Katar als Schurkenstaat isoliert

Doha, die Hauptstadt von Katar. Bild: JanManu. Lizenz: CC BY-SA 4.0

Drei andere Golfmonarchien und Ägypten werfen dem Emirat Terrorunterstützung vor und brechen die diplomatischen Verbindungen ab

Heute Morgen meldete der in Dubai ansässige und zum saudischen MBC-Konzern gehörige Sender al-Arabija, dass Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain die diplomatischen Beziehungen zum Emirat Katar abbrechen und dass alle Bürger Katars die drei Länder binnen 14 Tagen verlassen müssen. Diplomaten haben dazu nur 48 Stunden Zeit. Für Einreisen werden die Grenzen bereits jetzt dicht gemacht. Ägypten und die sunnitische Gegenregierung im Jemen schlossen sich dem Schritt später an. Aus der von Saudi-Arabien angeführten Sunnitenkoalition, die im Jemen gegen die schiitische Huthi-Regierung kämpft, wurde das pro Einwohner gerechnet reichste Land der Erde ebenfalls ausgesperrt.

Neben der einzigen Landgrenze zu Saudi-Arabien, die die Halbinsel über dem weltgrößten Gasfeld hat, sollen auch See- und Flughäfen für Schiffe und Flugzeuge aus Katar geschlossen werden. Die in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässige Fluglinie Etihad Airways will Katar ab morgen nicht mehr anfliegen, aber Kunden Alternativen anbieten. Qatar Airways strich alle Flüge nach Saudi-Arabien. Ob die Linie weiter saudisches Territorium überfliegen darf, ist bislang ebenso unklar wie mögliche Auswirkungen auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2022, die in Katar stattfinden soll.

So überraschend, wie Mainstreammedien ihn heute darstellten, kam der Schritt für informiertere Beobachter nicht (vgl. Streit zwischen Saudi-Arabien und Katar und Zerwürfnis zwischen Saudi-Arabien und Katar). Bereits am 1. Juni zitierten die saudi-arabischen Arab News den ehemaligen amerikanischen Verteidigungsminister Robert Gates und den US-Diplomaten Dennis Ross mit Warnungen, der Großanteilseigner an den Konzernen Volkswagen und Deutsche Bank müsse mit Sanktionen rechnen, wenn Katar seinen Kurs gegenüber Extremisten nicht ändere.

Dabei geht es nicht nur um die Moslembrüder und die Hamas, deren Führer Chaled Maschaal das Emirat 2012 Unterschlupf gewährte, sondern auch um die schiitische Hisbollah und den Iran, dessen Präsidenten Rohani der katarische Sheikh Tamim bin Hamad al-Thani zur Wiederwahl gratulierte. Saudische Medien bemängeln außerdem eine zu positive Darstellung von Terroristen im katarischen Sender al-Dschasira. Den in den letzten beiden Tagen in Sozialen Netzwerken verbreiteten Vorwurf, dass sich seine Zuschauer über das London-Bridge-Massaker mit entsprechenden Emojis gefreut hätten, wies der Sender allerdings als Kontextmissverständnis zurück. Die Staatsführung von Katar bestritt ebenfalls alle Vorwürfe aus Saudi-Arabien und den anderen vier Ländern, die es isolierten.

Anhaltspunkte dafür, dass Katar Terroristen finanziert und anderweitig unterstützt, kursieren in Medien schon lange, wurden von offizieller Seite aber immer bestritten. Auch auf die guten Beziehungen des Landes zur USA und zur EU hatten sie bislang keine negativen Auswirkungen. Die jetzt erfolge diplomatische Isolation ist jedoch ein Anzeichen dafür, dass Katar seine Politik unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump möglicherweise nicht mehr ganz so nach eigenem Gusto gestalten kann wie unter Barack Obama und seiner Außenministerin Hillary Clinton - auch wenn Trumps Außenminister Rex Tillerson Katar, Saudi-Arabien und die anderen Beteiligten an der diplomatischen Isolation dazu aufrief, "die Differenzen anzusprechen" und sich zu einigen. Eine Vermittlerrolle könnten hier möglicherweise die Länder Kuwait und Oman spielen, die zum Golf-Kooperationsrat gehören, sich aber nicht an der Blockade beteiligen.

Dass Saudi-Arabien Katar (mit gewisser Wahrscheinlichkeit zurecht) die Unterstützung von Terroristen vorwirft, bedeutet nicht, dass das Flächenland nicht selbst Terroristen fördert. Der britische Independent vermutet, dass die Wahhabitenmonarchie auch eine zentrale Rolle im britischen Terrorfinanzierungsbericht spielen könnte, der erst nach der dortigen Parlamentswahl am Donnerstag veröffentlicht werden soll. (Peter Mühlbauer)

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