Kehrt Hiroshima zurück?

Trinity-Test, der erste Atomwaffentest am 16. Juli 1945. Bild: Berlyn Brixner / Los Alamos National Laboratory/gemeinfrei

US-Präsident Trump sagt, er wolle mit kleineren Atomwaffen einen Atomkrieg verhindern. Seine neuen, "modernen" Atomwaffen sollen eine ähnliche Sprengkraft haben wie die 1945 in Hiroshima und Nagasaki eingesetzten US-Atombomben

Diese US-Atombomben haben bis heute etwa einer halben Million Menschen das Leben gekostet. Noch in unserer Zeit sterben jedes Jahr bis zu 3.000 Menschen in Südjapan an den Folgen von 1945. Wird ein Atomkrieg tatsächlich unwahrscheinlicher, wenn Hiroshima zurückkehrt? Ist es nicht eher umgekehrt?

Nach der neuen Atomwaffenstrategie der USA sollen eine "kleine Zahl" von Atomsprengköpfen so umgerüstet werden, dass sie "in der Lage sind, in die gegnerische Abwehr einzudringen".

Außerdem sollen schon existierende Marschflugkörper (Cruise Missiles) mit konventionellen Sprengköpfen künftig auch atomare Sprengköpfe befördern können. Die Integration von konventionellen und atomaren Sprengköpfen soll verstärkt werden.

Da Russland diese Nachrüstung bereits getätigt habe, reiche das bisherige strategische Atomwaffenarsenal der USA nicht mehr aus, so die US-Regierung. Atomar "nachgerüstet" sollen auch die im rheinlandpfälzischen Büchel gelagerten "Cruise Missiles" werden, um so "zielgenauer, zerstörerischer und flexibler" eingesetzt werden zu können. Geplanter Massenmord!

Die USA haben mit dieser Strategie der ewigen Nachrüsterei angekündigt, Atomwaffen aus den Bunkern auf das Schlachtfeld zu holen. Wenn Marschflugkörper auch mit Atomwaffen bestückt werden können, woher soll dann ein potentieller Gegner erkennen, dass Raketen anfliegen, die "nur" konventionell bestückt sind?

Wie um Himmels willen, Herr Trump, soll denn mit dieser Strategie ein Atomkrieg unwahrscheinlicher werden?

Fakt ist: Der US-Militärhaushalt ist etwa achtmal größer als der russische - wer bedroht hier wen?

Das ist ein Spiel mit dem atomaren Höllenfeuer - ein Atomkrieg wird eher wahrscheinlicher. Wo aber bleibt bisher der weltweite Aufschrei gegen diesen erneuten Wahnsinn des atomaren Wettrüstens? Mit Präsident Trump kehren der Kalte Krieg und die Gefahr eines Atomkriegs zurück.

Wir brauchen jetzt weltweit eine Renaissance der Friedensbewegung und eine Debatte über die neuen Kriegsvorbereitungen. Nicht neue und "kleinere" Atombomben sichern den Frieden, sondern allein ernsthafte Abrüstung - so wie es Michail Gorbatschow und Präsident Reagan vor über 30 Jahren in Reykjavik beschlossen und danach umgesetzt haben. Immerhin wurden 80% der damaligen Atomwaffen vernichtet und nicht "modernisiert". Es geht also, wenn es politisch gewollt ist.

Der uralte römische Grundsatz "Wenn du Frieden willst, musst du den Krieg vorbereiten" ist spätestens im Atomzeitalter obsolet. Die Alternative kann nur so heißen: "Wer Frieden will, muss den Frieden vorbereiten", also abrüsten. Oder soll Hiroshima überall werden?

Die geplante "Modernisierung" des Atomwaffenarsenals ist illegal, unmoralisch, gefährlich und widerspricht dem Geist des Friedens. Wir lieben das Leben und nicht die Vernichtung.

Atomare Nachrüstung ist - vom wem auch immer - eine Geisteskrankheit. Die Militarisierung der Außenpolitik führt in die Atomfalle und damit zur möglichen Vernichtung allen Lebens auf unserem Planeten. Das ist die wirkliche Lehre von Hiroshima und Nagasaki.

Ein Atomkrieg wäre der letzte Krieg in der Menschheitsgeschichte, weil es danach niemand mehr gäbe, der noch einen Krieg führen könnte.

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(Franz Alt)

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