Kapitän Blauzahn greift an

Axel, mobil geworden, bringt mich mit seiner Datenabgleicherei zur Verzweiflung

Man kann nicht gerade behaupten, dass Axel wirklich viele Daten hätte, denn seit er diverse Mobile Devices besitzt, müssen die armen kleinen Dinger sich aus Mangel ständig selbst updaten.

Neulich kam ich versöhnlich mit einer Ladung Eistee zu meinem alten Freund Axel, um ihn in die Weihen von Realtime-Balkon-Herumlungering einzuführen ("Mann, Alter, geile Plattform, 16,7 Millionen Farben, alles in Echtzeit mit Multikanal-Stereosound."). Sommer, also würde ich ihn schon irgendwie von seinem PC wegbringen.

War auch gar nicht so schwer, wie ich dachte. Allerdings auch irgendwie anders. Axel ist nämlich mobil geworden. Zumindest mit seinem Equipment. Ich hätte mir denken können, dass er sich die Ringe unter den Augen nicht aus purer Lebensfreude mit dem Kajalstift zieht, aber mir war nicht sofort klar, dass sein japsendes "Bluetooth" weder der Aufschrei durch permanentes Zahnweh noch die Anzeige betrunkener Körperteile bedeutet.

"Bluetooth", röchelte er, "Bluetooth ist so toll." Aha, Euphorie äußert sich normalerweise nicht in fehlender Körperhygiene und Bissflecken am Laserdrucker, aber ich hatte beschlossen, erst einmal zuzuhören.

"Mit Bluetooth verstehen sich alle meine Devices ohne Kabel und ohne langes Rumwursteln." Dieser Gedanke schien mir nicht unbekannt. Allerdings hatte ich bisher nur selten darüber nachgedacht, ob auf meinem Schreibtisch Krieg herrschen könnte und das Modem heimlich meine Maus tritt.

"Dieser kleine Pocket Computer und mein Handy connecten zum Beispiel ohne mein Zutun und rufen zusammen meine Emails ab." Ohne sein Zutun? Dafür würde ich mein Modem treten. Aber gut. Wir nahmen den Weg auf den Balkon und Axel zeigte mir stolz seine ganze kleine blaue Rasselbande. Der Pocket PC, das Handy, die Fernsprechanlage, der Handscanner, der MP3-Player, die Digitalkamera... das Sammelsurium nahm locker den Tisch ein und zwang uns, den Eistee in der Küche zu lassen.

Was das Ding mit dem Kabel sei? "Das ist der Akkulader." Ich verstand nicht ganz. "Weil sich diese ganzen Dinger immer gegenseitig abgleichen, brauchen die soviel Strom und müssen ständig nachgeladen werden." Aber Axel habe da ein System, das man am besten mit Zwei-links-zwei-rechts-einen-Nachladen beschreibt.

Und was er denn da so abgleiche? Axel war sichtlich beleidigt. Na, alle Adressen und die Mails, und die Bilder, die er automatisch gleich mit MP3-O-Tönen versehen könne. Neulich zum Beispiel habe er eine Email erhalten, die sei dann automatisch auf dem Pocket PC gelandet, habe sich dann allerdings leider mit der Kamera abgeglichen und sich als VoiceMail zurück in das Handy übertragen. So ganz sicher sei er sich auch nicht, aber auf jeden Fall sei sein Chef plötzlich auf dem MP3-Player direkt nach dem Metallica-Track draufgewesen. Und der Printer habe eine Gitarre ausgedruckt und versucht, die Toner-Cartouche des Scanners nachzuladen.

Ohne Worte. Endlich funktioniert das Perpetuum mobile, leider ohne Bremse.

Ich konnte das ja nicht so sehr glauben, schließlich würden die Geräte doch erkennen, was sie laden könnten. Axel scharrte verlegen am noch nicht abgleichbaren Balkonboden herum, murmelte etwas von "Virus" und begann damit, die Telefonnummern aus dem Modem zu löschen. Ich hätte darüber nicht lachen sollen, denn Axel riss es dadurch sichtlich genervt nach oben, er schwang sich einen umgebauten Patronengurt um die Schulter und brachte damit 12 seiner wichtigsten mobilen Abgleicher unter.

"Das verstehst Du nicht. Bluetooth ist die Zukunft. Und ich kann in Zukunft auch auf dem Baggersee arbeiten." Sprach es, drehte sich um, stolperte über das Akkukabel und konnte gerade noch sein Handy jenseits der Balkonbrüstung abgreifen, bevor sich der mobile Drucker mit einem lauten Knall drei Stockwerke weiter unten in den Hof bohrte. Dicht gefolgt von einem Psion und einem mobilen Toaster. Axel schien auch am Boden zerstört.

"Das überlebe ich nicht." Ja, ich weiß auch nicht, wie Axel jetzt mitten auf dem Baggersee Weisbrot für seinen Toaster runterladen soll... (Harald Taglinger)

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