Katzen-Big-Brother beschert isländischem Sender Zuschauerrekorde

Keeping Up With the Kattarshians. Screenshot: TP

Bei den Kattarshians können Zuschauer die Darstellertiere adoptieren

Keeping Up With the Kardashians ist eine seit inzwischen zehn Jahren laufende Promi-Reality-TV Show mit dem zeitweise in nervenärztlicher Behandlung befindlichen Rapper Kanye West, seiner für ihr Hinterteil bekannten Ehefrau Kim Kardashian und dem transsexuellen Zehnkampf-Goldmedalliengewinner Caitlyn Jenner. Keeping Up With the Kattarshians ist dagegen eine neue isländische Reality-TV-Serie mit deutlich sympathischeren Darstellern: Katzen aus dem Tierheim Kattholt in Reykjavik.

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Die Serie wird von Inga Lind Karlsdóttir produziert und ist ein Projekt der isländischen Gesellschaft zum Schutz von Katzen, die das Tierheim betreibt. Um sich nicht dem Vorwurf der Tierquälerei auszusetzen, stimmte sie das Vorhaben vor Produktionsbeginn mit dem isländischen Veterinäramt und der Tierschutzbehörde ab. Die hatten keine Einwände, dass die Katzen 24 Stunden am Tag mit drei Kameras gefilmt werden, wenn es ihnen hilft, Besitzer zu finden, die sie aus dem Tierheim holen und sich um sie kümmern. Hat eine Katze einen Besitzer gefunden, folgt ihr eine neue. Bei der Originalbesetzung namens Guðni, Ronja, Briet und Stubbur ist das längst geschehen.

Damit sich potenzielle Interessenten einen Eindruck von ihrem Charakter machen können, leben die Katzen nicht etwa in Käfigen mit wenig Bewegungsfreiheit, sondern in einer Art größerem und sehr buntem Puppenhaus, in dem ihnen außer bequemen Kugelsesseln und Betten auch zahlreiche Spielzeuge zur Verfügung stehen, mit denen sie sich beschäftigen können. Und natürlich spielen sie auch miteinander - aber nicht immer ganz friedlich.

Das, was dabei herauskommt, ähnelt oberflächlich besehen Reality-TV-Shows wie Big Brother, nervt aber auf Dauer deutlich weniger, da die dämlichen Dialoge fehlen. Mit russischen Eichhörnchen oder dem Pandavideo, das Lisa Goldman diese Woche verbreitete, kann die Sendung allerdings nicht mithalten.

Karlsdóttir musste sich nach eigenen Angaben über ein Jahr lang von allem möglichen Leuten anhören, was für eine Schnapsidee die Show sei. Nun hat sie dem Sender isländischen Nutiminn neue Zuschauerrekorde beschert. Damit, dass sich so viele Leute dafür interessieren würden wie jetzt, rechnete sie allerdings selbst nicht. Ihr Erklärungsversuch dafür ist, dass viele Menschen die negative Ereignisse, die derzeit die Nachrichten, satt haben und sich lieber etwas anderes ansehen.

Für die Weltnachrichten mag diese Erklärung greifen - für die lokalen Nachrichten aus Island eher weniger: Dort dementierte Staatspräsident Guðni Jóhannesson gerade gemeldet, dass die Pizza Hawaii verboten wird. Dazu, so Jóhannesson, habe er nicht die Befugnis - und er sei froh, dass Präsidenten in Island nicht über so viel Macht verfügen, auch wenn er privat Pizza mit Meeresfrüchten empfehle.

Anlass für das Dementi war ein Besuch Jóhannessons in einer Schule im nordisländischen Akureyri, bei dem der im letzten Jahr gewählte parteilose Volksabstimmungsfreund einem der Schüler offenbarte, er verabscheue Ananaspizza so sehr, dass er das Rezept dafür verbieten würde, wenn er könnte. In Sozialen Medien hatten einige Menschen diese Äußerung für bare Münze genommen.

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(Peter Mühlbauer)

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