Kein Kriegskirchen-Tag?

Was wird der Kirchentag zur Renaissance der Atombombe sagen?

Unter Bundeskanzlerin Angela Merkel stimmt die deutsche Regierung auf internationaler Ebene stets im Sinne der Atombombenbesitzer ab, verweigert sich also einer Ächtung der Bombe, und verficht zudem offensiv eine deutsche Atombombenteilhabe. (Die radikalisierten Bürgerlichen fordern derweil schon direkt die "Deutsche Bombe".)

Im Zuge der neuen Welt-Kriegsordnung ist längst ein erneuter Rüstungswettlauf angelaufen. Hierzu gehört die "Modernisierung" der Atomwaffen. Diese wird global am Ende wohl nicht Milliarden, sondern Billionen zulasten der Elenden auf der Erde verschlingen.

Nun sind die modernisierten "Bomben Satans" (G. Heidingsfelder) ausdrücklich für angeblich begrenzbare nukleare Einsätze vorgesehen. Mit den Spitzfindigkeiten der Adenauer-Ära und einem befristet tolerierten "Gleichgewichts des Schreckens" kann sich heute kein Theologe oder Kirchenleiter mehr herausreden. Die Militärseelsorger am Atombomben-Standort Büchel können den deutschen Soldaten, sofern sie Gott und nicht dem Staat dienstbar sein wollen, nur die christliche Weisung vorlegen:

Die Zündung einer Atombombe durch einen [...] Christen ist objektiv schwere Sünde, und zwar in jedem Fall […]. Eine solche Zündung darf auch dann nicht getan werden, wenn die Verweigerung einem das Leben kostet.

Karl Rahner

Es ist mit Gewissheit davon auszugehen, dass der oberste evangelische Bischof vom monströsen Neubau des Atombombensystems in unseren Tagen Kenntnis hat. Es wäre schwer nachvollziehbar, wenn er die deutsche Regierungschefin beim Berliner Podium über "Verantwortung in der Welt" nicht mit dem Thema "Deutsche Atombombenteilhabe" konfrontiert.

Im Zuge des deutschen Revisionismus, der mitunter ganz unverhohlene Voten für eine Rückkehr zur preußischen "Blut- und Eisen"-Staatskunst zeitigt, soll die Garnisonskirche von Potsdam - deutsch-"naturgetreu" - wiederaufgebaut werden.

Da in eben dieser Kirche am 21. März 1933 der Siegeszug der deutschen Faschisten gleichsam sakral besiegelt wurde, ist sie das traurigstes Bild für die Abgründe des preußischen Kriegsprotestantismus, dessen "Gotteshäuser" in vielen Fällen gewiss nicht der Verherrlichung Jesu Christi dienten, sondern der Anbetung des heidnischen Mars. Die Predigt zur "deutschen Erhebung" am Tag von Potsdam hat 1933 der deutschnationale Bischof Otto Dibelius gehalten. Die deutsch-katholischen Bischöfe mahnten dann am 3. Juni 1933 ihre Schäfchen, man dürfe im "nationalen Erwachen" jetzt nicht beiseite stehen.

Nun könnte sich freilich auch die evangelische Kirche nicht dagegen wehren, wenn staatliche und politische Kreise mit entsprechenden "Prioritäten" (in einer Gesellschaft mit zahllosen Armen) die Kirche von Hitlers Königskrönung mit vielen - vielen - Millionen wieder aufbauen. Das ist jedoch nicht die Frage! Denn offenbar zeigt die evangelische Kirche Bereitschaft, wie Bettina Röder in Publik-Forum berichtet, Kirchengelder in horrender Höhe beizusteuern - und zwar nicht für ein neugestaltetes Friedenssymbol, sondern eben für die getreue Wiederauferstehung des Militarismus-Heiligtums!

Die Initiative "Christen brauchen keine Garnisonskirche" bietet fundierte Hintergrundinformationen an und eine - bislang leider nur spärlich unterstützte - Erklärung. Für friedensbewegte Christen, die zum Kirchentag fahren wollen, gibt es Gelegenheit, auch hier ein Zeichen setzen. Sie könnten sich vor ihrer Anreise zu Hause fünf Minuten Zeit nehmen und die protestantische Erklärung gegen den Potsdam-Militärkirchen-Wahn zu Tausenden mit ihrer Unterschrift stärken.

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