Kein Eldorado mehr …?

Goldmine in Skouris. Bild: Antigoldgreece

Die Kanadier stellen ihre umstrittene Investition in Griechenland ein

Einen Tag nachdem der griechische Premierminister Alexis Tsipras zur Eröffnung der Internationalen Messe von Thessaloniki Griechenland als ein für Investoren freundliches Land feierte, ließ die kanadische ElDorado Gold mit einer Pressekonferenz im Athener Hilton Hotel eine Bombe platzen. Die Firma stellt zum 22. September die Investitionen in Griechenland, sprich die aktiven Tätigkeiten ihres Tochterunternehmens Hellas Gold, ein, ließ das Unternehmen über den CEO von ElDorado, George Burns, die griechische Öffentlichkeit wissen. Als Grund werden schleppende Genehmigungsverfahren und politische Widerstände gegen die Investition genannt.

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Die meisten Oppositionsparteien werten die Entscheidung als Alarmsignal für ausländische Investoren und schieben der Regierung die Verantwortung zu. Auf dem Spiel stünden unmittelbar 2400 Arbeitsplätze beim Minenbetreiber, beziehungsweise den von diesem beauftragten Subunternehmen, sowie mittelbar weitere 2500 Stellen - behaupten ElDoraro und Regierungskritiker. Bei ElDorado sind laut Firmenangaben 1100 Personen als Angestellte beschäftigt. Auf der anderen Seite findet der Goldabbau in touristisch und landwirtschaftlich genutzten Gebieten statt, womit außer der Umwelt auch die in den entsprechenden Branchen arbeitenden Menschen betroffen sind.

Chalkidiki. Bild: Nasa

Auf der Halbinsel Chalkidiki, die ein Zentrum der Imkerei für Griechenland ist, wurden rund um den Ort Skouries komplette Wälder abgeholzt, damit der Minenbetreiber Zugang zu den Bodenschätzen erhielt. In weiteren, ebenfalls von der Firma genutzten Gebieten sieht es ähnlich aus. ElDorado investierte nach eigenen Angaben rund eine Milliarde Euro auf Chalkidiki und in Thrazien, um neue Stollen und chemische Verarbeitungsanlagen zu bauen. Die seit der Antike bekannten und genutzten Goldgebiete können nur noch mit dem Einsatz von Schwermetallverbindungen zur Goldausfällung genutzt werden.

Für knapp zwei Milliarden Euro hatte Eldorado 2012 die griechische Minengesellschaft Kassandra erworben, nachdem die Vorgängerunternehmen dem Staat Schwermetallabfall und Insolvenzen beschert hatten. Mit der Investition in Griechenland durch ElDorado, sollten die griechischen Minen den größten Goldproduzenten Europas darstellen, so hieß es seitens der vorherigen griechischen Regierungen und in den Ankündigungen der Firma.

Der seit Frühjahr 2017 amtierende CEO Burns griff während seiner Pressekonferenz in Athen die Regierung direkt an. Er könne angesichts der Athener Administration das Kapital seiner Aktionäre nicht riskieren, meinte er und kündigte an, dass nach einem Regierungswechsel neue Gespräche möglich seien. Wörtlich sagte er: "Wir stehen gegenüber unseren Aktionären in Verantwortung, unser Kapital in renditestarke Projekte zu investieren und in Ländern, deren Regierungen unsere Investitionen unterstützen und mit uns zusammenarbeiten."

Der Goldabbau war, auch wegen der Erfahrungen mit früheren Investoren, von Anfang an umstritten. Die Anwohner sind geteilt in Befürworter, die in der Regel zu den Familien der Beschäftigten gehören, und den Gegnern, die entweder in der Agrar- oder Tourismuswirtschaft tätig sind oder aber das Investment aus politischen Gründen ablehnen. Der amtierende Premierminister Alexis Tsipras hatte sich als Oppositionsführer demonstrativ auf Seiten der Gegner gestellt. Mitten in den dramatischen Wochen um den Grexit im Sommer 2015 hatte das Umweltministerium sämtliche Bau- und Betriebsgenehmigungen widerrufen. ElDorado Gold hatte mit bislang achtzehn Gerichtsentscheiden gegen die Regierung vor Gericht Recht erhalten.

Nun möchte ElDorado sämtliche Anlagen still legen und nur mit einem Rumpfteam instand halten, bis es entweder einen Regierungswechsel oder eine Kapitulation des Umweltministeriums gibt. Der strategische Berater von Tsipras, Nikos Karanikas, kommentierte den Abzug der Kanadier mit Verwünschungen. Zum Abschluss seines Kommentars schickte er ElDorado "in die Trümmer" und gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Firma nirgendwo auf der Welt Fuß fassen möge. (Wassilis Aswestopoulos)

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