Junge Amerikaner wollen Nachrichten online lesen

Laut einer Umfrage sind die älteren Menschen eher auf das Fernsehen und die gedruckte Zeitung ausgerichtet, die aber mit der älteren Generation aussterben werden

Die jungen Menschen sind weniger an Nachrichten interessiert als die Generationen vor ihnen. Nach einer PEW-Umfrage vom Juli des Jahres verfolgen nur 27 Prozent der 18-29-Jährigen regelmäßig die Nachrichten. Unter den Über-65-Jährigen sagen dies noch 77 Prozent. Das Misstrauen gegenüber der Berichterstattung der nationalen Medien ist bei den jungen Amerikanern auch am höchsten, gerade einmal 10 Prozent haben in diese noch Vertrauen. Die "Lügenpresse" gibt es daher nicht nur in Deutschland, wie man daraus ablesen kann. Bei den Über-65-Jährigen ist das Vertrauen am höchsten, aber das hat auch nur ein Viertel.

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Nachrichten beziehen die jungen Menschen vornehmlich aus dem Internet, während die Senioren sie vor allem aus dem Fernsehen und/oder Zeitungen holen, vor allem Zeitungen scheinen für die Jungen praktisch nicht mehr existent zu sein, nicht viel anders sieht es bei den 30-49-Jähreigen aus. Danach geht es mit den Zeitungen dem Ende zu, wenn die ältere Generation ausstirbt. Ähnlich wie die bis 49-Jährigen schauen die jungen Amerikaner nach Nachrichten vornehmlich auf Websites und zu einem ähnlichen Prozentsatz bereits auf Sozialen Netzwerken, wo sie aber nur Bruchstücke der Meldungen mitkriegen dürften. Wie sich herausstellt, schauen die jungen Menschen zwar auf Facebook, Twitter und Co. nach News, aber sonderlich interessiert scheinen sie daran nicht zu sein. Sie klicken kaum auf die Links, teilen sie auch nicht mehr als die älteren Generationen und kommentieren sie auch kaum.

Eine neue Umfrage brachte jedoch im Gegensatz zum Niedergang des politischen Interesses, zumindest was die Rezeption von Nachrichten und den entsprechenden Medien angeht, Überraschendes. Gefragt, ob sie Nachrichten lieber lesen, schauen oder hören wollen, zogen die 18-29-Jährigen es vor, die Nachrichten zu lesen. Der Anteil, der Nachrichten in Textform (aber wohl, siehe oben, nicht gedruckt) präferiert, ist mit 42 Prozent bei den Jungen am höchsten. Auch bei den 30-49-Jährigen sagten dies noch 40 Prozent.

Hören von Nachrichten im Rundfunk ist in allen Generationen ein Nischenphänomen, wobei dies die Älteren noch weniger schätzen. Zwar geben auch 38 bzw. 39 Prozent der bis 29-Jährigen bzw. bis 49-Jährigen an, dass sie Nachrichten sehen wollen, also im Fernsehen oder im Internet, die Älteren neigen dazu jedoch viel stärker. Nur 29 bzw. 27 Prozent der 50-65-Jährigen und der Älteren wollen lieber Nachrichten lesen. Nur 10 Prozent derjenigen jungen Amerikaner, die Nachrichten lesen wollen, gibt dafür als Medium die Zeitung an, 81 Prozent nennen jedoch das Internet. Daraus muss man eigentlich schließen und damit ein altes Vorurteil entkräften, dass die jüngeren Menschen, die mit dem Internet aufgewachsen sind, weniger lesen wollen.

Es scheinen vor allem die Alten zu sein, die dem Lesen und der damit verbundenen Aufnahme von Nachrichten abgeneigt sind. Lesen von Texten ist nicht an Bücher und Zeitungen gebunden. Auch das ist eine Selbstverständlichkeit. Allerdings bedeutet natürlich eine höhere Wertschätzung des Lesens noch nicht, dass auch längere oder schwierigere Texte rezipiert werden. Man könnte auch argumentieren, dass Texte, vor allem kurze, besser im Multitasking-Modus verarbeitet werden können. Schauen und Hören kann mehr Aufmerksamkeit verlangen, als flüchtig einen kurzen Text querzulesen. (Florian Rötzer)

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