Kann EU-weites Wassersparen den Wassermangel in Spanien und Italien mindern?

Bild: Carl. Lizenz: CC BY 2.0

Die EU-Kommission wünscht einen EU-weiten sparsamen Umgang mit Trinkwasser - Ob dies für den gesamten EU-Binnenmarkt sinnvoll ist und auch für Länder gelten soll, die nicht unter Wassermangel leiden, ist durchaus umstritten

Die Verfügbarkeit von sauberem Trinkwasser ist innerhalb des EU-Binnenmarkts sehr ungleich verteilt. In den südlichen Ländern Spanien und Italien kommt es auch in diesem Sommer wieder zu signifikantem Wassermangel. Das hatte die Brüsseler EU-Kommission und ihre Generaldirektion Umwelt schon vor Jahren dazu veranlasst eine Ökodesign-Vorbereitungsstudie zu Optimierung von Wasserhähnen und Duschköpfen (Taps and Showers) als energieverbrauchsrelevante Produkte in Auftrag zu geben. Eine EU-Verordnung zu Wasserhähnen und Duschköpfen gibt es bis heute jedoch nicht. Offensichtlich war die Begeisterung für einen reduzierten Wasserverbrauch nicht in allen EU-Mitgliedsstaaten gleich hoch.

Zum Status der Studie war auch auf Nachfrage beim beauftragte EU-eigenen Joint Research Centre im spanischen Sevilla keine Antwort zu bekommen. Der letzte Eintrag auf der Dokumenten-Seite der Webseite des Projektes stammt vom April 2014. Erst Ende Juli 2017 kam wieder ein wenig Leben in das Projekt. Kurz bevor die Mitarbeiter sich in den jährlichen Sommerurlaub zurückgezogen haben, wurde noch schnell ein umfangreicher Fragebogen an die registrierten Stakeholder verschickt, den man sich bis zum 29. September ausgefüllt zurück wünscht. Auch wenn das Vorgehen, die Sommerpause für den Versand von Fragebögen zu nutzen bei EU-Studien durchaus eine gewisse Tradition hat, war es auch in der Vergangenheit wenig hilfreich, um gute Ergebnisse an Land zu ziehen.

Da sich bislang offensichtlich im Kreise der EU-Staaten keine Mehrheit für eine EU-Verordnung zur Energieeffizienz von Wasserhähnen und Duschköpfen finden lassen konnte, hat man im aktuellen EU-Ökodesign-Arbeitsplan für die Jahre 2016-2019 eine Untersuchung über die Möglichkeiten für die Entwicklung eines Energielabels für Produkte mit Wasser-Bezug vorgesehen. Zudem beabsichtigt man inzwischen ein "Voluntary Agreement" mit den wichtigsten Anbietern von Waschtisch- und Dusch-Armaturen im Binnenmarkt. Damit könnte man eine entsprechende Verordnung vermeiden.

Dass Trinkwasser in südlichen EU-Staaten im Sommer knapp wird, liegt neben reduzierten Niederschlägen zu einem nicht geringen Anteil an den maroden Trinkwassernetzen, die unter Verlusten von bis zu 40 Prozent leiden. Für eine Sanierung der Netze scheint jedoch kein Geld verfügbar zu sein - und so will man die Verbraucher zum Wassersparen anregen.

Unabhängig von den Wünschen der EU-Kommission haben die Deutschen schon vor Jahren begonnen, beim Wasser zu sparen. Seit 1990 ist der Wasserverbrauch um fast 20 Prozent zurückgegangen. Der kontinuierliche Rückgang bei der Trinkwassernachfrage wurde für zahlreiche kommunale Ver- und Entsorger inzwischen zu einer gewaltigen Herausforderung. Nur durch kontinuierliche Spülungen mit Frischwasser lassen sich technische und hygienische Probleme vermeiden, die durch den sparsamen Umgang der Wasser-Verbraucher hervorgerufen werden. Stinkende und von Ratten bevölkerte Kanalisationen sind nicht erstrebenswert.

Durch einen weiteren politisch herbeigeführten Nachfragerückgang würde letztlich noch weniger Wasser und Abwasser aus den Haushalten durch die Leitungen und Kanäle fließen. Der Aufwand - und somit die Kosten für die Netzinfrastruktur - würden weiter in die Höhe getrieben. Schon heute sind nur noch etwa 25 Prozent der Wasserkosten von der Wassermenge abhängig, die vom Versorger bezogen wird. Der verbleibende Rest von drei Vierteln besteht aus verbrauchsunabhängigen Infrastrukturkosten. Je mehr die Verbrauchsmengen zurückgehen, desto mehr Kosten fallen für Spülen und andere Unterhaltsmaßnahmen an. Für den Verbraucher könnte das Wassersparen letztlich sogar zu Erhöhungen beim Wasserpreis führen.

War das Engagement der europäischen Industrie bei Ökodesign-Studien in der Vergangenheit meist eher gering, hat man inzwischen die Vorteile einer Kooperation mit der EU-Kommission noch im Stadium der Vorbereitungsstudie erkannt und will diese im Interesse des eigenen Produktmarketings nutzen. Statt abzuwarten, was die Kommission künftig vorschreiben oder verbieten will, springen 57 Hersteller und Branchenverbände jetzt mit der Gründung des European Bathroom Forum auf den Zug der EU-Kommission.

Wer sich mit dem Wasserversorgungssystem innerhalb der EU beschäftigt, stellt fest, dass es weitgehend regional geprägt ist, auch wenn es einige überregionale Verbünde gibt. Diese finden sich zumeist dort, wo Wasserdargebot und Verbrauchsdichte stark voneinander abweichen. Für die gesamte EU wäre daher aufgrund der sich stark unterscheidenden Wasservorkommen und Rahmenbedingungen eine regional differenzierte Lösung sinnvoll. Und dort wo die Versorgungsnetze inzwischen besonders löchrig sind, sollten die Versorger zur Sanierung angehalten und möglicherweise auch unterstützt werden.

Während es wegen drohender Dürren und Wasserknappheit in den südlichen Regionen der EU derzeit nicht nur sinnvoll, sondern unbedingt notwendig ist, Wasser einzusparen, wäre das gleiche Vorgehen im wasserreichen Mittel- und Nordeuropa, wie geschildert, eher kontraproduktiv. Es könnte die bestehenden Ver- und Entsorgungsstrukturen massiv beeinträchtigen und würde weder ökologischen noch ökonomischen Nutzen bringen.

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