Katalysator der Globalisierung

Containerschiff CSCL Globe. Foto Keith. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Vor 50 Jahren erreichte das erste Containerschiff Europa

Bei manchen Erfindungen merkt man sofort, dass sie die Welt verändern: Zum Beispiel bei der Atombombe. Andere wirken anfangs unscheinbar, so dass nur wenige Menschen das Potenzial erkennen, das in ihnen steckt. Oft waren sie nur verhältnismäßig kleine Verbesserungen bestehender Erfindungen, wie zum Beispiel der iKlwa-Speer mit längerer Klinge und kurzem Schaft und die größeren Schilde, mit denen Shaka Zulu Anfang des 19. Jahrhunderts Kriege (die vorher Turnieren ähnelten) zu Schlachten mit vielen Toten machte und das südliche Afrika so umkrempelte wie Attila der Hunne Europa.

Ein jüngeres Beispiel für solche kleinen Verbesserungen mit großer Wirkung ist der genormte Schiffscontainer, der im Mai 1966 auf der MS Fairland der US-Reederei Sea-Land erstmals die europäischen Häfen Rotterdam, Bremen und Grangemouth erreichte. Streng genommen ist er nur eine Weiterentwicklung der Kisten, die Seefahrer (neben Fässern und Amphoren) schon in der Antike zum Transport von Handelsgütern nutzten.

Das Design solcher Kisten blieb Jahrtausende lang weitgehend ohne bahnbrechende Verbesserungen - bis der Amerikaner Malcom McLean auf die Idee kam, dass man Zeit und Kosten sparen könnte, wenn man kleine Kisten in größere genormte packt, die mit Kränen schnell von einem Transportmittel auf ein anderes geladen werden können. Diese sehr nahe liegende Idee hatten vor ihm freilich schon andere gehabt: In England und anderen Ländern versuchte man bereits seit dem 19. Jahrhundert, das Umladen von Zügen auf Pferdefuhrwerke auf diese Weise zu beschleunigen. Allerdings setzte sich keiner der dafür entwickelten Standards international durch.

Das dürfte einer der Gründe dafür gewesen soll, dass viele Reeder und Kaufleute auch McLeans System keine größere Bedeutung zuschrieben. Ein anderer war, dass es in Bremen noch keine angepassten Einrichtungen zum Abladen gab, weshalb einer der großen und schweren Container einen deutschen LKW schwer beschädigte.

Die richtige Idee zur richtigen Zeit

Auch Hafenarbeiter kümmerten sich erst wenig um die Neuerung - und als sie begriffen, wie sehr sie den Arbeitsbedarf verringerte, konnten sie den Fortschritt auch durch Streiks nicht aufhalten. Im Unterschied zu den Standards, die sich im 19. und frühen 20. Jahrhundert nicht durchsetzten, kam McLean - ähnlich wie später Mark Zuckerberg mit Facebook - genau zur richtigen Zeit, nachdem er in den USA schon seit etwa einem Jahrzehnt mit Containern experimentiert hatte.

Die Entwicklung Asiens sorgte in den 1960er Jahren und den Jahrzehnten danach dafür, dass zunehmend nicht mehr nur Rohstoffe wie Kohle, Öl, Erze oder Kaffee über die Ozeane transportiert wurden, sondern aufwendig gefertigte Konsumgüter. Sie wurden in so großen Mengen im- und exportiert, dass selbst verhältnismäßig kleine Einsparungen beim Transport große Unterschiede im Profit ausmachen konnten. Und die Container mussten nicht aufwendig in den Bäuchen der Schiffe verstaut werden, sondern wurden an Deck befestigt, was sich hinsichtlich der Transportkosten als ähnlich großer Vorzug erwies wie das schnelle Umladen in Häfen.

1980 - also 14 Jahre, nachdem die ersten 110 Container Europa erreichten - transportierte man bereits 13,5 Millionen 20-Fuß-Container (TEUs) hin und her. 2014 waren es dann 171 Millionen. Damit wurden 1,63 Milliarden Tonnen Waren transportiert. Große Schiffe der Olympic-Serie können heute bis zu 19.224 Container laden, bald sollen es 21.000 werden. Die Globalisierung geht also weiter. (Peter Mühlbauer)