Kampflose Eroberung von Dscharablus: Wer an der türkischen Offensive auf Dscharablus beteiligt war

Der türkische General und die "gemäßigten"Rebellen

Wie bereits an dieser Stelle berichtet (Türkischer Operettenkrieg), führte die Türkei einen Scheinkrieg gegen den IS: Der IS verließ Jarablus (Dscharablus) kampflos und kein einziger türkischer Soldat wurde verletzt. Es drängt sich der Vergleich zur Manbij-Offensive der SDF auf. Manbij (Manbidsch) konnte erst nach 73 Tagen hartem Kampf mit Luftunterstützung der Koalition befreit werden. Zum Schutz der in Manbij eingeschlossenen Zivilisten boten die SDF den IS-Einheiten sogar einen Korridor an, durch den sie mit ihren Waffen hätten abziehen können. Der IS entschied sich jedoch dafür, bis zum Letzten zu kämpfen.

Es liegt nahe, dass eine Gruppe wie der IS, der den Tod verherrlicht, auch bis zum Letzten in Dscharablus gekämpft hätte, wenn der "Abzug" nicht vorher ausgehandelt worden wäre. Der Kommandant der Sultan Murad Brigade, Ali Sheikh Sailih, der an der Besetzung von Dscharablus beteiligt war, versucht dennoch das Offensichtliche zu verdrehen: "Der IS überlässt der YPG, ohne zu kämpfen, den Boden. Wir haben gekämpft, den Boden genommen und Jarablus vollständig befreit."

Die "Offensive" auf Dscharablus wurde von Zekai Aksakalli geleitet, einem der "Helden des 15. Juli". Der Kommandant der Spezialeinheiten zeigte dem Erdogan-Regime besondere Loyalität, als er in der Putschnacht die Ermordung des angeblichen Putschistengenerals Semih Terzi anordnete. Zekai Aksakalli ist auch sonst eine interessante Figur: Er gehörte zu der Gruppe von Generälen, die Teil des "Ergenekon"-Verfahrens waren, nun freigesprochen und als Erdogan-Loyale reaktiviert und nach dem 15.07. befördert wurden.

Der türkische General Zekai Aksakalli, Kommandeur der Operation "Schutzschild Euphrat", ist gut Freund mit Kämpfern der angeblichen Freien Syrischen Armee. Bild: Schutzschild Euphrat

Dieser General besuchte die Einheiten der sog. Freien Syrischen Armee, die interessanterweise auf dem Video der türkischen Regierungsagentur Anadolu Ajansi den bei Dschihadisten üblichen Schlachtruf "Tekbir" rufen. Bei den Gruppen, die General Zekai Aksakalli als "Refiq Zekai" (Freunde Zekais) bezeichnet, handelt es sich um Einheiten der Milizen Nureddin al Zenki, Ahrar ash-Sham und Jabhat Fatah al Sham (Ex-Jabhat al Nusra), Ansar al Sharia und den rechtsextremen turkmenischen Milizen der Sultan Murat Brigade. Bei seinem Besuch umarmte der General öffentlich die Dschihadisten.

Die Miliz "Nureddin Zenki" ist durch ein Enthauptungsvideo eines Kindes in Aleppo bekannt geworden, während Ahrar Ash Sham und Jabhat Fatah al Sham für ihre Al-Qaida-Nähe bekannt sind. Die Lossagung der Jabhat Al Nusra von Al Qaida und ihre Umbenenung von "Unterstützungsfront" in "Eroberungsfront von Sham" (Jabat al-Nusra heißt jetzt Jabat Fatah al-Sham) können nach dem gemeinsamen Marsch mit der Türkei auf Dscharablus und dem Vorgehen gegen die Selbstverwaltung von Rojava in einem neuen Licht gesehen werden. Also keine "gemäßigten Milizen", wie die Türkei uns glauben lassen will: Erdogan hatte gegenüber westlichen Medien erklärt: "Nusra bekämpft den IS, warum nennt ihr sie Terroristen?"