Jurassic Tree

Israelischen Forschern ist es gelungen, uralten Samen keimen zu lassen. Von den Datteln der Palme könnte schon Jesus genascht haben

Ob Jesus jemals am südwestlichen Ende des Toten Meeres vorbeikam und dabei womöglich gar die Festung Masada besichtigte, ist nicht überliefert. Glaubt man der biblischen Geschichte, ist das auch eher unwahrscheinlich, denn erbaut wurde Masada vom judäischen König Herodes, der zumindest im Neuen Testament eine eher unrühmliche Rolle spielt - tatsächlich aber wohl zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht als einer der erfolgreichsten Herrscher Judäas gelten darf. Zudem war die Festung Masada, solange sie stand (ungefähr 100 Jahre rund um den Beginn der modernen Zeitrechnung), nicht in der Art und Weise zugänglich, wie sie es heute ist: als Ausgrabungsstätte und Attraktion für Israel-Touristen.

Uralte Dattelpalmen-Samen aus Masada. Bild: Guy Eisner/Science Magazine

Masada wurde zwar schon in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ausgegraben, doch einigen Ergebnissen dieser Ausgrabung widmeten sich Forscher erst vor kurzem. Die Archäologen hatten nämlich auch eine Handvoll Samen gefunden, die der Echten Dattelpalme (Phoenix dactylifera) zugeordnet wurden. Diese lagerten zunächst rund vier Jahrzehnte bei Zimmertemperatur, bevor Biologen auf die Idee kamen, ihre Keimfähigkeit zu testen. 2005 wurden drei der intakten Samen ausgesät, und tatsächlich keimte einer der Samen und gebar eine Pflanze, die die Forscher mit dem Grünen Daumen Methuselah (englisch für Methusalem) nannten.

Die Pflanze ist mittlerweile meterhoch und ihrem ursprünglichen Babykübel weit entwachsen. Bis auf ein paar weiße Flecken auf den Blättern sieht sie ganz so aus, wie man das von einer Dattelpalme erwartet. Die auf Chlorophyllarmut hindeutenden Flecken führen die Forscher, wie sie im Wissenschaftsmagazin Science berichten, auf Nahrungsmangel während der frühen Keimphase zurück.

Drei Monate nach der Aussaat zeigten die ersten Blätter eine ganz normale Entwicklung. Bild: Guy Eisner/Science Magazine

Doch noch immer war nicht eindeutig klar, wie alt der ursprüngliche Samen gewesen sein musste. Zwar konnten die Archäologen den Fund zeitgeschichtlich zuordnen - eine Radiokohlenstoffdatierung ergab allerdings höchst unterschiedliche Daten für die nicht gekeimten Samen, von ungefähr 100 vor bis 30 nach Beginn der Zeitrechnung. Analysiert wurden ebenfalls Schalenreste von der Wurzel der Pflanze, die ein um 250 Jahre höheres Alter ergaben. Die Wissenschaftler führen das allerdings darauf zurück, dass Methuselah in modernem Kohlenstoff kultiviert wurde - dadurch wird die Datierungsmethode ungenau. Die Palmen, aus deren Früchten die Samen stammen, könnten also tatsächlich die 973 jüdischen Aufständischen ernährt haben, die von 70 bis 73 unserer Zeitrechnung in Masada einer Belagerung durch 15.000 römische Soldaten standhielten.

Wie blieben die Samen so lange lebensfähig? Bisher war in der Wissenschaft nur von 1.300 Jahre alten Lotussamen berichtet worden. Die Forscher vermuten, dass die hohen Sommertemperaturen und die niedrige Luftfeuchtigkeit rund um Masada dafür verantwortlich sind. Sie behindern die Bildung freier Radikale, die die Samen altern lassen.

Weil die Echte Dattelpalme bereits vor gut 7.000 Jahren als Kulturpflanze eingeführt wurde, war für die Wissenschaftler auch ein Genvergleich mit heutigen Kulturen interessant. Die höchste Übereinstimmung zeigte sich mit irakischen und ägyptischen Kulturen. Israel selbst importiert heute Dattelpalmen - einst war das Tal des Jordan-Flusses von dichten Palmenwäldern bewachsen.

Methuselah könnte sogar, à la Jurassic Park, der Wiederherstellung einer uralten Art dienen, der früher heilende Wirkung nachgesagt wurde. Zumindest, wenn die Pflanze weiblich ist. Das werden die Forscher aber erst um 2010 erfahren, wenn sie ihre ersten Früchte tragen konnte. Projektleiterin Sarah Sallon hat bereits versprochen, sie in diesem Fall in „Mrs. Methuselah“ umzubenennen.

Methuselah im Alter von 26 Monaten - bei einer Größe von 1,21 Metern Bild: Guy Eisner/Science Magazine

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