Kann am dänischen Wesen das Copyright genesen?

Der dänische Rundfunk macht seine Sendungen nach einer Zehnjahresfrist frei zugänglich

Danmarks Radio (DR) ist es durch einen Pauschalvertrag gelungen, mit einem Schlag sämtliche Urheberrechtsfragen seiner Produktionen zu lösen. Das öffentlich finanzierte Unternehmen, das sowohl Fernseh- als Hörfunkprogramme ausstrahlt, wird ab 2008 pro Jahr einen Betrag von 14 Millionen Kronen (umgerechnet etwa zwei Millionen Euro) auf 26 Urheberorganisationen verteilen. Damit hat die Sendeanstalt den gordischen Knoten durchschlagen und kann dänischen Bürger Zugang zu einer mehr als acht Jahrzehnte umfassenden Schatzkammer von Hörfunk- und TV-Produktionen gewähren.

Unter anderem werden jetzt Kindersendungen, Dramenklassiker und Dokumentationen für das Publikum digital zugänglich. So kann man spätestens nach zehn Jahren Schonzeit auch Mammutserien wie Matador oder Die Chronik und Qualitätskrimis wie Der Adler herunterladen. Neben den Downloadoptionen öffnet das Abkommen auch Möglichkeiten für neue Themenkanäle im digitalen Fernsehen und Hörfunk. Der erste neue Sender, den DR als Folge der Einigung einrichten wird, ist ein kombinierter Kinder- und Geschichtskanal. Und nicht nur das breite Publikum freut sich über die offene Tür, sondern auch Kulturwissenschaftler, die auf diese Weise vergangene Zeiten, Haltungen und Sprachbräuche besser erforschen können.

Die Verhandlungen mit den Rechteinhabern, die in der Organisation COPY-DAN organisiert sind, dauerten vier Monate. Die dänischen Rechteinhaber sahen ein, dass Verhandlungen über jede einzelne Produktion dazu geführt hätten, dass gar nichts digitalisiert worden wäre – und dass die Rechteinhaber folglich auch nichts bekommen hätten. Sie ließen deshalb das Gute über das Beste siegen und verzichteten auf die nur theoretisch nutzbaren Monopolrechte. Dafür erhielten sie und der dänische Rundfunk Lob von allen Seiten: Unter anderem bezeichneten Paul Gerhardt, der Archivdirektor der BBC und ein Sprecher der Electronic Frontier Foundation (EFF) den Vertrag als Pionierleistung. Martin Gormsen, Vizedirektor der Musikurheberorganisation KODA lobte die Vereinbarung als Beispiel für die gänzlich neuen Vertragsmodelle, die in der digitalen Welt notwendig seien, und die dänische Fachzeitung Computerworld, die kritisiert hatte dass sich die dänischen Lizenzzahler vor dem Abkommen mit einem „ungereimten schlechten Zugang an unvollständiges Material auf eine inkonsequente, beliebige und verbraucherfeindliche Art abfinden müssen“ sprach dem DR nach dem Vertrag ein "großes Dankeschön" aus. Auch der Direktor des dänischen Schauspielerverbands ist zufrieden:

"Der Vertrag zeigt, dass wir ein fantastisches System in Dänemark haben. Wir stellen den Kulturempfänger ins Zentrum, aber wir machen es gleichzeitig mit Respekt vor den Künstlern, die die Kunst geschaffen haben. Kollektive Verwaltung von Urheberrechten erweist mit diesem Vertrag ihre Stärke."

Ein Problem bei der Verwertung der Archivschätze ist, dass die Übertragung der mehr als 30 Kilometer von Archivregale in digitale Formate Hunderttausenden von Kronen kosten würde. Computerworld forderte deshalb, dass das Kulturministerium mit öffentlichen Geldern einspringt. Inzwischen lud der Dänische Rundfunk sein Publikum ein, bei der Errichtung einer Wunschliste mitzuwirken. Die ersten Produktionen sollen bereits ab Januar nächsten Jahres digital verfügbar sein.

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