Kampflose Eroberung von Dscharablus: Wer an der türkischen Offensive auf Dscharablus beteiligt war

Dschihadistische Karrieren

Die Geschichte des Kommandanten der von der Türkei aufgebauten Miliz "Firket el Hamza", Seyf Ebubekir, ist typisch für die Befreier von Dscharablus: Nach Angaben von ANF war er als IS-Mitglied zwischen 2013 und 2014 an verschiedenen Angriffen und Massakern des IS in der Shehba-Region beteiligt. Es liegen ANF-Bilder von ihm vor, wie er im Dorf Qibbes direkt an der Seite des IS-Befehlshabers Erklärungen verliest. Dennoch war er Teil der US-Initiative zur Errichtung einer "moderaten Opposition".

Nachdem er die Ausbildung absolviert hatte, ging er nach Idlib und fiel als Mitglied von Jabhat al Nusra auf. Er war 2015 an vielen Angriffen von Al Nusra beteiligt. Im Frühjahr ist er angeblich in die Türkei gegangen um dort für die "Offensive" auf Dscharablus ausgebildet zu werden, berichtet ANF. Jetzt wird er in den türkischen Medien als heldenhafter Kommandant dargestellt. Er vereint offensichtlich in seiner Person Verbindungen zum IS, zur al-Qaida und zu den Muslimbrüdern.

An der Offensive gegen die Selbstverwaltung beteiligen sich nach einer Erklärung von "Kongra Gel" auch Gruppen, die der südkurdischen KDP von Barsani nahestehen. Die im sogenannten "Kurdischen Nationalrat" und in der "Syrischen Nationalen Koalition" organisierten Einheiten setzen seit Beginn der Revolution in Rojava alles daran, die Selbstverwaltung der Region zum Scheitern zu bringen. Diese Gruppen sind z.B. in Allianz mit den Dschihadisten auch an den Angriffen auf das selbstverwaltete Stadtviertel "Sheikh Mesud" in Aleppo beteiligt.

Geplante Angriffe dieser Gruppen auf Manbij sollen sich türkischen Verlautbarungen nach auch gegen die YPG und die YPJ richten, die sich auch nach US-Forderungen östlich des Euphrat zurückziehen sollen. Dabei befinden sich keine YPG- oder YPJ-Einheiten mehr in Manbij.

Sie hatten sich schon kurz nach der Befreiung zurückgezogen und die Verwaltung von Manbij dem Militärrat von Manbij übergeben. Dieser ist Teil der SDF und ein Projekt, an dem sich die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen beteiligen. Auch hier werden Strukturen aufgebaut, die von der lokalen Bevölkerung bestimmt werden. Auch in Manbij wird die Selbstverteidigung der Bevölkerung organisiert. Die Bevölkerung feierte die Befreiung. Frauen verbrannten ihre Burkas und schwarzen Kleider.

Die Befreiung von Dscharablus vom IS durch das türkische Militär ist eine Lüge

Wenige Tage nach der Befreiung von Manbij fallen türkische Einheiten in Dscharablus ein, begleitet von sogenannten "moderaten Islamisten" der FSA und anderen diffusen Einheiten, um die Stadt zu befreien. Von wem befreien? Von den (gefeierten) Kurden befreien?

Der IS hatte sich längst aus Jarablus zurückgezogen. Die islamistischen Einheiten und türkischen Militärs mussten die Stadt nicht befreien, sie wurden auch nicht, wie die SDF in Manbij, von einer jubelnden Bevölkerung empfangen. Sie kamen in eine nahezu menschenleere Stadt.

Sie mussten auch keine Sprengfallen und Minen wegräumen. Normalerweise ziehen sich die IS-Kämpfer nicht kampflos zurück, nicht ohne die Gebäude mit Sprengfallen versehen zu haben. Der IS hatte sich schon Tage vorher teilweise in die Türkei zurückgezogen, bzw. sind seine Leute gleich zu den islamistischen Einheiten übergelaufen. Denn zwischen dem IS, al-Nusra und den anderen islamistischen Einheiten sind die Unterschiede nur kleine Nuancen.

Den Unterschied zwischen der Befreiung durch die SDF in Manbij und dem Einmarsch der türkischen Armee und ihrer Hilfstruppen in Dscharablus konnte man auch daran sehen, dass aus Dscharablus keine Bilder von Frauen bekannt sind, die ihre Vollverschleierung ablegen oder rauchen. Man sieht vor allem Männer. Viele von ihnen treten auf den Fotos wie Dschihadisten auf. Hier wird das islamisch-konservative bzw. islamistische Modell der Türkei umgesetzt. Also Rolle rückwärts zur Vollverschleierung? Eine Selbstverwaltung ist nicht erwünscht und wird bekämpft.

Nur Männer zeigten sich nach den Video der Sham Legion im "befreiten" Dscharablus auf den Straßen.

Kurz vor dem türkischen Einmarsch wurde der Kommandant des Dscharablus-Militärrates mutmaßlich vom türkischen Geheimdienst MIT umgebracht. Die verantwortlichen beiden MIT-Agenten sollen festgenommen worden sein.

Kurz nach der Übernahme soll es der Nachrichtenagentur "diclehaber" zufolge in Dscharablus zu Kämpfen zwischen konkurrierenden Islamistengruppen gekommen sein. 80 Kämpfer sollen angeblich ums Leben gekommen sein.

Die YPG, die kurdischen Selbstverteidigungseinheiten in den SDF, haben sich nun wohl auf Druck der USA aus der Region Manbij zurückgezogen. Aber die arabischen Einheiten der SDF sind weiter vor Ort. Der Manbij-Militärrat hat weitere Dörfer südlich von Manbij eingenommen.

Der geforderte Rückzug der YPG/YPJ von allen Kämpfen westlich des Euphrat ist besonders für den kleinen westlichen Kanton Afrin sehr problematisch. Afrin ist komplett durch den IS und andere Dschihadisten und die Türkei isoliert. Die dauernden Angriffe aus der Türkei verheißen nichts Gutes.