"Kampfschauplatz nicht verlassen!"

Terminator Salvation. Alle Bilder: GRIN

Das Spiel mit den Terminatoren

Wie jedes große Science-Fiction-Kinoevent der letzten Jahre, löste auch der jüngst gestartete „Terminator Salvation“ wieder eine Merchandising-Flut aus. Darin befindet sich auch ein Videospiel mit dem Titel des Films – das den Film aber offenbar nur bruchstückhaft kennt.

Terminatoren sind eigenartige Geschöpfe: Es gäbe sie nicht, wenn sie sich nicht selbst in die Vergangenheit geschickt hätten um dort die Idee ihrer eigenen Erfindung zu platzieren. Sie sind perfekte Killer, aber wenn man sie umprogrammiert, werden sie zu perfekten Babysittern. Einige von ihnen sehen aus wie menschliche Skelette, andere wie komplette Menschen, wieder andere wie metallene Taschenkrebse. Und das alles nur, um ihre Erbauer zu vernichten. Und doch scheitern sie bei jedem Versuch, denn es fehlt ihnen – das haben wir im vierten Film gelernt – Herz.

Vielleicht ist es diese Herzlosigkeit, die die Terminatoren zu perfekten Marketingobjekten macht. Wo sie auftauchen besiedeln sie nach dem Quantitätsprinzip alle Medien, reproduzieren sich im Realen und im Virtuellen, hinterlassen ihre Spuren in der gesamten Popkultur. Es gibt Literatur über sie, wissenschaftliche Abhandlungen, Musik, Flipper-Automaten, Slot-Machines – und natürlich auch Videospiele, denn wohin würde in kybernetisches Produkt besser passen als in einen Computer?

Vom Spielfilm zum Filmspiel

Den Anfang der Terminator-Videospielgeschichte hat 1991, also im Jahr des „Terminator 2 – Judgment Day“-Kinostarts, die Firma Bethesda Softworks mit einer Variante für DOS-Rechner gemacht, einem 3D-Spiel, bei dem man die Rolle des Terminators oder Kyle Reeses übernahm um Sarah Connor entweder zu jagen oder zu beschützen. Zur selben Zeit erschien aber auch schon eine Adaption des neuen Films für die damals eher auf das Spielen ausgelegten 8- und 16-Bit-Home-Computer-Systeme; ein 3rd-Person-Spiel in der Seitenansicht, bei dem man sich als der philanthrope T-800 durch verschiedene Level schießen musste. Allein bis Mitte der 1990er-Jahre waren mehr als zehn Videospiele für unterschiedliche Plattformen und mit unterschiedlichsten Spielverläufen zu den beiden Filmen erschienen.

Terminator Salvation

Als 2003 der lang ersehnte dritte Teil „Terminator: Rise of the Machines“ in die Kinos kam, ließ das Franchising nicht noch einmal jahrelang auf sich warten und zeitgleich zum Film wurde das Spiel Terminator 3: War of the Machines in die Läden gebracht. An Komplexität überbot es viele der Vorgänger und zeigte, dass man nun mehr Kosten und Mühen darauf verwandte, die Science-Fiction-Fabel interaktiv umzugestalten. Ein Prinzip, das bei der „Versoftung“ des vierten Films leider nicht mehr galt.

Keine Erlösung

Im Videospiel „Terminator Salvation“ (GRIN / Equality Games & Evolted Games), das in derselben Woche wie der Film erschienen ist, steuert man aus 3rd-Person-Perspektive den Anführer der Revolution gegen die Maschinen, John Connor, durch das postapokalyptische Los Angeles. Ziel des Spiels ist es, einige Versprengte zu bergen und vor der Ermordung durch die Maschinen zu retten. Dabei macht man Bekanntschaft mit einer handvoll Robotern, die einem nach dem Leben trachten. Dazu gehören neben den Endo-Skeletts T-800 ein krabbenähnlicher Vierbeiner, Roboter-Motorräder, fliegende Drohnen, einige wenige Jäger-Sucher-Flugmaschinen und eine riesige motorisierte Festung, die man als Spieler selbst fahren und gegen die Kontrahenten einsetzen kann.

Terminator Salvation

Die Ausgestaltung der postapokalyptischen Welt orientiert sich an bekannten Kriegsspiel-Szenarien: zerstörte Gebäude, Autowracks, Schutt. Am Himmel ziehen ab und zu Vögel vorbei – häufiger jedoch fliegende Roboter-Drohnen und Jäger-Sucher. Die Spielfiguren, die man nur in den Cut-Scenes aus der Nähe sieht, sind ansprechend gestaltet, die Bewegungen sowohl der Menschen als auch der Roboter halten sich an die Standard-Darstellungen. Das Videospiel „Terminator Salvation“ bleibt also optisch und auch akustisch (repetitve Acitionmusik verwoben mit Themen aus den Brad-Fiedel-Soundtracks) unauffällig.

Terminator Salvation

Das Spiel verfügt über einen Einzelspieler und einen Koop-Modus. Die neun Levels sind selbst für Anfänger in der leichtesten Stufe in Kurzzeit zu absolvieren. Auch die Steuerung und die Ausstattung der Figuren richtet sich nach den üblichen Standards: Zwei Waffen, für die man hin und wieder Munition sammeln muss, zwei Sorten von Granaten. Man kann das Spiel spielen, indem man selbst vorprescht und die empfindlichen Teile der Roboter beschießt oder man bleibt in Deckung und lässt die Gefolgsleute die Drecksarbeit machen. Der Spielverlauf ist absolut geradlinig, wird nur von unzähligen Cut-Scenes unterbrochen.

Eigentlich läuft man von Kampf zu Kampf – immer leicht daran erkennbar, dass der Weg mit deckungsgebenden Hindernissen voll gestellt ist. Versucht man einmal einen anderen Weg einzuschlagen – was heißt: zurück zu gehen, um etwa liegen gebliebene Munition einzusammeln – kann es passieren, dass man zu lesen bekommt: „Kampfschauplatz nicht verlassen!“

Verschenkte Chancen

Vergleicht man das Spiel mit seiner vermeintlichen Vorlage, dem Film, so müsste man eigentlich von verschenkten Chancen sprechen. Die Figur Marcus, deren Ambivalenz auch einem Spielplot gut zu Gesicht stünde (wie man in den „Resistance“-Spielen sehen konnte) taucht gar nicht auf, etliche der unangenehmsten Maschinen-Widersacher bekommt man ebenfalls nicht zu Gesicht. Zwar zeigt sich in einer Spielsequenz ein neues Terminator-Modell mit Gummihaut, doch das ist nur eine Episode, über die die Figuren kurz sprechen, sie dann aber – wie auch der Spieler – wieder vergessen. Wer beim Sehen der schlangenartigen Roboter, die sich im Film in Gewässern herumtreiben, gleich daran gedacht hat, wie unangenehm es wäre, denen in einem Videospiel zu begegnen, kann sich beim vorliegenden Spiel diesbezüglich auf einen „angenehmen“ Verlauf freuen.

Terminator Salvation

Das Videospiel Terminator Salvation wirkt wie von der Stange, wie eilends hinprogrammiert, damit bloß der Veröffentlichungstermin eingehalten werden kann. Vorlaufzeiten von mehreren Wochen oder Monaten – die es ermöglichen würden, Marktforschung zum Thema zu betreiben – sind heutzutage offensichtlich nicht mehr möglich, wenn man sich als Studio in die Franchise-Industrie von Hollywood einklinkt. Und ein Vorlauf von ganzen sieben Jahren, wie beim ersten Terminator-Spiel, ist schon gar nicht mehr denkbar. Die Kurzlebigkeit der Kino-Hypes diktiert die Verfallszeit ihres Merchandising gleich mit. Man kann es dem Videospiel „Terminator Salvation“ also fast kaum anlasten, dass es so „einfach“ ist, wie es ist: Die Entwickler kannten den Film und seine Wirkung nicht, als sie sich an die Tastaturen setzten. Sie konnten also nur ein unausgereiftes Modell entwerfen und es in eine ungewisse Zukunft schicken, in der Hoffnung, dass die Menschen ihm – anders als die Maschinen im Film – nicht widerstehen können. (Stefan Höltgen)

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