deflationäre Krise weitet sich aus. Dann werden die politisch Verantwortlichen vielleicht erkennen, dass die Verzögerung der notwendigen Korrektur durch zusätzliche Regierungsausgaben zu einer noch stärkeren Krise führen muss.

Geben die Politiker Geld aus, das sie nicht haben, um eine Korrektur zu verhindern, so verschlimmbessern sie die Situation und untergraben die Prinzipien einer sozialen Marktwirtschaft. Damit wird das angebliche Heilmittel der Staatsverschuldung zu einem Katalysator für die Ausbreitung einer Krankheit, die Deflation und in ihrer Turboversion Deflationäre Depression heißt. (Artur P. Schmidt)

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