Keine Fortschritte im deutschen Klimaschutz

Arktis: Der Norden taut auf

Hoch im Norden wächst derweil das Meereis auf dem arktischen Ozean auch kurz vor seinem jährlichen Höhepunkt weiter nur zögerlich. Derzeit scheint es gar mal wieder eine Pause eingelegt zu haben. Auch die Temperaturen spielen nach wie vor verrückt und liegen in der Arktis noch immer etliche Celsius-Grade über dem in den letzten Jahrzehnten dort Üblichen.

Insbesondere der Norden Skandinaviens und der äußerste Norden des europäischen Teils der Russischen Föderation erleben in den letzten Wochen ein ausgesprochen verrücktes Wetter mit Temperaturen, die oft über denen Nordgriechenlands oder Serbiens liegen, wo noch immer Flüchtlinge im freien campieren müssen.

Derweil machen sich einige Wissenschaftler Gedanken, wie die Arktis in einigen Jahrzehnten aussehen könnte, wenn das dortige Meer in den wärmsten Monaten des Jahres gänzlich eisfrei sein könnte. Das US-amerikanische Wissenschaftsmagazin Scientific American, hierzulande als Spektrum der Wissenschaft bekannt, hat die Arbeiten zusammengefasst.

Demnach werden unter anderem die vier Millionen Einwohner der Arktis große Probleme haben. Auftauender Boden bedroht Straßen und Gebäude, wenn der Boden unter diesen aufweicht. Wenn die Küsten auftauen und zudem nicht mehr von Packeis vor den Wellen geschützt werden, werden die Stürme sie an vielen Stellen erodieren, so dass Küstensiedlungen verlegt werden müssen. Letzteres ist in vergangenen Jahren bereits in einigen Fällen vorgekommen.

Die Westwinde in der höheren Troposphäre

Aber auch weiter im Süden werden die Auswirkungen einer wärmeren Arktis zu spüren sein. Das Temperaturgefälle zwischen den gemäßigten Breiten und dem hohen Norden ist Motor und Regulator für ein Band starker Westwinde in der höheren Troposphäre, das heißt in einigen Kilometern Höhe. An diesem wandern wiederum die Tiefdruckgebiete entlang, die einen großen Einfluss auf das Wetter Europas haben.

Eine Abschwächung des Temperaturgegensatzes, wie wir ihn derzeit gerade besonders ausgeprägt erleben, führt zu zwei Dingen. Zum einen fängt das Windband an, stärker zu mäandern. Die Wellen, mit denen es sich um den Planeten bewegt werden größer, die Rücken reichen weiter nach Norden, die Täler tiefer in den Süden. Das kann dann unter anderem noch mehr Warmluft in die Arktis transportieren und Griechenland oder sogar Teilen Syriens eisige Temperaturen bescheren, wie in den letzten Wochen geschehen.

Zum anderen führt ein verminderter Temperaturgegensatz dazu, dass die Geschwindigkeit dieser Wellen im Windband abnimmt. Das wiederum führt dazu, dass sich auch die Tief- und Hochdruckgebiete langsamer bewegen und Wetterlagen somit länger anhalten.

Insbesondere im Sommer kann das künftig zu Problemen führen, weil damit die Wahrscheinlichkeit ausgedehnter Hitzeperioden und der mit ihnen verbunden Dürren zunimmt. Aber genauso steigt im Winter die Wahrscheinlichkeit plötzlicher Kaltlufteinbrüche auch weit im Süden. Ein wärmerer Planet heißt eben nicht unbedingt, dass es gleichmäßig wärmer wird und Mitteleuropäer den Winter nicht mehr zu fürchten brauchen. (Wolfgang Pomrehn)

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