Katjas plötzlicher Ruhm

Deutsche Bloggerszene gewinnt Titelgirl-Wettbewerb

And the winner is: Katja, eine 21-jährige Auszubildende. Und wenn nicht noch ein Wunder geschieht, dann hat diese junge Frau den Titelgirl-Wettbewerb der Fernsehzeitschrift rtv gewonnen. Was uns eigentlich überhaupt nicht interessieren würde, wenn Katja den allüberall propagierten Schönheitsidealen nicht so vehement widersprechen würde. Dennoch drohen ihr nun als Gewinn ein Foto-Shooting und – oh Graus – eine kleine Sprechrolle in der TV-Seifenoper „Julia - Wege zum Glück“.

Montage eines Katja-Fans

Dass Katja nun selbst einen Weg zum erhofften Glück, das hoffentlich nicht für sie zum Albtraum wird, gefunden hat, verdankt sie ausschließlich der Bloggerszene. Seit Tagen wird dort nämlich aufgerufen, die junge Frau zu wählen. Dazu heißt es unter anderem im Hamari-Blog:

Die Gründe Katja zu wählen sind vielfältig:
Da kann man z.B. als gehässiger Zyniker einfach mal den Frauen, die man wohl nie bekommen wird, tüchtig eine reinwürgen. Die engagierte Feministin sollte mit Freude versuchen die Degradierung der Frau zum Sexobjekt zu sabotieren. Die Kandidatinnen jenseits der 200er Plätze könnten ihren Misserfolg relativieren, indem sie den ganzen Wettbewerb ins Lächerliche ziehen. Der Harry Potter Fan könnte eine Seelenverwandte unterstützen. Seltsame Leute könnten Katja einfach nur schön finden. Man könnte auch mit der Verantwortung der Presse argumentieren, die doch nach Möglichkeit ein realitätsnahes Bild der Wirklichkeit zeichnen sollte (und die besteht nicht nur aus Top-Models). Der Lustmolch könnte die erfolglosen Katja-Kontrahentinnen im Anschluss trösten wollen.

An dieser Aktion beteiligten sich mittlerweile so viele Weblogs, dass die junge Frau kurz vor Ende der Abstimmung also tatsächlich vorn liegt. Und der derzeitige Hype um sie scheint offenbar keine Grenzen mehr zu kennen. Aus der ganzen Welt erhält sie E-Mails, sie hat inzwischen sogar eine eigene Fan-Seite und einer ihrer Unterstützer hat ein Musikvideo online gestellt.

Dabei hat sie sich, wie sie einem Interview verraten hat, eigentlich nur aus Langeweile beworben. Und „um zu sehen, wie weit ich kommen würde." Mittlerweile gibt es in der Bloggerszene aber auch kritische Stimmen, die befürchten, dass die junge Frau an ihrem plötzlichen Ruhm psychisch zerbrechen könnte. Oder die sich fragen, ob die Aktion nicht womöglich bewusst (von wem auch immer?) inszeniert worden ist:

Ich schwanke zwischen Guerilla-Marketing oder einen pfiffigen Katja-Typ, der sich nach vorne pusht, um alle zu verhunzeln. Angeblich soll aber Katja echt sein. Bleibt also nur noch Guerilla-Marketing für rtv bzw. ein Wunder, dass Katja sowohl echt ist als auch nicht von einer rtv-Agentur gepusht wurde.

Dennoch scheint eines sicher: The winner is Katja. Bloß was sie wirklich gewonnen hat, das weiß jetzt noch keiner. (Ernst Corinth)