Katar verlässt Ölkartell OPEC

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Während der Energieminister Saad al-Kaabi die Entscheidung mit einer Konzentration auf die Gasförderung begründet, vermuten Beobachter als Hintergrund den Konflikt mit den Saudis

Heute gab Saad al-Kaabi, der Energieminister von Katar, bekannt, dass sein Land nach 57 Jahren Mitgliedschaft die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) im Januar 2019 verlassen wird. Über diesen Schritt habe er die OPEC informiert, kurz bevor er ihn öffentlich machte.

Als Grund für den Ausstieg nannte al-Kaabi eine Konzentration Katars auf die Förderung und Verarbeitung von Erdgas. Katar, das auf dem weltweit größten Gasfeld sitzt, will die Produktion von Flüssigerdgas in den nächsten fünf Jahren von jährlich 77 Millionen auf 110 Millionen Tonnen steigern. Mit fast einem Drittel der Gesamtmenge ist das Land schon jetzt der weltweit wichtigste Produzent dieses Energieträgers. Bei der Ölproduktion spielt Katar dagegen mit etwa 600.000 Barrel täglich eine vergleichsweise untergeordnete Rolle: Saudi-Arabien fördert im selben Zeitraum fast zwanzig Mal so viel.

Die im letzten Jahr begonnene Blockade Katars durch den faktischen OPEC-Anführer Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate (vgl. Konflikt am Golf: Saudi-Arabien will Katar mit einem Kanal zur Insel machen) spielte al-Kaabi zufolge angeblich keine Rolle bei der Entscheidung, aus dem Ölkartell auszusteigen. Der vom britischen Guardian befragte ThinkMarkets-Analyst Naeem Aslam ist da anderer Meinung: Seinen Worten nach haben die Kataris mit dem Ausstieg in diesem Konflikt "im Grunde ihre größte Waffe gezogen" und die Saudis unter Druck gesetzt, weil nun auch andere OPEC-Mitglieder darüber nachdenken könnten, die Ölförderung nur den eigenen Bedürfnissen nach zu gestalten und den Ölpreis auf diese Weise wieder zu drücken.

Dass er heute erst einmal um etwa fünf Prozent auf gut 62 Dollar pro Barrel stieg, führen Beobachter auf die Einigung zwischen Saudi-Arabien und dem nicht der OPEC angehörigen wichtigen Ölproduzenten Russland beim G20-Gipfel in Buenos Aires, auf eine Produktionsdrosselungsankündigung der kanadischen Ölprovinz Alberta und auf nachfragesteigerungsversprechende Entspannungssignale im amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt zurück. In den beiden Monaten davor war er von 85 auf unter 60 Dollar pro Barrel gesunken.

An einem für diese Woche in Wien angesetzten OPEC-Treffen will Katar nach eigenen Angaben noch teilnehmen. Für dieses Treffen werden Meinungsverschiedenheiten zwischen Saudi-Arabien und einigen anderen Mitgliedsländern erwartet, die sich bei den Förderquoten übervorteilt fühlen. Außer Saudi-Arabien, Katar und den vereinigten Arabischen Emiraten gehören dem Kartell noch Algerien, Angola, Ecuador, Äquatorialguinea, Gabun, der Iran, der Irak, Kuwait, Libyen, Nigeria, der ehemals französische Kongo und Venezuela an.

An der Produktion gemessen ist das sunnitische Saudi-Arabien mit etwa 11 Millionen Barrel mit Abstand das wichtigste Mitgliedsland. Danach folgen der schiitische Irak mit etwa viereinhalb, der schiitische Iran mit etwa vier, die sunnitischen Golfstaaten Kuwait und Vereinigte Arabische Emirate mit jeweils etwa drei, Venezuela mit etwa 2,2, Nigeria mit etwa zwei und Angola mit etwa 1,7 Millionen Barrel täglich. Die größten Erdölreserven vermutet man dagegen mit knapp 300 Milliarden Barrel in Venezuela. Saudi-Arabien liegt hier mit knapp 270 Milliarden nur auf Platz 2 vor dem Iran mit knapp 160, dem Irak mit gut 140 und Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten mit jeweils etwa 100 Milliarden Barrel.

Von ihrer Gründung 1960 bis 1973 führte die OPEC ein relativ unauffälliges Dasein. Das änderte sich, als die arabischen Mitgliedsländer nach dem Jom-Kippur-Krieg Angebots- und Preisabsprachen als Waffe gegen Israel und seine westlichen Verbündeten entdeckten. Nach der darauf folgenden ersten Ölkrise erhöhte das Kartell die Ölpreise bis zur zweiten Ölkrise nach der islamistischen Machtergreifung im Iran jährlich um zehn bis 20 Prozent, danach noch stärker. Erst der Niedergang der amerikanischen und europäischen Industrie in den frühen 1980er Jahren sorgte dafür, dass sich diese Entwicklung zeitweise wieder umkehrte.

In den Nuller Jahren trug vor allem die rasante Entwicklung Chinas und anderer asiatischer Länder zu vorher ungekannten Ölpreissteigerungen bei, die kurz vor dem Beginn der Finanzkrise 2008 mit über 140 Dollar pro Barrel einen vorläufigen Höhepunkt erreichten. Nach einem relativ kurzen Absacken auf unter 40 Dollar überschritt der Ölpreis bereits 2011 wieder die Schwelle von 120 Dollar. In den drei Jahren danach bewegte er sich im Bereich zwischen knapp 100 und gut 120 Dollar, bis er wieder deutlich fiel. (Peter Mühlbauer)

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