Kampf um die Schönheit der Nacht

In Tschechien ist Lichtverschmutzung demnächst strafbar

Die Tschechische Republik hat als erster Staat der Welt ein Gesetz gegen Lichtverschmutzung erlassen. Entsprechende Regelungen sind Bestandteil des Protection of the Atmosphere Act, den Präsident Vaclav Havel am 27. Februar 2002 unterzeichnet hat und der am 1. Juni 2002 in Kraft tritt.

Lichtverteilung auf der Erde aus dem Atlas der Lichtverschmutzung

Dem tschechischen Astronomen Jenik Hollan zufolge gab es keinen nennenswerten Widerstand gegen die Gesetzesinitiative. Die Unterstützung hingegen sei sehr gut gewesen:

"Viele meiner Mitbürger sind genauso besorgt wie ich wegen des Streulichts, das von schlecht gestalteten Leuchtkörpern verbreitet wird. Sie sind froh, dass etwas unternommen wurde."

Lichtverschmutzung wird von dem neuen Gesetz definiert als "jegliche Form der künstlichen Beleuchtung, die über den Bereich hinaus reicht, für den sie gedacht ist, insbesondere, wenn sie über den Horizont gerichtet ist". Bürger und Organisationen sind dazu verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, die das verhindern. Für Verstöße gegen das Gesetz sind Strafen von 500 bis 150.000 tschechischen Kronen vorgesehen.

In Tschechien selbst hat die Initiative auch vor Inkrafttreten des Gesetzes schon einiges bewirkt. So konnte in Brno, dem Standort des "Nikolaus Korpernikus Observatoriums", das Streulicht bereits erheblich eingedämmt werden. "Im Zentrum von Brno werden vollständig abgeschirmte Lampen immer mehr zur Norm", sagt Hollan. "Die Fortschritte sind spektakulär."

Künstlich erleuchteter Nachthimmel in Europa, Atlas der Luftverschmutzung

Die Nachricht von dem neuen Gesetz wurde auf der Jahrestagung der "International Dark-Sky Association" (IDA) in Tucson, Arizona, freudig aufgenommen. 1988 als non-profit Organisation gegründet, zählt die IDA mittlerweile über 8.000 Mitglieder. Sie wendet sich nicht nur gegen Lichtverschmutzung im engeren Sinn. Auch andere Beeinträchtigungen der Aussicht auf das Universum, wie Interferenzen im Radiospektrum oder Weltraummüll im Erdorbit, wollen die Kämpfer für die Dunkelheit durch geeignete technische Maßnahmen reduzieren. Überwiegend sind es Astronomen, die sich auch in Deutschland verstärkt für diese Ziele engagieren. Sie sind schließlich diejenigen, die die Zunahme des Streulichts am empfindlichsten spüren. Profitieren sollen aber alle davon. Letztlich, so heißt es in der Selbstbeschreibung der IDA, geht es darum, "die Schönheit der Nacht zu bewahren".

Im letzten Jahr hatten italienische und amerikanische Wissenschaftler auf der Grundlage von Satellitendaten den ersten Weltatlas der Lichtverschmutzung veröffentlicht. Danach ist es einem Großteil der Menschen vor allem in den westlichen Ländern bereits unmöglich, noch einen ungetrübten Nachthimmel zu sehen (Milchstraße verschwindet hinter milchigem Gewand). (Hans-Arthur Marsiske)

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