Kampf um Drohnen und Bilder

In einem Selbstmordangriff von Sri Lankas Tamil Tigers auf einen Militärflughafen ging es um die Zerstörung von Aufklärungsflugzeugen

Die tamilischen Rebellen der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) versetzten der srilankischen Armee am Montag einen schweren Schlag. Eine Gruppe von 21 Selbstmordattentätern zerstörte in der Luftwaffenbasis Anuradhapura mindestens acht Militärflugzeuge, darunter ein strategisch wichtiges Beechcraft Spionageflugzeug. Die Angreifer erhielten dabei Luftunterstützung von der Anfang des Jahres gegründeten Flugzeugstaffel der Tigers.

Im Bilderkrieg präsentieren die Rebellen ihre "Märtyrer" und die von ihnen angerichteten Schäden

Seit Monaten auf dem Rückzug, gehen die Rebellen mit dieser Aktion erstmals wieder in die Offensive. Noch im September diesen Jahres hatte S.P. Thamilchelvan, der Leiter des politischen Flügels der LTTE erklärt: „Die LTTE übt sich weiterhin in Geduld und beschränkt sich noch auf einen Defensivkrieg.“ Anlässlich des Angriffs auf die Luftwaffenbasis in Anuradhapura sagte LTTE-Militärsprecher Rasiah Ilanthirayan nun: "Die beste Form der Verteidigung ist die Offensive". Dieser Strategiewechsel lässt sich aus den stark verschobenen Kräfteverhältnissen in dem südasiatischen Land erklären:

Vertreibung der LTTE aus dem Osten, Finanzkrise, Munitionsmangel

Seit Mai diesen Jahres sehen sich die Tamil Tigers mit größeren militärischen und finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert. Mit Hilfe des abtrünnigen Rebellenführers Karuna gelang es dem Militär im Juli weitgehend, die LTTE aus dem Osten der Insel zu vertreiben. Diese Karte des Verteidigungsministeriums zeigt das aktuell von der LTTE gehaltene Gebiet, die zweite Karte die Umrisse des eigentlich von den Rebellen reklamierten „Tamil Homeland“.

Zu den enormen territorialen Verlusten kommen finanzielle Engpässe hinzu: Das Geld aus der Diaspora fließt nicht mehr ungehindert, da viele ausländische Regierungen gegen die Sammler der mehr oder weniger freiwillig erhobenen Spenden vorgehen.

Ein weiteres gravierendes Problem stellt der Munitionsmangel dar: In letzter Zeit wurden zahlreiche Munitionsschiffe der Rebellen von der srilankischen Marine versenkt. Verantwortlich für die Aufspürung der Schiffe war unter anderem das nun zerstörte Beechcraft-Überwachungsflugzeug. Mit dem Flugzeug konnte die Armee die gesamte Ostküste überwachen und jede größere Marine-Operation der LTTE verhindern. Deshalb war seine Zerstörung eines der Hauptziele des Angriffs der Tigers.

Anuradhapuras strategische Bedeutung für die Offensive gegen den Norden

Da Präsident Mahinda Rajapakse nach den Erfolgen im Osten eine militärische Lösung des Konflikts forciert, konzentriert sich die neue Strategie der Tigers nun darauf, gute Bedingungen zur Verteidigung des Herzstücks des tamilischen Gebietes im nördlichen Vanni zu schaffen. Denn der militärische Druck der Armee in Mannar, Omanthai, Muhamalai, Nagarkovil und der Gegend um Pulmoddai wächst in den letzten Monaten beständig.

Anuradhapura ist die zweitgrößte logistische Luftwaffenbasis der Insel und wurde in der Vergangenheit hauptsächlich als Trainingsbasis und für Drohnenoperationen eingesetzt - erst vor kurzem hatte das Militär seine unbemannten Spionageflugzeuge von Vavuniya nach Anuradhapura verlegt. Aufgrund der Nähe von nur 60 Kilometern zum Gebiet der LTTE gilt die Luftwaffenbasis als Schlüsselposition bei einer möglichen Offensive der Armee gegen den Norden. Die Luftwaffe fliegt von Anuradhapura aus zwar keine Bombardements, hier wird aber Munition verladen und zur Front gebracht.

Zur Verteidigungsstrategie der Tigers gehört es auch, mit Anschlägen im Süden der Insel die dortigen Armeekräfte zu binden. So überrannten Rebellen in der letzten Woche ein Camp der Armee nahe des Yala-Nationalparks im Süden und töteten sechs Soldaten. In dieser Woche wurden ebenfalls sechs Marinesoldaten in einem Hinterhalt in der Südprovinz Hambantota getötet.

Die Regierung zeigt die getöteten Rebellen und präsentiert die Leichen in Plastiksäcken und nackt der Öffentlichkeit auf Müllkarren

Bilderkrieg

Wie erbittert der Konflikt von beiden Seiten geführt wird, zeigte sich auch am Bilderkrieg um die in Anuradhapura getöteten Selbstmordattentäter. Die LTTE veröffentlichte noch am Montag auf der rebellennahen Internetseite Tamilnet die Namen und Portraits der 21 getöteten Selbstmordattentäter. Damit sind seit Gründung der Karum Puligal (Black Tigers) im Jahre 1987 knapp 350 Kämpferinnen und Kämpfer dieser Einheit bei Selbstmordangriffen umgekommen.

Das Verteidigungsministerium veröffentlichte kurz darauf auf seiner Website Fotos von einigen Kämpfern, die nach der Aktion erschossen auf der Landebahn liegen. Sie tragen Uniformen im Stil der srilankischen Streitkräfte.

Im Laufe des Dienstags wurde bekannt, dass einige der LTTE-Kämpfer nach der Aufnahme dieser Fotos nackt ausgezogen wurden. Auf dem anschließenden Weg vom Flugplatz zum Leichenhaus wurden die entblößten Körper der toten Attentäter öffentlich zur Schau gestellt. Sie lagen auf zwei von Traktoren gezogenen Karren, die normalerweise zum Transport von Müll verwendet werden. Nur auf dem einen Karren waren die Leichen in schwarze Säcke gehüllt, auf dem zweiten Karren lagen sie unbedeckt übereinander, berichteten Augenzeugen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Auf dem Weg zum Anuradhapura-Hospital hielten die Traktoren für einige Minuten auf einer Kreuzung an. Zahlreiche Schaulustige und Journalisten sahen sich die nackten Leichen auf der Traktor-Ladefläche an, viele machten Fotos und filmten. Die Bilder zirkulierten wenig später im Internet und wurden am Mittwoch in einer lokalen Zeitung veröffentlicht. Auch die Oppositionsseite Lankadissent veröffetnlichte die Bilder.

Der Bischof von Anuradhapura, Norbert Andradi, kritisierte den Transport der entkleideten Leichen durch die für Buddhisten heilige Stadt Anuradhapura. Die LTTE verurteilte die Zurschaustellung der Leichen als Verletzung der Genfer Konvention. Normalerweise tauschen die Kriegsparteien getötete Kämpfer über das Internationale Rote Kreuz aus. (Fabian Kröger)